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Helmut Aßmann Herzogstraße 74,
67435 Neustadt/Wstr.-Gimmeldingen |
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Das Hohe Lied Salomos, der
Prediger Salomo und das Buch Hiob Das Hohe Lied Salomos hat immer
schon die Frage aufgeworfen, was sucht ein Liebesgedicht in der Bibel. Um die
Aufnahme in den Kanon zu rechtfertigen halfen sich die Kirchenväter mit der
Vorstellung von der Kirche als der Braut Christi. Dieser allegorisch-mystischen
Auslegung folgte die mehr historisierende, bei der
der im Titel des Liedes erwähnte König Salomo der Geliebte war und die
Tochter des Pharao die Rolle der Braut spielte. Aber die wahrscheinlichere
Auslegung geht von drei handelnden Personen aus. Eine Hirtin hat sich einem
jungen Mann verlobt. Sie wird aber von den Leuten des Königs in dessen Harem
gebracht, wo der König versucht, ihr Herz zu erobern. Sie aber weist ihn zurück, da sie
bereits verlobt ist. Nun versucht ein Chor, sie für den König zu gewinnen mit
den Worten: „Was hat dein Freund vor anderen voraus?“ Sie aber
beteuert erneut ihre Liebe mit den Worten: „Stark ist die Liebe wie der
Tod und Leidenschaft ist mächtig wie die Totenwelt.“ So gesehen ist das Hohe Lied ein
Lob der Monogamie und der absoluten Treue, die die Ehegatten einander
schuldig sind, und folglich für die Unauflöslichkeit der Ehe. Vom religiösen Standpunkt aus
gesehen ist das Hohe Lied ein Zeichen für die Liebe, die Gott mit seinem
Volk, Christus mit seiner Kirche verbindet. Diese hat sich auf die
Verführungen der Welt eingelassen, die hier der König Salomo repräsentiert,
der die Braut auf dem Felde aufgreifen und in seinen Harem entführen lässt.
Ihre Liebe zu ihrem himmlischen Bräutigam ist keineswegs untadelig. Ihr
Bräutigam ist abwesend und tritt nur kurz in Erscheinung, was mit der
Inkarnation Christi vergleichbar ist. Wieder entfernt sich der Bräutigam
vorübergehend von der Kirche – eine vergleichbare Aktion zur
Himmelfahrt Christi, die auch in den Schlussversen des Hohen Liedes anklingt.
So gesehen ist das Lied ein Gleichnis auf die Heilsgeschichte. In dem Verhalten der Sulamit, die den König in seine Schranken verweist, liegt
etwas von einer Prophetin. So gesehen repräsentiert sie die Kirche. In Israel
wird das Hohe Lied am achten Passahtag gelesen. Gott hat Israel aus der
Sklaverei befreit und in die Wüste geführt, um die Verheißungen wahr zu
machen, die er ihm gegeben hat. Der Prediger Salomo Der Prediger nennt sich einen Sohn
Davids, einen König in Jerusalem, also Salomo; aber dies ist ein Fiktion. Die
Sprache, die er benutzt, weist ihn in eine Zeit zwischen 300 und 200 v. Chr.
Neben griechischen Einflüssen weist er ägyptische und babylonische Einflüsse
auf. Der Abschnitt 9,4-10 weist überraschende Parallelen zum „Lied des
Harfenspieler“ (ägyptisch) und zum Gilgameschepos
(babylonisch) auf. „Denn wer noch bei den
Lebenden ist, hat Hoffnung; denn ein lebender Hund ist besser als ein toter
Löwe. Denn die Lebenden wissen, dass sie sterben werden, aber die Toten
wissen nichts. Sie haben auch keinen Lohn mehr, denn ihr Andenken ist
vergessen. Ihr Lieben und ihr Hassen und ihr Eifern ist
längst dahin. Sie haben keinen Teil mehr auf der
Welt an allem, was unter der Sonne geschieht. So geh hin und iss dein Brot mit
Freuden, trink deinen Wein mit gutem Mut; denn dies dein Tun hat Gott schon
längst gefallen. Lass deine Kleider immer weiß sein, lass deinem Haupt an
Salbe nicht mangeln. Genieße das Leben mit deinem Weib, das du liebhast,
solange du das eitle Leben hast, das dir Gott unter der Sonne gegeben hat;
denn das ist dein Teil am Leben und bei deiner Mühe, mit der du dich mühst
unter der Sonne. Alles, was dir unter die Hände kommt, es zu tun mit deiner
Kraft, das tu; denn bei den Toten, zu denen du fährst, gibt
es weder Tun noch Denken, weder Erkenntnis noch Weisheit“ (Prediger
9,4-10). Dieser Skeptizismus hat seit eh
und je die Ausleger irritiert, wie auch die offenkundigen Widersprüche z. B.
