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Uwe Schneider |
Einmal
Mankell und zurück!
Ein Zug
durch die Geschichte der schwedischen Kriminalliteratur der letzten 60 Jahre
Für viele
meiner Zeitgenossen, die wie ich Mitte und Ende der 60er Jahre noch zu jung
waren, um Maj Sjöwalls und Per Wahlöös
gesellschaftskritische und politisch engagierte Kriminalromane zu lesen, begann
die Entdeckung der schwedischen Kriminalliteratur mit Henning Mankell Anfang
und Mitte der 90er Jahre.
Keine heile Welt – selbst nicht in der
schwedischen Provinz
Eine heile
Welt gibt es nach der Ermordung Olof Palmes 1986 in Stockholm in der
schwedischen Hauptstadt schon lange nicht mehr, und nach Anna Lindhs Ermordung
vor etwas mehr als fünf Jahren ist „heile Welt“ ein Wort, das der Durchschnittsschwede
nicht mehr oft in den Mund nimmt.
Doch wer
meint, mit diesen Morden an schwedischen Politikern bewege sich das Böse in den
großen schwedischen Städten Stockholm, Göteborg oder Malmö, der wird durch die
schwedische Krimiszene der letzten zehn Jahre eines anderen belehrt. Denn mit Henning
Mankell und seinen schriftstellerischen Nachfolgerinnen Viveca Sten, Kerstin
Ekman und Camilla Läckberg ändert sich der Fokus der Kriminalliteratur in
Schweden: Es ist die schwedische Provinz, die zum Spiel- und Tatort
schwedischer Verbrechen wird – zumindest literarisch.
Ystad,
Piteå, Fjällbacka, Sandön und andere kleinere Orte und Städtchen in der
schwedischen Provinz, nicht mehr nur Göteborg, Malmö oder Stockholm bilden die
Kulissen für Täter und Opfer. Und immer mehr Lehrer, Rechtsanwälte, Pädagogen,
Betriebswirtschaftler, und zunehmend die Frauen unter ihnen überlegen ganz
spontan nach einem Urlaubsaufenthalt an der schwedischen Westküste, in den
Stockholmer Schären oder in der kargen Landschaft der nördlichen Provinzen
jenseits des Polarkreises: „Was würde passieren, wenn in man diesem wunderbaren
provinziellen Sommerparadies eine Leiche finden würde?“
Die Provinz
selbst feiert sich und „ihre“ Autorinnen und Autoren. Auf Internetseiten werden
touristische Ausflüge zu den jeweiligen literarischen Verbrechensorten
angeboten. Dort beschreiben die Autorinnen und Autoren ihre literarische (Wahl-)Heimat
bis ins kleinste Detail. Mancher Krimitautor scheut sich nicht, in der Nähe
seines „Tatortes“ eine Life-Kamera zu installieren, die stündlich neue Bilder
vom Tatort Touristennest sendet.
Das Internet verändert das Leben der
schwedischen Krimiautoren
Das
Internet hat nach eigenem Bekunden das Leben der Autoren in den letzten zehn
Jahren sehr verändert. Krimiautorin Camilla Läckberg, Jahrgang 1974, schreibt
auf ihrer Homepage, dass sie mittlerweile ihren Blog, ihr persönliches Tagebuch
aufgegeben hat. Der tägliche Kontakt mit den Leserinnen und Lesern sei zwar
sehr spannend gewesen, aber hätte das tägliche Schreiben sehr erschwert.
Stattdessen hat sie eine Internetseite, die durch ihr literarisches und
wirkliches Heimatstädtchen Fjällbacka an der schwedischen Westküste führt und
aktuelle Kamerabilder des Ortes zeigt. Und sie schreibt jetzt mit anderen
Autoren zusammen Kochbücher – ebenfalls ein Trend in Schweden, aber nicht nur
dort.
Literarische
Internetportale wie Läckbergs Homepage oder beispielsweise Adressen wie „www.schwedenkrimi.de“
und weitere Autorenhomepages wie „www.akeedwardson.se“ und andere bieten dem
internationalen Publikum die Möglichkeit, am Schaffen der Künstler, ihren
Planungen und Marotten teilzunehmen. Hilfreich ist immer noch die Kenntnis der
schwedischen Sprache, aber selbst für Sprachunkundige gibt es genügend „Fan“-
und Hintergrundmaterial in Deutsch oder Englisch zu schwedischen Krimis und
Krimiautoren.
Wie alles begann – lange vor
Wallander
Grundvoraussetzung,
dass die Verbrechen in der Nachbarschaft spannend und zugleich mit mehr oder
weniger Distanz – will sagen: ohne Angst – genießbar sind, ist in der Regel das
Gefühl der eigenen Sicherheit und eines gewissen Wohlstandes.
So hatte
der schwedische Kriminalroman seinen klassischen Durchbruch ab 1943, in einer
Zeit, in der das im zweiten Weltkrieg neutrale Schweden die Anfänge seines Wohlfahrtsstaates
erlebte.
Stieg Trenter
„Ingen kan hejda döden“, „Keiner kann den Tod
verstecken“, hieß der Debutroman von Stieg Trenter. Stieg Trenter, Jahrgang
1914, hieß eigentlich Stig Johansson. Er benutzte zuerst seinen Künstlernamen
als Pseudonym, nahm aber dann diesen Namen als seinen eigentlichen an. Er war
der erste schwedische Schriftsteller, der sich auf dem Gebiet des
Kriminalromans mit der vor allem englischsprachigen internationalen Konkurrenz
messen konnte. In den 40ern und 50ern brachte er fast jedes Jahr einen
Kriminalroman heraus, deren Hauptperson der Fotograf Harry Friberg war, den er
in Anlehnung an seinen besten Freund, ebenfalls einen Fotografen, modellierte.
In den klassischen Werken Trenters, der 1967 verstarb, ist es der Fotograf Harry
Friberg selbst, der in der Ich-Form über seine Abenteuer, die er zusammen mit
dem Kriminalassistent Vesper Johnson erlebt, berichtet. Und meistens endet der
Roman so, dass der am wenigsten Verdächtigte sich als der Täter erweist. Nach
Trenters Tod hat seine Tochter, die Verfasserin Laura Trenter, die Erzählungen
im Sinne ihres Vaters fortgesetzt, ohne sein Niveau ganz erreichen.
Die
besondere Stärke der Bücher Stieg Trenters sind die Schilderungen des
schwedischen und speziell des Stockholmer Milieus. Man kann im Laufe der
Kriminalromane den Veränderungen und Entwicklungen in Schweden und Stockholm
folgen. Man kann zumeist die äußeren Veränderungen, aber zum Teil auch die
Veränderungen der Ansichten und Gefühlslage der Menschen in der schwedischen
Gesellschaft erkennen. Feinsinnige psychologische Betrachtungen, innere Stimmen
der handelnden Personen fehlten den Romanen Trenters, aber es war wohl (noch)
nicht die Zeit für solche Feinheiten. Im Gegensatz zu den etwa 15 Jahre später
erschienenen Werken von Wahlöö/Sjöwall wirken Trenters Romane altmodisch. Das
mag unter anderem daran liegen, dass seine männlichen Hauptpersonen überhaupt
keine emotionalen Beziehungen zu weiblichen Personen aufbauen und dass keine
sozialkritische Botschaft transportiert wird.
Trenter
bekam 1956 bereits den Sherlock-Preis für seine Kriminalromane.
