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Prof. Dr. Eberhard L. J. Mechels
Wangerooger Straße 14, 26810 Westoverledingen-Ihrhove

 

 

Die christliche Kirche ist die Gemeinde…“ (Barmen III)

Das Impulspapier der EKD und das evangelische Kirchenverständnis.*

 

 

Vorbemerkung

 

Eine persönliche Bemerkung möge mir vorweg erlaubt sein: das Faszinierende und Aufregende am ThemaKircheund an der Lehre von der Kirche, der Ekklesiologie, ist für mich ihre Scharnierfunktion oder Brückenfunktion zwischen der unsichtbaren Wirklichkeit, die Gegenstand des Glaubens ist, und der sichtbaren Welt, die Sache der empirischen Erfahrung ist. Zwar gibt es eine ziemlich lange protestantische Tradition, die gerade diese Vermittlungsfunktion von geistlicher und empirischer Wirklichkeit der  Kirche umgeht oder gar beseitigt. Dann haben wir eine Art Zwei-Bereiche-Lehre im Gebiet der Ekklesiologie. Demnach verhält sich die geglaubte Kirche zu ihrer empirischen Gestalt oder Organisation indifferent. Dann gerät die Ebene der Gestalt, auch der Gestaltung, in die Beliebigkeit. Das bedeutet: die Organisation der Kirche, ihre äußere Gestaltung, ihre Sozialgestalt regeln wir je nach den Erfordernissen der Nützlichkeit, der geschichtlichen Situation, d.h de facto: nach der jeweiligen Verfassung der gesellschaftlichen Umwelt. D.h.: die Kirche hat in diesen scheinbaräußerlichenBelangen keinen eigenen Kompass, sondern ist außengelenkt. Die Fragen der Organisation, der Gestaltung sind Ermessensfragen, sie haben keine geistliche Relevanz und sind in der gegenwärtigen Reformdiskussion bezogen auf Erfordernisse der Integration von Kirche und Gesellschaft. D. Bonhoeffer war als junger Mensch von 21 Jahren  in mancher Hinsicht seiner Zeit theologisch weit voraus, indem er genau an dieser Stelle der Dissoziierung von geistlicher und empirischer Ebene der Kirche das Problem erkannte und  die geglaubte communio sanctorum mit der sozialen Empirie der Kirche wieder auf Tuchfühlung brachte.

 

In Anlehnung an Lessings Dictum formuliert: Den garstigen breiten Graben zwischen der geglaubten unsichtbaren Kirche und der empirischen sichtbaren Kirche hat er ins Visier genommen. Sein Anliegen steckt bereits im Titel:Sanctorum communio. Eine dogmatische Untersuchung zur Soziologie der Kirche. Sanctorum communio ist eine GlaubenswirklichkeitSoziologie ist eine empirische Wissenschaft, und die dogmatische Untersuchung bringt das in Berührung, sie sitzt genau dazwischen an der Schnittstelle. Und so durchbrach er die ekklesiologische Zwei-Bereiche-Ideologie. Es geht um den Schnittpunkt (das ist der Akzent von A. Denecke) bzw. die Schnittmenge (das ist eher meine Interpretation) zwischen geistlicher und sozialer Wirklichkeit der Kirche. Dieses Bemühen für die heutige Situation fortzuschreiben, das ist ein Weg, um im gegenwärtigen Streit über den Weg der Kirche aus der derzeitigen Blockade, um nicht zu sagen Agonie herauszukommen. In dieser Sache auf Bonhoeffer zu hören ist außerordentlich hilfreich. Um es mit Worten von Eberhard Jüngel zu sagen (er sagte das in Bezug auf Karl Barth): Die Zitrone gibt immer noch Saft. 

 

 

I. Evangelisches Kirchenverständnis.

           

1. Die Kirche ist versammelte Gemeinde

 

Am häufigsten (46 mal)  kommt das neutestamentliche Wort für Kirche:ekklesia, in den Paulusbriefen vor. Und Paulus war es auch, der diesem Wort seine besondere Prägung gegeben hat.  Diese paulinische Prägung hat das kirchliche Selbstverständnis immer wieder, wenn auch nicht durchgängig, orientiert und geleitet. Dies Wort beschreibt unseren Konsens, es sagt, als was wir uns verstehen. Die Frage im Zusammenhang der Kirchenreformdiskussion ist, ob dieser Konsens noch besteht. (Ich habe da Zweifel.) Dieses Wort enthält implizit die Antwort auf die Frage: Wer seid ihr? Was ist die Kirche? Die Antwort ist überraschend lapidar: Versammlung! Das Wortekklesiastammt aus dem Profangriechischen, hat dort überhaupt keine religiösen Implikationen und meinte schlicht: die Volksversammlung. Es ist sehr bedenkenswert, dass ein so profanes Wort ein ekklesiologischer Zentralbegriff wird. Dieser Befund verweist uns bereits darauf, dass eine bestimmte Sozialform, nämlich die leibliche Anwesenheit von Menschen zu gleicher Zeit am gleichen Ort, zentrale Bedeutung hat.