zwischen der Einschätzung der Weisheit in 1,7-18 und 7,11-12.Heißt es in der
ersten Stelle: „Suchen nach Weisheit ist ein Haschen nach Wind und du
findest nichts als Traurigkeit und Leid“, so in der andern:
„Weisheit ist kostbar und sie erhält das Leben dem, der sie
besitzt.“ Es hat den Anschein, als handele
es sich um eine Meditation eines Weisheitslehrers im Dialog mit seinen
Schülern, am Rand deren der Lehrer Beobachtungen und Erfahrungen, Ratschläge
und Empfehlungen gibt. Das dominierende Thema des ganzen
Buches ist das Vanitasthema. „Was für einen
Nutzen hat der Mensch von aller Mühe, mit der er sich abplagt sein Leben
lang?“ (1,3), ist die Ausgangsfrage und die Antwort darauf ist: Er hat
keinen; denn es ist alles ganz eitel. Auch wenn man einräumt, dass
Weisheit mehr ist als Torheit, so ist doch einerlei Geschick des Weisen wie
des Toren. Was für einen Nutzen bringt mir all die Arbeit, die ich vollbracht
habe, im Vergleich mit einem, der sich nie geplagt hat? Es handelt sich nicht nur um die
Eitelkeit all dessen, was ich vollbringe, sondern um den Kummer und die Verzweiflung , die sich meiner bemächtigen angesichts der
Nichtigkeit von allem, was unter der Sonne geschieht. Der Rat, den der Prediger gibt,
ist: Essen und trinken und guter Dinge sein bei all seiner Mühe. Der Mensch
ist einem Rhythmus von gegensätzlichen Aktivitäten unterworfen. Alles hat
seine Zeit. Im 3.Kapitel stellt der Prediger 14 Gegensatzpaare einander
gegenüber: Geboren werden - sterben Pflanzen - ausreißen Töten - heilen Abbrechen - bauen Weinen - lachen Klagen - tanzen Steine wegwerfen - Steine sammeln Herzen - aufhören zu herzen Suchen - verlieren Behalten - wegwerfen Zerreißen - zunähen Schweigen - reden Lieben - hassen Streit - Friede Aber die Quintessenz von dem allen
ist doch: Man mühe sich ab, wie man will und hat doch keinen Gewinn davon
(3,1-15). Und doch: Es ist Gott, der alles schön gemacht hat zu seiner Zeit.
Auch die Ewigkeit hat er dem Menschen ins Herz gelegt. Nur dass der Mensch
nicht ergründen kann, was Gott tut, weder Anfang noch Ende (3,11-12). Den
tiefsten Punkt der Verzweiflung erreicht der Prediger in Kap.4, wo es heißt:
„Wiederum sah ich alles Unrecht an, das unter der Sonne geschieht, und
siehe, da waren die Tränen derer, die Unrecht litten und keinen Tröster
hatten. Und die ihnen Gewalt antaten, waren zu mächtig.“ Auch der Reichtum ist nichtig.
Denn: „Wie einer nackt von seiner Mutter Leib gekommen ist, so fährt er
wieder dahin wie er gekommen ist, und trotz seiner Mühe nimmt er nichts mit
sich in seiner Hand, wenn er dahinfährt“ (5,14). In 6,8 heißt es: „Was hilft
es dem Armen, dass er versteht unter den Lebenden zu wandeln?“ Hier
greift der Prediger die klassisch-jüdische Weisheitslehre an, die Halacha, die Lehre vom rechten Wandel. Auch sie ist
begrenzt. Dem Armen nützt sie nichts. Wobei es unsicher ist, ob der Prediger
hier den sozial Schwachen oder den Menschen als solchen meint. So ist auch
die jüdische Halachah der Eitelkeit unterworfen.