Maria Lang
Ein
kräftiger Schuss Realismus unterschied Trenters Krimis im Vergleich mit der
„Königin“ der Detektivromane Dagmar Lange. In ihren Werken nennt sie sich Maria
Lang als Verfasserin. Sie ist Jahrgang 1914, verstarb 1991 und debütierte 1949
mit dem Roman „Der Mörder lügt nicht allein“ (Mördaren ljuger inte ensam).
Hauptperson ist anfangs Puck Edstedt, bevor sich der Kriminalkommissar Christer
Wijk hinzugesellt.
Schwedische
Literaturhistoriker wie Göran Hägg und andere haben den unrealistischen
Sprachstil kritisiert: Alle Flaggen flattern stolz, niemals hängt eine traurig
am Mast. Die Dialoge sind immer elegant, gebildete Personen sprechen
miteinander, als seien sie so gerade eben einem Literaturkurs entstiegen. Und
sämtliche Klischees werden bedient: Großgewachsene schwedische Männer treffen
sich mit langbeinigen, dunkelhaarigen Frauen. Trotzdem waren die Bücher von
Maria Lang in Schweden mit die meistverkauften. Bis in die 90er Jahre hinein
verkauften sich ihre Werke, zuletzt oft im Taschenbuchformat.
Die
schwedische Literaturgeschichte ist noch auf der Suche nach der Ursache des
Verkaufserfolges von Maria Langs Werken. Literarisch gilt diese Literatur ohne
Zweifel als handwerklich schlecht gemacht, darüber sind sich die Kritiker
einig. So erklärt sich beispielsweise der Literaturhistoriker Göran Hägg den
Verkaufserfolg dadurch, dass Maria Lang als eine der ersten etwas Erotik mit
ins Spiel brachte, auch wenn dies oft nur durch Andeutungen geschah. Zugleich
verweist Göran Hägg aber auf den Verfasser Olle Hedberg, der zur selben Zeit
sich schon wesentlich mehr als Andeutungen in Sachen Erotik zutraute. So könnte
eine weiteres Argument für den Verkaufserfolg von Maria Lang sein, dass sie als
öffentliche Person, bekannt durch das Radio, und zugleich mit dem Ruf
„gebildet“ zu schreiben, dafür sorgte, dass manches ihrer „schlechten“ Bücher
als Gabe unter dem einen oder anderen schwedischen Weihnachtsbaum lag.
Während die schwedische Literaturkritik ihr Urteil über
die handwerklichen Fähigkeiten gefällt hat, huldigt das Publikum der Maria
Lang. Ihr zu Ehren wurde sogar eine Statue an der Strandpromenade in Nora
errichtet, weithin sichtbar den Ruhm der Autorin verkündend. Die Kleinstadt Nora
in der Landschaft Bergslagen war nicht nur Maria Langs literarische
Heimatstadt, sondern auch ihre wirkliche. In ihren Werken wurde diese Stadt
Skoga genannt, aber jeder wusste, dass das Städtchen Nora gemeint war, durch
das sie nach ihrer Pensionierung nächtens promenierte, um sich Anregungen für
ihre neuen Detektivromane zu holen.
Maria Lang wurde bei der Gründung der schwedischen
Detektivakademie 1971 zum Mitglied des dreizehnköpfigen Rates ernannt, auch
wenn sie die Akademie später nach Streitigkeiten verließ. Das Runebergprojekt
der Universität Uppsala kümmert sich um die Aufarbeitung, Bewahrung und
Würdigung ihrer Literatur und ihrer Person.
Vic Suneson
Ein – laut
schwedischer Literaturkritiker – besserer Verfasser als vorgenannte Dame aus
Nora war der Ingenieur Vic Suneson, Jahrgang 1911. Sein bürgerlicher Name war
Sune Viktor Lundquist. Er verstarb 1975.
Er
debütierte 1948 mit dem Roman „Mord im Umfeld von Maud“ (Mord kring Maud). Sein
Meisterwerk aber war „Im Nebel versteckt“ (I dimma dold). Er brach mit den
unausgesprochenen Konventionen des schwedischen Kriminalromans seiner Zeit,
indem er zum ersten Mal sogar in den Hauptrollen richtige Polizeibeamte,
nämlich O. P. Nilsson und Kjell Myhrman mitspielen ließ. Und lange vor
Sjöwall/Wahlöö ließ er – eine Premiere in der schwedischen
Kriminalromangeschichte – ein Team handeln. Er führte verschiedene
Beobachterperspektiven in die Schilderungen ein und ließ seine Hauptperson innere
Monologe führen. Und: Er war einer hervorragender Milieuerzähler, schilderte
und „malte“, zeichnete, beschrieb das Milieu (Stockholm, Saltsjöbaden u.a.)
ganz fein und sensibel. Das waren Vics Sunesons Stärken.
Dagegen
hingen die verschiedenen Intrigen in seinen Büchern oft schlecht miteinander
zusammen und der Verfasser ermüdete manchmal seine Leserinnen und Leser durch
langatmige Passagen ohne innere Logik. Trotzdem hat es Vic Suneson nicht
verdient, dass seine Bücher nur in kleiner Auflage erschienen und er heute eine
fast vergessene Persönlichkeit der schwedischen Literaturgeschichte ist. Doch allmählich
beginnt die schwedische Literaturgeschichte den Wert seiner Bücher zu begreifen
und zu würdigen.
Ein
Kuriosum noch zu Suneson am Rande. Lange vor der öffentlichkeitsbewussten Liza
Marklund und anderen modernen schwedischen Krimiautorinnen war er es, der sein
eigenes Bild in den Umschlagtexten seiner Bücher veröffentlichen ließ.
Vielleicht kam er auf diese Idee, weil er im bürgerlichen Beruf nebenbei Leiter
des schwedischen Pressebüros (Svenska Pressbyrå) war.
Hans-Krister Rönblom
Hans-Krister
Rönblom (1901-1965), Zeitgenosse Sunesons, konnte seinen beruflichen
Hintergrund als Journalist nutzen und mit unglaublich exakter
Milieubeschreibung , mit psychologisch zutreffenden Personenbeschreibungen,
eleganter Prosa und pfiffigen Ideen ein internationales Publikum erfreuen. „Död
bland döda“ (Tod zwischen Toten, 1954) war sein Erstlingswerk, sein bestes Buch
war: „Tala om rep“ (Sprechen übers Seil, 1958). Vor allem die polizeiliche
Arbeit und die entsprechende Zusammenarbeit oder das Gegeneinander mit den
Journalisten werden präzise dargestellt und entwickelt. Paul Kennet, Lehrer und
Hobbydetektiv, ist die Hauptfigur in Rönbloms Krimis. Die Handlung spielt in
der schwedischen Provinz. An Agatha Christie und Dorothy Sayers, die britischen
Autorinnen und Meisterinnen der Detektivromane seiner Zeit, kommt Rönblom nicht
ganz heran, denn Rönblom traut sich nicht, die Morde außerhalb des schwedischen
Bürgertums passieren zu lassen. Und er kennt nicht den Trick der Britinnen, den
Leser mit Hilfe von Logik und anderen Kenntnissen allmählich an der scheinbaren
oder wirklichen Lösung des Rätsels zu beteiligen.
Geehrt
wurde Rönblom für seine Krimis „Höstvind“ (Herbstwind) und „Djupa vatten“
(Tiefe Wasser), die von einem Expertenten – inklusive der schwedischen
Detektivakademie – zu den fünfzig besten Werken schwedischer Kriminalliteratur
gewählt wurden.