 

Aber lassen wir Paulus sprechen: 1. Kor. 11,17ff.Ich kann´s nicht loben, dass ihr nicht zu eurem Nutzen, sondern zu eurem Schaden zusammenkommt. Zum ersten höre ich: Wenn ihr in der Gemeinde zusammenkommt, sind Spaltungen unter euch.11,20):Wenn ihr nun zusammenkommt, so hält man da nicht das Abendmahl des Herrn…“ 11,33:Darum, meine lieben Brüder, wenn ihr zusammenkommt, um zu essen, so wartet aufeinander.14,26:Wie ist es denn nun, liebe Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, so hat ein jeder einen Psalm, er hat eine Lehre, er hat eine Offenbarung, er hat eine Zungenrede, er hat eine Auslegung. Laßt es alles geschehen zur Erbauung! Auffällig oft ist bei Paulus vomZusammenkommendie Rede. Es ist nicht zu übersehen, dass das leibliche Zusammenkommen in engem Zusammenhang steht mit dem Verständnis der Gemeinde als Leib Christi. Hier kommen bereits empirische und geistliche Wirklichkeit  in Kontakt.

 

Otto Weber [1] fasst den neutestamentlichen Befund so zusammen: Es ist deutlich, daß das Schwergewicht der Aussage beim konkreten Zusammenkommen der ekklesia  liegt.  Wir tun daher gut daran, bei dem Wort `Gemeinde` ... stets das konkrete Moment des Zusammenkommens, der `Versammlung` mit zu denken…“

 

Weil die versammelte Gemeinde der Leib Christi ist, kann Paulus z.B. die Gemeinde zu Korinthdie ekklesia Gottes, die in Korinth ist, nennen, und die Gemeinde in Thessalonich nennt er:die ekklesia der Thessalonicher in Gott dem Vater und dem Herrn Jesus Christus.

 

Die ekklesia zu Korinth, Thessalonich, Philippi usw. ist jeweils die ganze Kirche. Und alle Gemeinden zusammen sind auch die ganze Kirche, nicht aufgrund organisatorischen Zusammenschlusses, sondern weil sie alle die gleiche Substanz haben, sie sind alle eins in Christus, sind sein Leib.

 

 

2. Die Gemeinde ist Leib Christi

 

Diese konkret an einem Ort zusammenkommende, versammelte Gemeinde ist der Leib Christi. Und so folgt  auf  1. Kor. 11, wo so oft vom Zusammenkommen der Gemeinde die Rede ist, das Kapitel über die Gemeinde als Leib Christi, mit dem zentralen Vers 12: Denn wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind,  --- nun würde ich den Satz beenden, vermutlich jeder von uns: so auch die Gemeinde. Das ist ganz folgerichtig gedacht. Die Gemeinde ist ein sozialer Leib, ein Organismus, und der besteht aus vielen einzelnen Gliedern. Das ist doch so ganz logisch. Aber das sagt Paulus nicht, sondern er kommt mit einer Riesenüberraschung. Das ist der ekklesiologische Spitzensatz und der enthält das ganze Geheimnis der Kirche:

 

Denn wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind, so auch Christus. Das ist der paulinische Indikativ: Ihr aber seid der Leib Christi (1. Kor. 12,27).

Das heißt: das Haupt Christus, und die versammelte Gemeinde, der Leib Christi, sind zusammen ein Christus. Das Geheimnis ist groß.

 

Nun liegt der Einwand nahe: ja, das ist der dogmatische Begriff von Kirche, der beschreibt ihr geglaubtes Wesen als Gemeinschaft der Heiligen, als geistlicher Leib Christi, nicht aber ihre empirische Form, ihre Sozialgestalt.

 

Das trifft nicht zu. Denn kennzeichnend für den biblischen Begriff der ekklesia (und auch für den Gemeindebegriff in CA VII, für den Heidelberger Katechismus Frage 54 und für Barmen 3, um nur einige Bekenntnistexte zu nennen) ist, dass hier durchaus eine konkrete Sozialgestalt angesprochen wird: Es geht um die am gleichen Ort zu gleicher Zeit leiblich anwesenden Menschen.

 

Dietrich Bonhoeffer war so nah am Geheimnis der Kirche, von dem 1. Kor.12,12 spricht, wie nur wenige. Er sagt: [2]Christus ist nicht ein Christus an sich und außerdem noch in der Gemeinde. Sondern der, welcher allein der Christus ist, ist der in der Gemeinde pro me Gegenwärtige.( In dem KapitelChristus als Gemeinde, das m. E. die beste Auslegung von 1. Kor 12,12 ist, sagt er:Wie Christus als Wort und im Wort, als und im Sakrament gegenwärtig ist,  so ist er auch als und in der Gemeinde gegenwärtigWas heißt es, dass Christus als Wort auch Gemeinde ist? Es heißt, dass der Logos Gottes in und als Gemeinde räumlich-zeitlich Extensität hat.