Entsprechend heißt es in 9,16: „Weisheit ist zwar besser als Stärke,
doch des Armen Weisheit wird verachtet und auf sein Wort hört man
nicht.“ Dennoch weiß er, dass es denen,
die Gott fürchten, gut ergehen wird und dem Gottlosen wird es nicht gut
ergehen, und wie ein Schatten werden nicht lange leben, die sich vor Gott
fürchten (8,13). Aber auch da gilt das Gegenteil: Es gibt Gerechte, denen
geht es, als hätten sie die Werke der Gottlosen getan, und es gibt Gottlose,
denen geht es, als hätten sie die Werke der Gerechten getan (8,14). Man
könnte den Prediger einen dialektischen Theologen nennen; denn zu allen
Thesen, die er aufstellt, weiß er eine Gegenthese. Sein Denken ist ein Denken
in Gegensätzen, aber er weiß auch um die Gerechtigkeit Gottes, dem alles Tun
des Menschen unterworfen ist. Das Buch Hiob Das Buch Hiob besteht aus einem
langen lyrischen Gedicht (3,1 – 42,6), dem ein Prolog in Prosa vorausgeht
(1 – 2) und dem ein Epilog in Prosa folgt (42,7-17). Prolog und Epilog
bilden ein Ganzes, das wahrscheinlich ursprünglich unabhängig vom langen
Gedicht bestand. Es handelt sich um ein altes Volksmärchen, das die
Geschichte Hiobs erzählt, der vom Teufel versucht wird und dieser Versuchung,
zu der Gott den Teufel ermächtigt hatte, widersteht. Das später hinzugefügte
Gedicht fügt der alten Rahmenerzählung eine Reihe von Monologen und Dialogen
ein, wo nacheinander mehrere Personen vorkommen: Hiob, seine drei Freunde, Elihu und Jahwe. Man sagt gewöhnlich, dass das
Thema des Buches Hiob das Problem des Leidens ist. Das stimmt auch; denn es
bietet nacheinander mehrere Lösungsversuche oder zumindest Überlegungen an,
die den Weg zu verschiedenen Antworten auf das Problem des
„Warum“ des Leidens weisen. Genauer gesagt beziehen sich diese
Antworten auf das „Wie“ des Leidens. Darüber hinaus geht der
Verfasser auf das Problem der Wiedergutmachung ein und man wird mit der These
der kollektiven oder individuellen Wiedergutmachung konfrontiert, was
wiederum zu einer oder mehreren Definitionen von Sünde führt
. Aber all dies sind nur Aspekte des
zentralen Problems des Buches, das die Beziehung des Menschen zu Gott
betrifft. Dies drückt der Satan im Prolog bereits aus mit der Frage: Ist es
umsonst, dass Hiob Gott fürchtet? Anders gesagt: Ist die Frömmigkeit mit
ihren moralischen Implikationen selbstlos? Ähnlich fragte ja der Prediger:
Welchen Ertrag zieht der Mensch aus all den Mühen, denen er sich unter der
Sonne unterzieht? Der Unterschied ist ein doppelter:
Zum einen ist das Leiden beim Prediger dasjenige, dem sich der Mensch selbst
unterzieht, weil er den Sinn seiner Existenz ergründen will, während Hiob das
Leiden von außen auferlegt wird. Zweitens lässt die Fragestellung des
Predigers erkennen. dass es einen Ertrag der Mühen geben muss, während es bei
Hiob keinen solchen gibt. Die Beantwortung der Frage nach
dem Gottesverhältnis im Prolog ist klar, nicht dagegen im Hiobgedicht. Der
Hiob des Prologs schmäht Gott nicht, im Gegensatz zu dem des Gedichts, der
den Tag seiner Geburt verflucht (3,1), der Gott Grausamkeit vorwirft und ihn
als Spion (7,20) und als überführten Dieb behandelt. In Hiob 42,10 heißt es:
Und der Herr gab Hiob doppelt so viel, wie er gehabt hatte. Das war die
Strafe für einen überführten Dieb nach dem Gesetz Hammurabis. Nun ist aber dies eine Aussage des
Epilogs, sodass man vermuten muss, dass dieser bereits eine Anspielung auf
die negative Konnotation Gottes enthielt, die im Gedicht voll zum Tragen kommt.
Daraus kann man schließen, dass das Volksmärchen seine Formulierung in der
Zeit des babylonischen Exils gefunden hat, da es babylonisches Recht
voraussetzt, das lyrische Gedicht erst später gedichtet worden ist, als
Israel unter persischer Herrschaft stand. Dazu gibt uns einen Hinweis die
Felseninschrift, auf der Hiob die Klageschrift anbringen wollte, wenn er sie
denn hätte. Dennoch weiß Hiob, dass sein
Erlöser lebt und wird am Ende von Gott ins Recht gesetzt, wenn er zu seinen
Freunden sagt: Ihr habt nicht recht von mir geredet wie mein Knecht Hiob.
Damit spricht Gott das Urteil über die Ankläger, nicht über den Angeklagten.
Das Buch Hiob endet mit einem Freispruch. |
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