Nach
Rönblom kam eine Durststrecke in der schwedischen Krimiliteratur, obwohl die
Anzahl der Werke verschiedener Autoren für schwedische Verhältnisse
lawinenartig anstieg. Einige – wenn auch manchmal handwerklich schlecht
gemachte – politische Kriminalromane weckten in den 60ern die Aufmerksamkeit der
schwedischen Leser, bevor es zu einem Höhepunkt schwedischer Kriminalliteratur
kam.
Per Wahlöö und Maj
Sjöwall
Per Wahlöö
(1926-1975) und Maj Sjöwall (geb. 1935) schrieben zwischen 1965 und 1975 eine
Reihe von zehn Polizeiromanen mit dem Serientitel „roman om en brott“ (Roman
über ein Verbrechen). Auffällig waren in den Werken die sehr realistische und
exakte Ermittlungsarbeit der Polizei und der Realismus der geschilderten
Handlung des Verbrechens. Auch das linksgerichtete politische Engagement, das
sich aus den zehn Polizeiromanen herauslesen lässt, begeisterte die
Gleichgesinnten ebenso wie die Kritiker. Auszeichnungen und Übersetzungen sowie
Erfolge im Ausland führten dazu, dass Sjöwall/Wahlöö neben Astrid Lindgren bis
in die 90er Jahre zu den meistgelesenen schwedischen Autoren im Ausland
gehörten.
Per Wahlöö
hatte bereits vor den zehn Polizeiromanen ein schriftstellerisches Vorleben,
auch wenn dies den Lesern außerhalb Schwedens nichts so bekannt war. Mit
„Lastbilen“ (Der Lastwagen, 1962), einem Thriller, der im Spanien der
Francodiktatur spielte und „Uppdraget“ (der Auftrag, 1963), einem politischen
Thriller, der in einem fiktiven lateinamerikanischen Land stattfindet, erwies
sich Wahlöö bereits Anfang der 60er Jahre als begabter Schreiber
psychologisch-politischer Verhältnisse und Machenschaften. Handwerklich war er
sehr experimentierfreudig, schrieb Bücher in Du-Form, brachte Werke in Form von
Gerichtsprotokollen heraus ebenso wie politisch motivierte Science Fiktion Literatur.
Aber erst zusammen mit Maj Sjöwall gelang ihm der internationale Durchbruch.
Die berühmt
gewordenen zehn Polizeiromane der beiden Autoren bilden im Gegensatz zu anderen
Werken zeitgenössischen Verfasser eine durchgehende epische Erzählung mit „wirklich“(!)
fortlaufender Zeit (und entsprechender Entwicklung der Personen und Handlungen)
als Hintergrund. Der etwas heruntergekommene Kriminalassistent Martin Beck,
später zum Kommissar und sogar zum Chef der schwedischen Reichsmordkommission
ernannt, spielt die Hauptfigur. Sein Glaube an die Gesellschaft schwindet
allmählich genau so wie sein Vertrauen in die Polizeiarbeit. Im Takt mit dieser
Vertrauenserosion geht auch seine Ehe in die Brüche.
Neben
Martin Beck spielen der Supermacho Gunvald Larsson, der humane Kollberg und der
nachdenkliche Nordschwede Rönn wichtige Rollen. Sie alle folgen jahrelang treu
und brav ihrem angelernten Programm, ihrer Methodik, während sich um sie herum
die ganze Gesellschaft ändert: Das Stockholm der 60er mit linker Bewegung,
aufkommenden Demonstrationen, beginnender Frauenbewegung, sexueller Revolution,
Drogenproblematik, Bürokratisierungswelle und wachsender Medienmacht bildet den
Hintergrund, vor dem die Kommissare ermitteln.
Und doch
ist erstaunlich, wie sich Jahrzehnte später Sjöwalls/Wahlöös Romane lesen:
Schwedische Leser berichten gerührt, dass in diesen Romanen der „gute, alte“
Wohlfahrtsstaat zu sehen ist: Die Verbrechen spielen in Vorstadtidyllen – noch
sind die sogenannten Schlafstädte (Vorstädte aus Beton, die man heute im Jahre
2008 als Stockholms Skyline von der Autobahn aus sieht) nicht hochgezogen. Und:
Geld spielt als Motiv für die Verbrechen überhaupt keine Rolle. Was für Zeiten
trotz – aller Gesellschaftskritik – in diesen zehn Romanen! Ab Anfang der 70er
Jahre spielt in den Polizeiromanen das therapeutische Verständnis für die Täter
neben der ermüdenden Polizeiarbeit eine sehr wichtige Rolle. Im „Ekel von
Säffle“ (1971) wird beispielsweise der Täter zugleich in seiner Rolle als Opfer
beschrieben. Bereits 1973 begannen Verfilmungen der Werke Sjöwall/Wahlöös in
den USA mit Walter Matthau (Titel: The laughing policeman) und anderen bekannten
Schauspielern. Dem deutschen TV-Publikum sind die Werke mit Kommissar Beck, oft
gespielt von Peter Haber, sicher auch ein Begriff.
Sjöwalls/Wahlöös
Kinder Tetz Sjöwall und Jens Sjöwall-Wahlöö sind heute beide in der
schwedischen Filmindustrie aktiv.
Kerstin Ekman
Kerstin
Ekman geborene Hjort, geboren 1933, aufgewachsen in Katrineholm, begann als
Kriminalromanschreiberin bereits 1959 und hatte 1962 ihren Durchbruch mit dem
Detektivroman „Den brinnande ugnen“ (Der brennende Ofen). 1967 ging sie daran,
verschiedene Romane zu schreiben, in der die Beschreibung des Provinzmilieus
nordschwedischer Provinzen mit ländlichen Episoden mit Dialekt den Hintergrund
für eine Handlung bilden. 1993 kam sie wieder zum Thriller zurück und
bewerkstelligt mit „Händelser vid vatten“ (Geschehnisse am Wasser) eine Art
Krimi, bei der eine komplizierte Handlung mit der genauen Beobachtung der
Lebensumstände der Menschen der 70er und 80er Jahre in der dünnbesiedelten
Gegend des nördlichen Schwedens einhergeht. Ein alter Doppelmord in einem
nordschwedischen Dorf wirft seine Schatten in die Gegenwart hinein. Grüne
Umweltproblematik spielt genauso wie die Verbohrtheit der geschilderten
Provinznester und Provinzgrößen eine Rolle. Einige Feministinnen reagierten auf
Ekmans Werk sauer, weil die sexuellen Phantasien und Abenteuer männlicher
Nebendarsteller ihrer Meinung nach zu realistisch dargestellt waren.
Ekmans Werk
von 1993 ist eines der meist ausgezeichneten Kriminalwerke der 90er Jahre in
Schweden. Kerstin Ekman wurde zudem Mitglied der Schwedischen Akademie 1978, nahm
aber seit der Salman-Rushdie-Affäre wegen ihrer Kritik an der Haltung der
schwedischen Akademie dazu nicht mehr aktiv an der Arbeit der Akademie teil.
1998 wurde sie Ehrendoktor der Universität Umeå. 2007 erhielt sie den
Ehrendoktortitel der Schwedischen Landwirtschaftsuniversität Stockholm für ihre
Verdienste um die literarische und sachkundige Würdigung des schwedischen
Waldes in ihrem Essay „Herrarna i skogen“ (Die Herren im Wald). Insgesamt 22
offizielle Ehrungen wurden Kerstin Ekman bis heute zuteil.