 

Ich fasse das bisher Gesagte zusammen mit einem Zitat von Manfred Josuttis [3]Die Zukunft der Kirche ist die Zeit der GemeindeDer entscheidende Vorsprung von Gemeinde, auch wenn sie sich weitgehend als Milieu versteht, gegenüber der Organisation ist  für die phänomenologische Wahrnehmung offenkundig. In der Gemeinde wird das realisiert, was die Kirche zum Leib Christi macht.

 

Dieser Grundsatz: Kirche ist die um Wort und Sakrament versammelte Gemeinde als Leib Christi, bildete ausweislich unserer Bekenntnisschriften den Basiskonsens der evangelischen Christenheit. So sagt die Confessio Augustana Art. VII (1530): Es wird auch gelehrt, dass allezeit eine heilige christliche Kirche sein und bleiben muß, welche ist die Versammlung aller Gläubigen, bei welchen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakrament lauts des Evangelii gereicht werden. (Est autem ecclesia  congregatio sanctorum, in qua evangelium pure docetur et recte administrantur sacramenta) Und dann wird lapidar hinzugefügt: satis est. 

 

Der Heidelberger Katechismus sagt in Frage 54: Was glaubst du von der heiligen allgemeinen christlichen Kirche? Ich glaube, dass der Sohn Gottes sich aus dem ganzen Menschengeschlecht eine Gemeinde zum ewigen Leben erwählt und dass er sie durch seinen Geist und sein Wort  von Anfang der Welt bis ans Ende in der Einheit des wahren Glaubens versammelt, schützt und erhält.

Das Barmer Bekenntnis sagt in These 3: Die christliche Kirche  ist  die Gemeinde von Brüdern, in der Jesus Christus in Wort und Sakrament durch den Heiligen Geist als der Herr gegenwärtig handelt. Es ist ja ganz deutlich, dass auch hier von der um Wort und Sakrament versammelten Gemeinde die Rede ist.

 

Wichtig ist bei diesen Bekenntnistexten die Identifikation: Kirche ist die Versammlung der Glaubenden, Kirche ist die versammelte Gemeinde.

 

Anmerkung: Die Betonung des Identitätssatzes:Kirche ist Gemeinde, und dies im konkreten Sinne von versammelter Gemeinde, sollte nicht im Sinne einesmorphologischen Fundamentalismus(auch so ein Wortungetümgemeint ist, dass eine bestimmte Organisationsform als für alle Zeiten sakrosankt festgeschrieben wird) missverstanden werden. Das Parochialsystem im Sinne eines Systems flächendeckender pastoraler Versorgung der örtlichen Kirchenmitglieder auf Kirchensteuerbasis hat viele Vorteile und Stärken, aber es ist nicht sakrosankt.

 

 

3. Die Leiblichkeit der Gemeinde als Sozialgestalt sui generis

 

Jeder Leib hat eine Gestalt. Und die Gestalt des Leibes Christi ist die versammelte Gemeinde. Was heißt es, dass Christus als Wort auch Gemeinde ist?, fragt Bonhoeffer. Und er antwortet: Es heißt, daß der Logos Gottes in und als Gemeinde räumlich-zeitlich Extensität hat. Räumlich-zeitliche Extensitätdas beschreibt, wasGestaltist.Christus, das Wort, ist geist-leiblich gegenwärtig. Der Logos ist nicht nur schwaches Wort menschlicher Lehre, doctrina, sondern es ist machtvolles Schöpferwort. Es spricht und schafft sich damit die Gestalt der Gemeinde.

 

Wie Christus als Wort und im Wort, als und im Sakrament gegenwärtig ist,  so ist er auch als und in der Gemeinde gegenwärtig. Die Gegenwart in Wort und Sakrament verhält sich zur Gegenwart in der Gemeinde  wie Realität zur Gestalt(Wer ist und wer war Jesus Christus? Seine Geschichte und sein Geheimnis, Hamburg 1962, 49).