Jan Guillou
Der
schwedischsprachige Thriller wurde nach 1986 vom TV-Journalisten Jan Guillou,
geboren 1944, dominiert, der den geheimen und geheimnisvollen schwedischen
Militäragenten Coq Rouge mit Muskeln und Waffen spielen ließ. Verkaufsmäßig waren
Guillous Werke sowohl im Fernseh- wie auch im Buchbereich ein großer Erfolg,
die Literaturkritik ging nicht immer wohlwollend mit ihm um.
Mankell, Nesser, Edwardsson und die
Folgen
Im Sog
Guillous folgten mehrere schwedische Krimiautoren gewissermaßen auf der
Überholspur. Was Literaturkritiker bereits Mitte der 90er ahnten, vollendete
sich in den letzten Jahren: Henning Mankell, geboren 1948, Håkan Nesser,
geboren 1950, und Ǻke Edwardsson, geboren 1953, lieferten
erstklassige schwedische Kriminalgeschichten und brachten andere Menschen dazu,
sich – mit mehr oder weniger Erfolg – auch als Autorinnen und Autoren zu
versuchen. Viele taten das als Autodidakten, aber auch die schwedischen Volkshochschulen
bieten in den letzten Jahren gerne Kurse mit den Titeln „Schreibkurs Kriminalroman
und Thriller“ oder ähnliches an. Autorenhomepages moderner Kriminalautoren
haben manchmal Links zu Seiten mit der Bezeichnung „Schreibschule“ oder
ähnlichen methodischen Nachhilfeseiten.
Henning Mankell
Henning
Mankell (geb. 1948), aufgewachsen in Nordschweden, gestaltet seine Kriminalromane
vor dem Hintergrund seiner Wahlheimat „Skåne“ (Schonen). Und dort kennt er sich
wirklich aus. Die Bewohnerinnen und Bewohner von Schonen sind mittlerweile stolz,
dass ihre südschwedische Landschaft den lokalen Rahmen der Handlungen in
Mankells Krimis bildet.
Die
Titelfigur, Polizeikommissar Wallander, gezeichnet von Insulin-Krankheit,
Bürokratieverdrossenheit und der immer wieder missglückenden Suche nach Zweisamkeit,
ist die Hauptperson in Mankells Kriminalromanen. Mittlerweile ist diese
Hauptperson fast bekannter als ihr Autor, der sich mit Theaterstücken und
Jugendhilfeprojekten in seiner zweiten Wahlheimat Mozambique politisch
engagiert und dessen afrikanische Wahlheimat wohl auch die Veranlassung gab, in
einigen seiner Detektiv-Werke explizit das Asylthema anklingen zu lassen.
Es ist
schon ein eigenartiges Phänomen: Die literarische Titelfigur Wallander ist in
Südschweden fast bekannter als ihr Erfinder und Autor. „Auf Wallanders Spuren“,
so heißt die Stadtrundfahrt durch Ystad. In einem umgebauten Feuerwehrfahrzeug
werden den schwedischen, aber auch den internationalen Touristen die
Handlungsstätten der Mankell’schen Werke nähergebracht – auf Wunsch und Vorbestellung
auch auf Deutsch. „Dort hat Wallander seine Stammcafe, dort ist die
Polizeiwache ...“
Nicht
alles, aber manches erfährt der Wallander-Fan auf der Tour durch Ystad. Meiner
eigenen Erfahrung nach geht das Touristenbüro der Stadt Ystad immer noch davon
aus, dass den deutschen Besuchern die Grundzüge der Werke Mankells nahegebracht
werden müssen. Dem fortgeschrittenen Wallander-Kenner empfehle ich daher die
Wirkungsstätten Wallanders auf eigene Faust zu erkunden, damit er nicht durch
die allgemeinen Erklärungen der Fremdenführer gelangweilt wird. Zudem sind
Ystad und Umgebung überschaubar und die „Tatorte“ gut zu finden.
Henning
Mankell selbst arbeitet als Schriftsteller im Gegensatz zu seiner Tätigkeit als
Regisseur in Afrika immer sehr zurückgezogen. Für ihn ist das Schreiben eines
Buches eine sehr einsame Arbeit, während sein Engagement am Avenida-Theater in
Maputo ein sehr geselliges, gemeinschaftsbetontes Geschehen ist.
Als
Regisseur arbeitet er auf Portugiesisch, als Schriftsteller schreibt er auf
Schwedisch und kommt dafür immer wieder in seine alte Heimat Südschweden
geflogen. Die Weltoffenheit Mankells spiegelt sich nicht nur in seinen
dezidiert afrikanischen Werken, sondern trotz allen Lokalkolorits auch in
seinen Kriminalromanen wieder.
Die Spur
des Verbrechens, in Schweden ans Licht gekommen, führt oft in die Welt hinaus:
Nach Afrika, ins Baltikum, nach Dänemark. Und so ist Mankell nicht nur als
Schriftsteller ein Mann von Welt: Er finanziert sein politisches und
gesellschaftliches Engagement in Afrika mit Gewinnen aus seiner
Krimi-Produktion. 2001 gründete Mankell seinen eigenen Verlag, den
Leopard-Verlag, um schwedischen und afrikanischen Autoren ein Forum zu bieten.
Auch 2008 ist Mankell wieder auf dem deutschen Buchmarkt mit „Der Chinese“ („Kinesen“).
Im September 2008 rangierte sein Buch „Kinesen“ auf Rang vier der Top-Ten-Liste
des schwedischen Buchhandels im Bereich Belletristik.
Im
deutschsprachigen Bereich erhielt er bereits 2003 den Deutschen Bücherpreis auf
der Leipziger Buchmesse für sein Werk „Die Rückkehr des Tanzlehrers“
(Danslärarens återkomst).
Håkan Nesser
Håkan
Nesser, Jahrgang 1950, war bis zu seinem 43. Lebensjahr Lehrer für Schwedisch,
Englisch und Geschichte. Dann machte er sich auf, Vollprofi im Bereich der
Kriminalliteratur zu werden. Mit Erfolg!
Da waren
seine Van-Veeteren-Kriminalromane, die im fiktiven Maardam spielen, bereits ins
Deutsche zur Genüge übersetzt und auch verfilmt. Hauptthema seiner Werke „Kim
Nowak badete nie im See von Genezareth“, „Und Picadilly Circus liegt nicht in
Kumla“ und „Die Schatten und der Regen“ ist die Frage der Schuld. In seinem
letzten Werk „Die Fliege und die Ewigkeit“ („Flugan och evigheten“, deutsche
Übersetzung Mai 2008) versucht Nesser philosophische Grundfragen mit einer
Kriminalhandlung zu verbinden, was ihm meines Erachtens geradezu genial
gelingt: „De facto ist ja auch diese ewige Frage – nach dem Sinn des Lebens –
ein Ruf nach den obersten Begriffen. Ausschließlich in deren Schutz kann ich
überhaupt ein Muster erkennen. Nur als eine Instanz, die Inkarnation von etwas
in Raum und Zeit Ungebundenem, kann mein Geist Flügel bekommen.
Unser Sinn
und unsere Gedanken sind stets auf der Suche danach: Das Auge sucht das Schöne,
das Ohr die harmonischen Tonfolgen, das Tastgefühl nach dem Weichen, Angenehmen
… und unsere Gedanken suchen nach Verschmelzung, einem Aufgehen, der
Befruchtung. In jeder Sekunde suchen wir das Sinnvolle, Ideen“ (S. 169). Welcher
Leser vermutet solch philosophisches Sinnieren schon in einem Kriminalroman?
„Was ist nun der Sinn eines Menschenlebens im Vergleich zu dem einer Fliege?“
(S. 165) Auf jeden Fall nicht, wie der Bibliotheksangestellte Maertens wegen
Mordes im Gefängnis zu landen, nichtsahnend, von seinem besten Freund Tomas
betrogen worden zu sein. „So hätte Camus Krimis schreiben können“, jubelt die
Frankfurter Allgemeine Zeitung. Ein nachdenklich, nachdenkendes, aber auch
spannendes Werk, das einige Spezialeffekte beinhaltet: So wird die Stadt des
Geschehens und das Land des Geschehens nur mit Buchstaben angedeutet und der
werte Leser tastet erst einmal oder vielleicht für immer im Dunkel, wo dies
philosophisch angehauchte und mit Shakespeare-Zitaten bestückte Kriminalstück
denn spielt. Ein Rätsel im Rätsel, ganz im Gegensatz zu Mankell und anderen
Autoren, die den Ort des Geschehens in ihren Werken genau benennen.
Mittlerweile
gibt es bereits einen „Führer durch Håkan Nessers Romanwelt“ von Eugen Brahms
(btb, 2004), der dem geneigten und interessierten Leser helfen soll, die am
Existentialismus geschulte Philosophie, ergänzt mit durchaus christlichen
Vorstellungen, wie beispielsweise einer Reise in die Vergangenheit als Bußfahrt
für Van Veeterens ermordeten Sohn, etwas begreiflicher zu bekommen und sich in
den fiktiven Tat- und Leidensorten der Kriminalromane zurechtzufinden.
Im
September 2008 ist Nesser mit seinem neuen Werk „Berättelse om Herr Roos“
(Albert Bonniers-Verlag, auf Deutsch würde der Titel lauten: Bericht über Herrn
Roos) auf Platz zwei der Top-Ten-Liste des schwedischen Buchhandels im Bereich
„Skönlitteratur“ (Belletristik).
Ǻke Edwardson
Åke Edwardson geboren 1953 in Eksjö in der schwedischen
Provinz Småland, aufgewachsen in Vrigstad, ist Krimiautor, Journalist und war
früher Lehrer an der Journalistenhochschule in Göteborg. Bevor er sich dem
Schreiben von Romanen widmete, war er unter anderem als erfolgreicher
Journalist im Auftrag der UNO im Mittleren Osten unterwegs. Mittlerweile ist er
Professor an der Universität Göteborg.
Er debütierte als Verfasser 1995 und bekam den
Debütantenpreis der Schwedischen Krimiakademie (Svenska Deckarakademi) für den
Titel ”An alles, was tot gewesen ist.” (Till allt som varit dött).
1997 führte er in seinem Werk ”Tanz mit einem Engel” (Ullstein
Verlag, 2004; schwed. Titel: Dans med en ängel) den durchgestylten und
zigarillorauchenden Kriminalkommissar Erik Winter als Hauptperson ein, der
versucht, zwei Morde mit sadistisch-rituellem Hintergrund in London und
Göteborg aufzuklären.
Für dieses Werk aus dem Jahre 1997 erhielt er den Preis
für den besten schwedischen Kriminalroman des Jahres. Seine Krimis spielen sich
größtenteils in Göteborg ab, der Stadt, in der sich der Autor ausgezeichnet
auskennt. Edwardsson selbst wohnt in Hagen im westlichen Teil von Göteborg und
in einer Villa außerhalb des Örtchens Sävsjö in seiner alten Heimat Småland.
2008 schrieb er ”Den sista vintern” (Der letzte Winter, voraussichtlich 2011
auf Deutsch). Mit diesem Buch beendet Edwardson nicht nur die Erik Winter-Reihe
seines Titelhelden, sondern auch sein Engagement als Krimiautor. Als Grund für
den Rückzug aus dem Genre Kriminalroman gab er im Juni 2008 Iréne Bluche von
der deutschsprachigen Spiegelredaktion ein Interview. Dort begründet er seinen
Rückzug aus dem Genre Kriminalroman damit, dass er sich anderen
Herausforderungen zuwenden möchte, andere Literatur schreiben möchte, was ihm
mit dem Buch ”Der Juke-Box-Mann”, einem nostalgischen Roman, bereits
erfolgreich gelungen war. Edwardson möchte außerdem Theaterstücke schreiben,
weil ihn Dialoge faszinieren. Er glaubt, dass der schwedische Büchermarkt im
Bereich Krimiliteratur übersättigt ist und andere Abenteuer auf ihn als Autor
warten. ”Ich glaube, dass ich alles erkundet habe, was im Krimi-Genre möglich
ist.(...) Ich werde nie wieder einen Kriminalroman schreiben.”
Was Edwardson aber macht, ist, dass er ausländische Fernsehteams
die ”Tatorte” seiner Krimis in Göteborg und Umgebung zeigt, damit auch die
deutschen und internationalen Leserinnen und Leser durch entsprechende
TV-Berichte motiviert werden, seine Bücher zu kaufen. ”Am Ende wird das
Publikum entscheiden, was gut ist und was vom Winde weggeweht und zu Staub
wird. Vielleicht nicht einmal zu Goldstaub” (zitiert nach: www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,560249,00.html,
Seite 2).
Stieg Larsson
Stieg
Larsson , ursprünglich Karl Stig-Erland Larsson, geboren 1954 in Skelleftehamn
in der schwedischen Provinz Västerbotten, verstorben durch Herzinfarkt im
November 2004 in Stockholm, wechselte seinen Namen, weil es ihm und seinem
gleichnamigen schwedischen Schriftstellerkollegen auf die Nerven ging,
miteinander verwechselt zu werden. Angeblich habe die beiden Schriftsteller
1972 eine Münze geworfen um zu ermitteln, wer von ihnen den Namen wechseln
sollte. So wurde der Verlierer Stig zum Stieg mit „ie“. Stieg Larsson wurde
bekannt durch sein Engagement gegen Rechtsextremismus und Rassismus. Er war
schwedischer Journalist und verfasste zusammen mit Anna-Lena Lodenius vor
seinem Debüt als Krimiautor Sachliteratur über den Rechtsextremismus
(wichtigstes Werk: „Extremhögern“, 1991). Als Stieg Larsson 2004 starb,
entdeckte man drei von ihm fertig gestellte Krimis, die sogenannte
Millenium-Serie. Der erste Krimi mit dem Titel „Män som hatar kvinnor“ (Männer,
die Frauen hassen) kam im August 2005 heraus, in den beiden folgenden Jahren
die übrigen beiden Krimis. Ein vierter Krimi war zum Zeitpunkt des Todes gerade
angefangen, die Verwandtschaft des Autors einigte sich jedoch mit dem
schwedischen Buchhandel darauf, dass der Anfang des vierten Krimis nicht
veröffentlicht wurde.
2008 bekam
Stieg Larsson posthum den begehrten Glasnyckel-Preis („den schwedischen
Glas-Schlüssel-Preis“). Larsson lebte bis zu seinem Tod mit seiner
Lebensgefährtin Eva Gabrielsson zusammen. Nach seinem Tod gab es eine große
öffentliche Debatte in Schweden, weil er kein Testament geschrieben hatte und
nur sein Vater und seine Brüder, aber nicht seine Lebensgefährtin Anteil am
Erbe und Vermögen von Stieg Larsson hatten.