 

Das protestantische Kirchenverständnis hatte von Anfang an eine gewisse Tendenz zur Spiritualisierung, Verjenseitigung. Abscondita est ecclesia, latent sancti, sagte Luther.  Und früh haben katholische Kontroverstheologen diesen Punkt kritisch ins Visier genommen und gesagt: Für euch ist die Kirche nichts Konkretes, sie ist eine civitas platonica, eine Abstraktion, sie verflüchtigt sich ins Irgendwo, in den Wolken, da oben im Reich der Ideen. Aber das war ein (wohl nicht ganz unverschuldetes) Missverständnis. Denn die sichtbare und die unsichtbare Kirche werden von Luther nicht einfach voneinander getrennt, sie werden vielmehr zusammengebunden in dem, was geschieht, wenn sich Kirche ereignet. Wort und Sakrament haben eine Art Brückenfunktion zwischen der sichtbaren und unsichtbaren Kirche.Nit das wir sie vonn einander scheydenn wollen, sondern zu gleich, als wen ich  von eim menschen rede und yhn nach der Seelen ein geistlichen, nach dem leyp ein leyplichen  menschen nenne,also auch die Christlich vorsamlung, nach der seelen ein gemeyne in einem glauben eintrechtig, wie wol nach dem leypein iglicher hauff an seinem ort vorsamlet wird [4](WA 6,297.3-9). Auch hier geht es um die leibliche Versammlung von Menschen an einem Ort. Das ist auch nach Luther Kirche als versammelte Gemeinde. Mit der Frage der sichtbaren und der geglaubten Wirklichkeit der Kirche als Leib Christi ist es so wie mit dem irdischen, leiblichen Jesus Christus selbst: sichtbar war für die Menschen seine leibliche Gestalt. Dass er der Christus Gottes ist, das kann Fleisch und Blut nicht offenbaren, sondern nur der Vater im Himmel (Mt. 16,17). Andere hielten ihn für Elia, oder Jeremia, oder der Propheten einen. Oder gar für einen von Beelzebul besessen. Dass die versammelte Gemeinde Christi Leib ist, das kann Fleisch und Blut auch nicht offenbaren. Das ist Sache des Glaubens.

 

 

II. Der gesellschaftliche  Kontext der Reformdiskussion.

 

1. Soziologische Ebenendifferenzierung: Funktion. Leistung. Kommunikation

 

Was ist seit Juli 2006 unter dem TitelKirche der Freiheitals von oben verordnete Reformbewegung im Gange (die Freiheit der Gemeinden kann da nicht gemeint sein, wie die Erfahrung z.B. in der EKBO/Wittstock-Dosse zeigt)? Was spielt sich da zwischen Kirche und Gesellschaft ab? Und was passiert zwischen der Organisation Kirche (EKD und Landeskirchen) und den Gemeinden? Im Horizont dieser Fragestellung sind drei Ebenen angesprochen: 1. die Ebene der Gesellschaft, 2. die Ebene der Organisation Kirche, 3. die Ebene der Gemeinden. In der theologischen Literatur kommen diese Ebenen durchweg selektiv zur Geltung. (Man konzentriert sich auf die gesamtgesellschaftliche Ebene mit der Frage: Was hat Religion für die Gesellschaft zu bedeuten? So fragt die Christentumstheorie nach dem Christentum in der Gesellschaft. Oder auf die organisatorische/institutionelle Ebene mit der Frage: Was bedeutet die Kirche im Zusammenhang dieser gesellschaftlichen Umwelt?  So fragt die Ekklesiologie seit Luther  mit der Zwei-Regimenter-Lehre. So fragen z.B. auch die sog. Stabil-Studien nach der Entwicklung der Kirchenmmitgliedschaft. So fragt die Kirchensoziologie. So thematisiert W.-D.Marsch seine  immer noch sehr lesenswerte Ekklesiologie. [5] Oder auf die gemeindliche Ebene z.B. mit der Frage: Wie können wir unter den gegebenen gesellschaftlichen Verhältnissen Gemeinde aufbauen?) Aber diese drei Ebenen in ihrem Zusammenspiel sind zumeist nicht im Blick. Die Diskussion läuft durchweg reduktiv und ebenenfixiert.

 

Darum ist es hilfreich, wenn wir den gegenwärtigen Streit um die Kirche (ein Diskurs wäre mir lieber) begreifen wollen, das soziologische Modell der Ebenendifferenzierung [6] als  theoretisches Raster zu nutzen. Das möchte ich in diesem Referat tun. Ich habe das kennen gelernt in Bielefeld bei Niklas Luhmann, in seiner funktional-strukturellen Systemtheorie spielt diese Differenzierung eine wichtige Rolle. Sie besagt, dass moderne Gesellschaften, die sich primär nach dem Prinzip der funktionalen Differenzierung strukturieren, nicht nur Teilsysteme funktional ausdifferenzieren, sondern auch für jedes Teilsystem die Ebenen der Systembildung auseinander ziehen und deutlich voneinander unterscheiden. Das ist eine Fähigkeit großer, hochkomplexer Gesellschaften. Sie unterscheiden die Systemebenen 1. der Gesamtgesellschaft, 2. der Organisation, 3. der Interaktion.

 

Gesellschaftssysteme sind Systeme des größten Komplexitätsgrades. Sie leisten als Gesamtsystemeletzte fundierende Reduktionen [7]  und begründen soziale Ordnung als  Bereich reduzierter Weltkomplexität.

 

Organisierte Sozialsysteme sind Systeme mittlerer Komplexität. Ihr Merkmal ist die Verknüpfung von Personen, Programmen und Strukturen. (Die Kirche z.B. hat 1. Personal, sie hat 2. ein Programm, fixiert in ihren Bekenntnissen, sie hat 3. eine Struktur, in ihrem Aufbau, ihrer Hierarchie.)

 

Einfache Sozialsysteme sind Systeme mit geringer Komplexität. Das sind Interaktionssysteme. Ihre Hauptmerkmale sind: 1. Anwesenheit, 2. wechselseitige Wahrnehmung 3. sprachliche Thematisierung.Geringe KomplexitätundEinfachheitbesagt hier nicht, dass sie einfach sind im strikten Sinne des Wortes, nicht, dass hier Komplexität und Kompliziertheit fehlte. Sondern dass sie für alle Beteiligten erlebbar und überschaubar sind. Darum ist Anwesenheit hier ein wichtiges Kriterium. (Großemittleregeringe Komplexität besagt keine Wertung, sondern bezieht sich auf den Umfang und die Zahl der Elemente eines Systems.)

 

Das alles klingt (wegen der theoretischen Abstraktheit) komplizierter, als es ist. Darum will ich das auf das uns interessierende ThemaReligionundKircheabbilden.

 

Für die Gesamtgesellschaft hat Religion, so sagen die Soziologen, eine integrierende, stabilisierende Funktion. Diese wird  inhaltlich verschieden bestimmt: als symbolische Integration durch sinnstiftende Einheitsformeln; als moralische Integration durch Normen und Werte, die für das Zusammenleben wichtig sind; als politische Integration, indem politische Herrschaft religiös legitimiert wird z.B im Gottesgnadentum (bei E. Durkheim sind es  religiös formulierte Regeln, Normen und Gesetze, die in einer Gesellschaft gelten und die den einzelnen in die Gesellschaft integrieren; bei  M. Weber ist die Religion ein Akt der Sinngebung für soziales Handeln; bei N. Luhmann ist es die Transformation unbestimmter Komplexität in bestimmbare. Gott ist dieKontingenzformel, mittels derer die Gesellschaft, die ins Voraussetzungslose gebaut ist, ihre Kontingenz tragbar macht).

 

Organisationen sind Teilsysteme, die für andere Teilsysteme in der Gesellschaft Leistungen erbringen. Die Organisation Kirche z.B.  verwaltet in der Gesellschaft Religion,  in erster Linie durch Seelsorge, durch Diakonie und durch die Passageriten (Amtshandlungen), die den Menschen helfen, Angst, Enttäuschungen oder Unsicherheit zu verarbeiten. (Angst, die dadurch entsteht, dass etwas eintritt, was man nicht erwartet hat, z.B. Krankheit oder Krieg; Enttäuschung, die dadurch entsteht, dass etwas nicht eintritt, was man erwartet hat, z.B. Treue des Ehepartners; Unsicherheit, die dadurch entsteht, dass man nicht weiß, was man erwarten soll oder darf, z.B. bei der Passage aus dem Nichtsein ins Dasein, aus der Kindheit ins Erwachsenendasein, in den aus dem Single-Dasein in den Ehestand, ins aus dem Leben ins Nicht-mehr-da-sein). R. Schloz beschreibt das kurz und bündig so:Was den Bestand dieser Kirche gewährleistet, ist das Bedürfnis nach Begleitung, Vertiefung, Entlastung an den Zäsuren der Lebensgeschichte, die Verschränkung von kirchlichem Handeln, natürlicher Religion und bürgerlichen  Lebensgewohnheiten. [8]  K.-W. Dahm definierte die Leistung der Kirche so: ihre zentralen Aufgaben sind 1. Darstellung und Deutung von Normen und Werten, 2. helfende Begleitung in Krisensituationen. [9]

 

Ein Interaktionssystem ist das, was Schleiermacher so beschreibt: Die Kirche braucht nichts anderes auf Erden,als eine Sprache, um sich zu verstehen, und einen Raum, um beieinander zu sein(F. Schleiermacher, Über die Religion, zit nach: Phil. Bibl. Bd. 255, Hamburg 1958, 121). Das nennt er dievollkommene Republik, ein priesterliches Volk(a.a.O.102). Das ist für ihn Kirche, realisiert als herrschaftsfreie Versammlung und zweckfreie Kommunikation. Mit anderen Worten: Das ist Gemeinde als Versammlung von Menschen um Wort und Sakrament. Hier wird Kommunikation des Evangeliums und Kommunion im Sakrament realisiert.