2007
gelang Stieg Larsson etwas, was vor ihm noch niemandem in der schwedischen
Literaturgeschichte gelungen war: Seine drei Kriminalromane lagen auf den
Plätzen eins bis drei der schwedischen Bestsellerliste für den Bereich
Belletristik!
Olov Svedelid
Olov Svedelid,
geboren 1932 in Stockholm, ist zusammen mit seinem Mitautor Leif Silbersky,
einer der – zumindest in Schweden – bekanntesten Krimischreiber und wohl am
längsten auf dem Buchmarkt. Er debütierte 1964 mit dem in Malmö spielenden
Krimi „Döden tystnar mun“ (Der Tod bringt dem Mund zum Schweigen). Er ist der
Schöpfer des alternden Rechtsanwaltes Samuel Rosenbaum (1972-2006) als
Hauptperson in einem Genre, das in Schweden „rättegångsdeckare“ (Gerichtskrimi)
genannt wird. Außerdem erschuf er – ohne seinen Mitautor – eine weitere
Krimireihe mit dem Polizisten Roland Hassel in der Hauptrolle. Immer wieder
denkt seine Hauptperson Hassel ergriffen daran, dass es in der guten alten Zeit
viel besser zuging als im heutigen sich so schnell verändernden Schweden, und
er kann dies nur leidlich und knurrend akzeptieren. Und immer wieder geht es in
den Krimis Svedelids um die Frage von Moral und Schuld.
Svedelid
hat auch erfolgreich Jugendbücher, Schulbücher für die Mittelstufe und
historische Romane geschrieben, zudem Mitte der Achtziger ein Theater für
Rentner betrieben. Über sein eigenes Älterwerden sagt er: „Ich schreibe bis ich
hundert Jahre alt bin, und dann beginne ich das Golfspiel zu erlernen“ (zitiert
nach se.wikipedia/svedelid).
Svedelid
kam zum Schreiben von Krimis durch seine Ehefrau, die ihm, nach anfangs
erfolglosen Versuchen ernsthafte Literatur zu schreiben, dazu riet,
Kriminalverfasser zu werden. Von 1972 bis 2007 wurden ihm die verschiedensten
Kritikerpreise in Schweden zuteil, teils für seine Kinder- und Jugendbücher,
teils für seine Krimis. Zuletzt erhielt er 2007 den Grand-Master-Preis.
Liza Marklund , Karin Alvtegen,
Camilla Läckberg – schwedische Autorinnen und die Folgen
Alexandra Hagenguth
hat in ihrem Aufsatz „Wallander der Eroberer – Krimimesse-Special 2007” im
Literaturportal „Schwedenkrimi.de” von der Krimimesse im dänischen Horsens im
März 2007 berichtet. Dabei stellt sie sich und den anwesenden
Literaturkritikern die Frage: Was kennzeichnet den skandinavische Krimi im
Jahre 2007?
Das
erstaunliche Ergebnis: Der skandinavische Krimi ist eine „Art Lifestyleroman in
kriminellem Milieu mit Frauen als Protagonisten, Geschichten, die davon
handeln, wie es ist, eine Frau in einem bestimmten Alter zu sein”. Und sie
zitiert den dänischen Krimiexperten Bo Tao Michaëlis: ”Der
skandinavische Krimi erfährt eine Femininisierung.”
Auch der schwedische Schriftsteller Arne Dahl weist auf
neue Entwicklungen hin, die er auszumachen glaubt: ”Es gibt in Schweden eine
neue Tendenz (...). Die neuen Krimis sind weniger sozialkritisch, weniger urban
(...).” Niels Lillelund bringt es auf den Punkt: ”Ich will nicht über zwei
Seiten lesen, wie Annika Bengtzon Koteletts in der Pfanne brät.”
Die dänischen Krimiautorinnen Gretelise Holm und Sara
Blædel halten dagegen, dass dies zu einfach gedacht sei. Der skandinavische
Kriminalroman sei vielfältiger als gedacht, mit einer spürbaren Tendenz zur
Psychologisierung der Hauptpersonen. ”Das Private darf den Krimiplot nicht
überschatten”, sagt Sara Blædel und fügt sinngemäß hinzu, dass der Fokus auf
jeden Fall auf der Intrige liegen müsse.
Also doch keine Femininisierung der schwedischen
Krimiliteratur? Es lässt sich nicht leugnen, dass die starken schwedischen
Frauen immer mehr Terrain gewinnen in einer ursprünglich von männlichen Autoren
beherrschten Welt.
Liza Marklund
Liza Marklund, Jahrgang 1962, in Nordschweden
aufgewachsen, wurde erst einmal Globetrotterin und jobbte in Israel und
England, wurde als Landstreicherin in Griechenland verhaftet und schmuggelte
Autos von den USA nach Mexiko. Heute lebt sie mit Familie in Stockholm und hat
in der Stockholmer Altstadt, nicht weit von der Deutschen Kirche entfernt, ein
eigenes Arbeitsstudio. In ihre Werkstatt zieht sich die gelernte Journalistin
gerne zurück, nicht nur, um Krimis zu schreiben, sondern auch, um immer wieder
Artikel und Kommentare für das Aftonbladet, die schwedische ”Bildzeitung” und
die Zeitung ”Expressen” zu verfassen.
Marklund debütierte mit ”Olympisches Feuer” (schwedischer
Titel: ”sprängaren”, 1998, auf deutsch im Jahr 2000 erschienen) und hatte
direkt Erfolg mit diesem Buch. Titelheldin der Krimis ist Annika Bengtzon, die
in der Handverkergatan 32 in Stockholm wohnt und als Aushilfe beim Abendblatt (gemeint
ist laut Autorin eine fiktive Zeitung) arbeitet und als Journalistin Fuß zu
fassen versucht. Im Laufe der nächsten Krimibände bekommt Titelheldin Annika
Bengtzon ein Festanstellung beim Abendblatt. Sie kämpft als Journalistin und
Hobbydetektivin mit den Themen Prostitution, Menschenhandl, Asyl, Gewalt gegen
Frauen und anderen politischen Konflikten, so beispielsweise im Buch ”studio
sex” (1999, dt.: ”Studio 6”). Die Kritik bescheinigt der Autorin Marklund Fachwissen
und ordentliche Recherche. Man merkt den Werken Liza Marklunds an, dass sie
selbst als Journalistin und ehemalige Mitarbeiterin eines privaten
Fernsehsenders medientechnische Erfahrungen hat, die sie in ihre Krimis
einbringt. Und auch lokale geographische Kenntnisse charakterisieren ihre
Werke. So hat sie beispielsweise selbst in dem schwedischen Stadtviertel
Kungsholm gelebt, in dem sich nun ihre literarische Titelheldin Annika Bengtzon
bewegt.
Anfangs druckte Liza Marklund ihre Bücher im Selbstverlag
und verkaufte sie einzeln an Tankstellen, aber nach kurzer Zeit kam sie in die
Bestsellerlisten. In der Fernsehsendung ”Noras mörderische Töchter” aus der
Reihe ”Profile” im ZDF-Dokukanal vom
Liza Marklund ist mittlerweile die meistverkaufte
schwedische Krimiautorin der Gegenwart. Sie erklärt die Faszination ihrer Werke
für den Leser damit, dass es wohl die Ausübung von Macht durch den Mord an
einem anderen Menschen sei. ”Sich selbst durch Mord zu Gott zu machen, ist aber
die schlimmste Gotteslästerung”, so die Autorin im Fernsehinterview. Und das
fasziniere die Leser ganz besonders.