 

Zusammenfassend sind die drei Ebenen so zu beschreiben: Religion als Gesellschaftssystem hat eine Funktion.  Der Sinn von Kirche als Organisation ist das Erbringen von Leistungen (Amtshandlungen als religiöse Dienstleistungen). Der Sinn von Gemeinde ist Realisation (der Teilhabe an Jesus Christus, am Wort Gottes, am Sakrament, aneinander).

 

 

2. Differenzierung. Individualisierung. Pluralisierung

 

Wenn versucht wird, unsere gesellschaftliche Lebenswelt zu beschreiben, dann tauchen mit großer Regelmäßigkeit drei Begriffe auf: Differenzierung, Individualisierung, Pluralisierung. Sie bilden einen komplexen Zusammenhang.

 

In differenzierungstheoretischer Sicht stellt sich die sozialgeschichtliche Entwicklung so dar, dass sie nur nicht durch wachsende Komplexität und Differenzierung gekennzeichnet ist, also durch die Vermehrung der Anzahl der Elemente und der Beziehungen zwischen den Elementen. Sondern vor allem: Es verändert sich das Differenzierungsprinzip.

 

Archaische Gesellschaften sind gegliedert nach dem Prinzip der segmentären Differenzierung, die sich vollzieht auf der Basis der Gleichheit von Systemen und Umwelten in der Form von gleichen und multifunktional strukturierten Einheiten (Sippen, Stammesverbände).

 

Der Typus der schichtenmässigen (stratifikatorischen) Differenzierung vollzieht sich auf der Basis von rangmäßiger Gleichheit im System und rangmäßiger Ungleichheit im Verhältnis zu den anderen Teilen der Gesellschaft. Dieser Typus liegt in den Hochkulturen vor. Er hat seine angemessene theoretische Artikulierung gefunden im Verständnis der Gesellschaft als eines sozialen Körpers, der sich aus verschiedenen Teilen mit unterschiedlicher Repräsentanz des Ganzen zusammensetzt. Das Weltbild einer solchen Gesellschaft ist theokratisch-pyramidenhaft gebaut. Die Welt schichtet sich von der niedersten bis zur höchsten Seinsstufe auf. So ist das System des Thomas von Aquin gebaut.

 

Der jüngste Typus ist die funktionale Differenzierung, die sich vollzieht auf der Basis von funktionaler Gleichheit im System und funktionaler Ungleichheit zur gesellschaftlichen Umwelt. Dieses Prinzip hat eine beispiellose Expansion an Komplexität freigesetzt, die theoretisch schwer zu hantieren ist. Es  ist aber ohne Frage so, dass die funktionalen Teilsysteme (wie Gesundheit, Kultur, Wissenschaft, Religion, Technik, Wirtschaft usw.) nicht einfach auf gleicher Ebene nebeneinander fungieren, sondern dass es ein entwicklungsleitendes Teilsystem gibt. Dasnach Art und Umfang neuartige geld- und  marktorientierte Wirtschaftssystem revolutioniert das ganze alte Gesellschaftsgefüge.  Was jetzt als bürgerliche Gesellschaft bezeichnet wird, ist ein Gesellschaftssystem neuen TypsDer funktionale Primat der Politik wird durch einen Primat der Wirtschaft abgelöst. ... Die dafür erforderliche  Kommunikation wird an Geld, nicht an Macht orientiert. [10]  

 

H. Gollwitzer hat also durchaus recht, wenn er von derkapitalistischen Revolutionspricht, [11] ebenso wie D. Schellong, der den wesensmäßigen Fremdheitsstatus des Christentums in einer so strukturierten Gesellschaft beschreibt [12]. Wer dies für Übertreibungen hält von Theologen, die ja dann und wann zu Überspitzungen neigen, den erinnere ich an folgende Darlegungen eines führenden Soziologen: Das in der modernen Gesellschaft dominante Kommunikationsmedium, das Geld, ermöglichteine Konzentration der Vorsorge für die Zukunft. Man braucht im Grunde nur noch für Geld zu sorgen, um der Zukunft im Rahmen des technisch und gesellschaftlichen Möglichen gewachsen zu sein. Geld löst in dieser Hinsicht religiöse Sicherungsmittel ab, wird zum god term im Bereich der Wirtschaft. [13] Er bringt das Beispiel eines theologischen Lernprogramms:Man könnte sichein Rahmenprogramm denken, das dem Geistlichen aufgibt, den Menschen zu helfen, sich selbst eine nachhaltige Antwort auf die Frage, wer bin ich, zu geben, und dies durch die Konfrontierung mit Gott zu erreichen (und nicht z.B durch Vermittlung einer Chance, Geld zu verdienen). Vielleicht macht er dann die Erfahrung, dass bei voll und ungebrochen in der Gesellschaft lebenden Menschen nicht mehr unmittelbare Kommunikation mit Gott, sondern nur noch Geld Identität vermitteltund dass er deshalb eine Theologie braucht, in der das Geld einen anderen Stellenwert als bisher bekommt. [14] F.X Kaufmann sagte in einem Vortrag, den er in einem Kreis von Wirtschaftsleuten und Bankern gehalten hat:Wir stehen in Berufen, die die Wirtschaftsleben nahe stehen, einem Wirtschaftsleben privatkapitalistischer Prägung, in dem Geld mehr zählt als Weltanschauung und in dem Religion genauso wie im Sozialismus zur ´Privatsache´ geworden ist. Mehr noch: wie die Analysen nahezu aller soziologischer Klassiker zeigen, ist es im wesentlichen die Ökonomisierung der Lebensbezüge, welche Traditionenauch christlicheauflöst, und es ließe sich gerade aus soziologischer Perspektive die Berechtigung des Bibelwortes dartun: 'Ihr könnte nicht gleichzeitig Gott dienen und dem Mammon.' Wir sind also, sofern wir als dem Wirtschaftsleben nahe stehende Menschen Christen sindsowohl in geistiger wie in statistischer Hinsicht 'unwahrscheinliche Christen'. In der Bundesrepublik sind messbare religiöse Einstellungen bei keinen Berufsgruppen geringer als bei Bank- und Versicherungsleuten. [15]

 

Die funktionale Differenzierung setzt einen Prozess der Individualisierung und Pluralisierung in Gang. Waren in vormoderner Gesellschaft die Menschen Bewohner des  ganzen Hauses, in dem ein für alle verbindliches Sinn-, Wert-  und Handlungssystem galt, dessen Geltung durch die Gesellschaft und dessen Durchsetzung durch Sanktionen gesichert war, so ändert sich dies in der Neuzeit grundlegend. Der einzelne ist konfrontiert mit einer Vielzahl von Möglichkeiten, von untereinander konkurrierenden Handlungsanweisungen und Handlungsangeboten, von Sinn- und Deutungsangeboten, zwischen denen er sich entscheiden muss. Der moderne Mensch muss dauernd wählen. Er ist aufgefordert, ja gezwungen, Subjekt, Individuum zu werden als ein insich kreuzenden sozialen Kreisenstehender Mensch, wie Simmel das charakterisiert hat. [16] Die hessische PerspektivstudiePerson und Institutionbeschreibt das Phänomen so:Auf dem Hintergrund eines vergleichsweise hohen materiellen Lebensstandardswurden die Menschen in einem historischen Kontinuitätsbruch aus traditionellen Klassenbindungen  und Versorgungsbezügen herausgelöst und verstärkt auf sich selbst und ihr individuelles Schicksal mit allen Risiken, Chancen und Widersprüchen verwiesen. Individualisierung bedeutet dabei, dass die Biographie des einzelnen zu einer, offenen, selbstreflektierten und eigene Entscheidung bedingenden Aufgabe wird.Es gibt keine vorgegebenen  integrierenden Wertmuster und Lebensmuster mehr, in die die einzelnen sich fraglos einfügen. Sie müssen ihr Sinn- und Wertgefüge selbst komponieren. Sie müssen, ob sie wollen oder nicht, dauernd wählen, stehen unter demZwang zur Häresie, wie Peter L. Berger das beschrieben hat [17], sie werden zu Wanderern zwischen den Regalen des Supermarkts mit vielen Sinn- und Deutungsangeboten. Dort stellen sie sich ihr individuelles Sinnmenu selbst zusammen.

 

 

3. Säkularisierung und Organisation

 

Angesichts der unüberschaubaren Literatur und der kontroversen Diskussion das FassSäkularisierungaufzumachen hieße in ein Fass ohne Boden zu hüpfen. [18] Aus differenzierungstheoretischer Sicht vereinfacht sich das Problem.

 

Es besteht weithin Konsens in der Einschätzung, dass moderne hochkomplexe Gesellschaften nicht mehr durch Normen und Werte, durch religiöse Sinngebung oder  Weltanschauung zu einer Einheit verbunden, also integriert werden, sondern durch formalere, abstraktere Integrationsformen, z.B. durch das Prinzip der Verträglichkeit, der Kompatibilität. Die Integrationsleistung besteht dann darin, dass alle Teilsysteme der Gesellschaft füreinander eine verträgliche Umwelt bilden. Negativ formuliert: Die Gesellschaft wird dadurch zusammengehalten, dass keins ihrer Teilsysteme Funktionen entwickelt, die in anderen gesellschaftlichen Bereichen stören und zu Problemen führen. (z.B.: dass das Bildungssystem nicht so erfolgreich wird, dass die Wirtschaft keine Arbeiter mehr hat; oder das Krankenhaussystem/System Gesundheit so effektiv ist, dass die Rentenkasse die alten Menschen nicht mehr unterhalten kann.) Das ist eine ganz formale Art der Integration. Sie besteht einfach darin, dassanderesin einer fürdiesesverträglichen Weise woanders geschieht: Produktion oder Forschung oder politische Entscheidung oder Konzert oder Erziehung oder Recht(sprechung) oder Lob Gottes. Die Anhäufung mehrerer Funktionen in einem Teilsystem ist eine Anforderung, die in hochkomplexen Gesellschaften verschwindet. Die Teilsysteme nehmen sich gegenseitig die Arbeit ab, indem sie ihre spezielle Aufgabe leisten können, weil in der gesellschaftlichen Umwelt anderes geleistet wird.