Karin Alvtegen
Die
Lehrerstochter Karin Alvtegen wurde 1965 in Stockholm geboren und ist in Huskvarna
aufgewachsen. Sie begann 1985 als Drehbuchautorin für das schwedische Fernsehen
mit dem Schreiben. Nachdem sie mit der Serie „rederiet“ Erfolg hatte, schrieb
sie bis heute fünf Kriminalromane. Veranlasst zum Schreiben ihrer Krimis wurde
sie durch den tragischen Tod ihres Bruders 1993 und einem körperlichen
Zusammenbruch 1996. Irgendwann kam ihr Entschluss: Ich will über Menschen
schreiben, die in einer ebenso bedrängten, traurigen Lage sind wie ich und sich
aus dem Griff von Trauer, Bedrohung und Angst herauswinden können. Gleich ihr
erster Krimi mit dem Titel „Saknad“ (Verschwunden, dt. unter dem Titel „Die
Flüchtige“) im Jahre 2000 wurde ein Erfolg und bekam den „Glasnyckel“-Preis der
skandinavischen Kriminalgesellschaft. Das englische Fernsehen sendete 2006 eine
Serie mit dem Titel „Missing“, der der erste Kriminalroman von Alvtegen
zugrunde lag. Ihr aktueller Krimi heißt Skuggan“ (dt.: Schatten, 2008) und
wurde 2007 in Schweden herausgegeben, gewann bereits Preise in Polen und
Dänemark.
In ihrem
neusten Werk spielt sie mit den Gedanken eines Menschen, der krankheitsbedingt
nicht mit der Außenwelt kommunizieren kann und doch Angst hat, dass seine
Vergangenheit ans Tageslicht kommt, da er vergessen hat, ein paar wichtige
Papiere zu verbrennen. Wie wäre es, wenn ein Nobelpreisträger und zugleich eine
nationale Ikone eine Vergangenheit hätte, die es zu verstecken gilt? Wie würden
die Verwandten das Erbe des nationalen Helden verwalten in dem Wissen, dass
eine Geschichte niemals öffentlich werden darf? Für die Autorin war das letzte
Buch laut eigener Aussage eine besondere Herausforderung, denn in „Schatten“
spielt das erste Mal ein Mann die Hauptrolle, nachdem in ihren vorherigen
Werken immer Frauen die Hauptrolle gespielt haben.
Der Gedanke
zu diesem Buch kam ihr nach eigener Aussage durch die Auseinandersetzung mit
ihrer berühmten und beliebten Großtante Astrid Lindgren. Denn Karin Alvtegen ist
die Großnichte von Astrid Lindgren, nämlich Enkelin von Gunnar Ericsson, dem verstorbenen
Bruder der schwedischen Kinderbuchautorin.
Heute wohnt
Karin Alvtegen mit Mann und Kindern in Nacka bei Stockholm in Schweden.
Camilla Läckberg
Die
schwedische Autorin Camilla Läckberg wurde 1974 in Fjällbacka an der
schwedischen Westküste geboren, wo sie auch aufwuchs. In Fjällbacka und
Umgebung spielen auch ihre Kriminalromane. Hauptperson ist neben Erica Falck
der Polizist und Ermittler Patrik Hedström. Themen der Krimis von Camilla
Läckberg sind die vordergründig heile und doch unheile Welt eines
Küstendörfchens mit tausend Einwohnern, in dem sie gewissermaßen jedes
Mauseloch kennt und in der kein Verbrechen in Anonymität stattfinden kann. Dazu
kommen geschichtliche Familiengeheimnisse. Camilla Läckberg zieht die
schwedischen Gardinen zur Seite und gestattet uns einen Blick in die Wohnzimmer
vieler Familien, die alle mehr oder weniger unglücklich sind, urteilt die
Fangemeinde auf der deutschen Homepage von www.lesecouch.de. Camilla Läckbergs
unaufhaltsamer Weg zur erfolgreichsten Kriminalschriftstellerin Schwedens ist
atemberaubend.
Ihre
Bilderbuchkarriere erinnert an die Story vom amerikanischen Tellerwäscher, das
bringt anerkennende Bonuspunkte bei Leserschaft und Rezensenten: Während ihrer
Schwangerschaft nahm sie, die Sekretärin, die in der freien Wirtschaft arbeitete,
einen Abendschulkurs, der die Vermittlung von handwerklichen Grundkenntnissen
zum Schreiben von Kriminalromanen versprach. Es dauerte nicht lange, bis 2002
ihr erster Roman veröffentlicht wurde. „Isprinsessan“ („Die Eisprinzessin
schläft“, 2003) wurde ebenso wie der Titel „Der Prediger von Fjällbacka“ und
die weiteren Krimis, die in Fjällbacka spielen, ein durchschlagender Erfolg.
Gefeiert als neue „Königin des Kriminalromans“ haben sich ihre Bücher in
Schweden mehr als 300.000mal verkauft. 2006 wurden fünf ihrer Werke in der
Top-Zwanzig-Liste des schwedischen Buchhandels, des Dachverbandes der
schwedischen Verlage, geführt. 2006 erhielt sie den „Literaturpreis des
schwedischen Volkes“.
Camilla Läckberg
lebt heute mit ihrem Lebensgefährten, dem Schauspieler Martin Melin, Gewinner
der Doku-Soap-Serie „Expedition Robinson“ und ihren beiden Kindern in Enskede
bei Stockholm. Sie gehört zu der Generation junger schwedischer
Schriftstellerinnen, die sich mit Internet-Homepage, – mittlerweile
stillgelegten – eigenem Blog und mehrsprachigen Links selbst vermarkten und die
Leserinnen und Leser in aller Welt über ihre schriftstellerische Arbeit
informieren und zum Lesekonsum anregen. Im September 2008 ist sie mit ihrem
Buch „Sjöjungfrun“ (Die Meerjungfrau) in den Top-Ten des schwedischen
Buchhandels aufgelistet.
Schöne Aussichten?
Ich habe
trotz aller Ausführlichkeit nicht alle erfolgreichen schwedischen Krimiautorinnen
und -autoren der letzten Jahrzehnte näher behandelt. Viveca Sten, Jan
Mårtenson, Arne Dahl, Ǻsa Larsson, Kjell Eriksson, Leif Silbersky, Jan
Broberg, Emma Vall, Liselott Willén, Mari Jungstedt, Helene Tursten und andere
mögen mir verzeihen, hier nicht ausführlich erwähnt worden zu sein. Mir war es
wichtiger, Entwicklungstendenzen in der schwedischen Kriminalliteratur
aufzuzeigen.
Auch auf
die verschiedensten schwedischen Literatur- und Medienpreise für
Kriminalautoren bin ich nicht eingegangen. Ebenso wenig habe ich die Gattung
der Jugendkrimis seit Kalle Blomquist sowie die schwedische Kriminalliteratur
vor 1940 gewürdigt. Dies möge man mir nachsehen, da ich keine wissenschaftliche
Abhandlung schreiben, sondern eine Anregung zum Lesen geben wollte.
Zum Schluss
möchte ich Tendenzen und Aussichten in der schwedischen Krimiszene anklingen
lassen, die sich meiner Meinung nach aus der gegenwärtigen Literaturkritik und
eigenen Rückschlüssen ergeben.