 

Beschreibt man in dieser Weise die Differenziertheit moderner Gesellschaften, dann ist darin das Problem der Säkularisierung bereits beantwortet. Das Religionssystem, also die OrganisationKirchefungiert religiös, weil anderes woanders geschieht, d.h. allemal: nichtreligiös. Das heißt: Funktionale Differenzierung ist Säkularisierung. Das bedeutet auch: Die Kirche ist nicht mehr durch einen gesamtgesellschaftlich geteilten Glaubens-, Wert- und Normenkonsensus von außen her umgeben. Franz Xaver Kaufmann hat diese Konstellation viel konkreter und plastischer analysiert, als ich das der Kürze halber hier getan habe. [19] Er sagt: Im Prozess der gesellschaftlichen Differenzierungbeginnen sich die religiösen Bezüge in spezialisierter Form auf die Kirchen zu richten, während sie aus den übrigen gesellschaftlichen Bereichen  zunehmend verdrängt werden.insgesamt scheint mir die Verkirchlichung des Christentums die entscheidende Veränderung der gesellschaftlichen Institutionalisierung der Religion in den letzten hundert Jahren zu sein. [20] Kaufmann beschreibt das Problem mit dem systemtheoretischen Begriff derEntropie.Der Begriff wurde zunächst in der Thermodynamik entwickelt, hat jedoch auch einen hier näher liegenden bioenergetischen Sinn. Entropie  wörtlich: 'Wendung nach innen'gilt als 'Mass für die gebundene Energie eines geschlossenen (materiellen) Systems, das heisst für die Energie, die im Gegensatz zur freien nicht mehr in Arbeit nach aussen umgesetzt werden kann'.  Wenn das Christliche zunehmend nur noch mit dem explizit Religiösen und das Religiöse nur noch mit dem von den etablierten Kirchen Vertretenen identifiziert wird, diese selbst jedoch zunehmend den Charakter bürokratischer Organisationen annehmen,so entspricht dies dem skizzierten Entropiebegriff: Zu viele Energien werden für innerkirchliche Aktivitäten gebunden, und es bleibt zu wenig ´freie´ Energie [21], um nach außen zu wirken.

 

 

III.Kirche der Freiheit: Die Strategie der Integration von Christentum, Kirche und Gesellschaft

 

1. Christentumstheorie als Grundkonzeption

 

Wenn wir fragen, welche theologische Konzeption das Reformprogramm der EKD  bestimmt, woher die Gesamttendenz dieses Programms kommt, dann stoßen wir auf die Christentumstheorie. Ihr Einfluss auf Reformstrategien von Kirchenleitungen ist seit mindestens 25 Jahren zu beobachten. [22] Auf sie bezieht sichKirche der Freiheitausdrücklich. [23] Bei der Berufung des Impulspapiers auf Bonhoeffers Begriff und Verständnis der Kirche alsKirche für andere [24] handelt es sich offensichtlich um einen Etikettenschwindel, wie Heino Falcke stringent aufgezeigt hat [25], denn das theologische Grundmodell des Impulspapiers ist nicht die Ekklesiologie derKirche für andere, sondern die Christentumstheorie. [26]

 

Ihr Ausgangs- und Mittelpunkt ist die gesellschaftliche Verfassung des Christentums. Ihre Orientierungsgröße ist das Christentum als neuzeitlich-emanzipatorischer Begriff, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts allgemein wird und mit dem der positiven historisch-christlichen Institution, der Kirche und ihrer Dogmatik, das Monopol streitig gemacht wird, allein zu bestimmen, was christliche Religion ist. [27] Ihr zentrales Anliegen ist die Integration von christlicher Religion und Gesellschaft, d.h. die gesellschaftliche Verfasstheit des Christentums bzw. die christliche Verfasstheit der Gesellschaft. Es geht demnach nicht primär umIntegrationals Aufgabe oder Projekt, sondern um das Postulat der faktischen Integriertheit von Christentum und Gesellschaft. So ist oft die Rede von derChristlichkeit unserer Gesellschaft [28] vom außerkirchlichenChristentum in unserer Gesellschaft [29], von derWelt des Christentums [30] alschristlicher Welt [31]. Von da aus wird die Kirche als eine Gestalt des Christentums in die Gesellschaft integriert als das Besondere dieses Allgemeinen, des Christentums in der Gesellschaft eben. In der Neuzeit hat sich ein