Quo vadis Schwedenkrimi?
1.
Globalisierung und Internationalisierung spielen in dieser Literaturgattung eine
immer wichtigere Rolle und sind im schwedischen Skåne, ja selbst im fernen
schwedischen Norrland genauso spürbar wie in der bundesrepublikanischen
Wirklichkeit.
2. Politisches
Engagement im Weltmaßstab wird von einer Mehrzahl schwedischer Krimiautoren
konsequent durchgehalten. Der Schwedenkrimi gilt nicht ohne Grund als der
politischste Krimi Europas. Und dies wird voraussichtlich so bleiben, trotz des
unbezweifelten Lokalkolorits vieler Werke.
3. Der
gegenwärtige Schwedenkrimi greift in der Regel moralische Frage nach
persönlicher Schuld auf ohne die enorme Komplexität der postmodernen
globalisierten Gesellschaft aus den Augen zu verlieren.
4. Eine
neuere Tendenz, die sich bei den Autorinnen schwedischer Kriminalliteratur
durchsetzt lautet: „Wir schreiben feministische Nach-dem-Volksheim-Krimis!“
Berufstätigkeit und Mutterschaft gehören zu den selbstverständlichen
Bestandteilen der weiblichen Titelhelden in einer härter werdenden schwedischen
Gesellschaft und machen diese Literaturgattung auch für deutsche Leserinnen
interessant.
5. Die
moderne schwedische Krimiliteratur achtet auf kurze Kapitel, schnelle Schnitte,
flotte Sprache. Man merkt ihr deutlich an, dass etliche Autorinnen und Autoren
aus dem journalistischen Milieu kommen und auf Verständlichkeit und gute
Lesbarkeit achten, ohne ihren gesellschaftskritischen Anspruch aufzugeben.
6. Der
psychologische Krimi wird weiterhin in Schweden groß geschrieben – manche
Autorinnen wie beispielsweise Karin Alvtegen lassen die innere Stimme
beteiligter Personen die eigentliche Hauptrolle und die Kriminalkommissarinnen
und Kommissare eher eine Nebenrolle spielen. So entstehen psychologische
Charakterstudien, die den Lesern ein reflektiertes Lesen abverlangen. Lieber
ein perfides und leises Ableben als ein „actionreicher“ Abgang – es leben Arsen
und Spitzenhäubchen in etwas anderer Form!
7. Der
gegenwärtige schwedische Krimi ist in allgemeiner Ablehnung des „American way
of life“ zunehmend skandinavischer und – so glaube ich – damit für den
europäischen Leser interessanter geworden. Gesellschaftskritische Themen in
Krimis zu verarbeiten ist in Schweden nicht nur erlaubt, sondern im Sinne einer
„political correctness“ erwünscht, ja, im Grunde: gefordert!
Und was noch?
Der
Schwedenkrimi bekommt seit 2007 zunehmend Konkurrenz durch den norwegischen
Krimi. Anne Holt, ehemalige Ministerin, sozialpolitisch und besonders in
Frauenfragen engagiert, hat mit ihren Krimis in Norwegen eine Welle junger
Krimiliteratur ausgelöst. In Norwegen sind – trotz oder gerade wegen des
Erdölbooms – Fragen der Zuwanderung, Überfremdung, Armut und Hybris aktuell,
die von jungen Schriftstellerinnen und Schriftstellern im Krimigenre
erfolgreich bearbeitet werden.
Der
schwedische Markt selbst scheint im Bereich Kriminalliteratur fast gesättigt.
Der deutsche Markt ist dies anscheinend noch nicht. Er hat mehr Kapazität als
der kleinere schwedische Markt, obwohl der schwedische Bürger rein statistisch
durchschnittlich doppelt so häufig zum Buch greift wie der deutsche Bürger.
Ein nicht
zu vernachlässigender Faktor ist das psychologische Moment: Schweden ist ein
von Deutschen idealisiertes Land. „Wir haben von allem, was Deutsche suchen,
ein bisschen – Weite, Natur, heile Welt, soziale Sicherheit“, sagt der
schwedische Krimiautor und Bestseller Arne Dahl im Interview mit Manfred Ertel
von der Spiegel-Online Redaktion bereits 2005.
Aus
deutscher Sicht schlägt der Entertainer Harald Schmidt in die selbe Kerbe, wenn
er schreibt: „Wer zögert (erg.: über betreute Familien zu sprechen), kriegt zu
hören: Skandinavien.. Details würden eher stören. Jeder weiß: Die Dörtes und
Mettes kurz vorm Nordpol machen schon im Kindergarten Abitur, studieren
parallel zur Schreinerlehre in lichtdurchfluteten Sauna-Universitäten Computer,
Medizin und das Leben und starten fünf Minuten nach der Hausgeburt zur
Goldmedaillenjagd im Biathlon. Trotz der Mücken. Genau da wollen wir hin“ (in:
„Harald Schmidt, „Sex ist dem Jakobsweg sein Genitiv“, KiWi 2007).
Und wenn
sich Dahl dann noch offensichtlich über jene Germanen amüsiert, die einen
Elch-Aufkleber auf ihrem Auto haben, dann mag er recht haben… aber das bringt
uns nicht davon ab, uns im Schwedenurlaub zurückzulehnen und einen guten
schwedischen Krimi im immer noch vergleichsweise sicheren und komfortablen
Schweden zu genießen.
Wie ganz am
Anfang meines Beitrages erwähnt: Grundvoraussetzung für den „Genuss“ von Krimis
ist eine gewisse Sicherheit und ein gewisser Wohlstand – und beides hat
Schweden ohne Zweifel immer noch und hoffentlich noch lange zu bieten. Auch
wenn Reinhard Wolff in der evangelischen Zeitschrift „Zeitzeichen“ seinen Titel
mit einem Fragezeichen abschließt: „Verkleinertes Volksheim. Vorbild für
Deutschland?“. So fügt er doch im Untertitel hinzu: „Die Schweden haben ihren
Sozialstaat erfolgreich umgebaut.“ Allerdings ohne Ausrufezeichen.
Verwendete Literatur
Irène
Bluche, „Ich werde nie wieder einen Krimi schreiben“, in: www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,560249,00.html
Eugen
Brahms, „Führer durch Håkan Nessers Romanwelt, btb, 2004
Jan
Broberg, „Inledning“, „I ett nötskal“, Höganäs, Bokförlaget Bra Böcker, 1980
Agnes
Bührig und Alexander Budde, „Schweden für Jeden”, IKEA-Verlag 2007
Ǻke Edwardson, „Månadsbrev – april 2008“ in:
www.akeedwardson.se
Manfred
Ertel, „Schwedische Krimis. Reality-Check im hohen Norden“ in:
www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,druck-351521,00.html vom
Tobias
Gohlis, „Das Böse kommt von Norden. Die Welt des nordischen Krimiromans“,
Szolnay-Verlag 2004
Göran Hägg,
„Den svenska litteratur-historien“, Wahlström und Widstrand-förlag, Stockholm
1996
Alexandra
Hagenguth, „Wallander der Eroberer – Krimimesse-Special 2007, in:
www.schwedenkrimi.de/specials/krimimesse2007 , ohne Datum
Alexandra
Hagenguth, „Der Mord, der aus der Kälte kommt“ in:
www.schwedenkrimi.de/specials , 2008
Christel
Hildebrandt, „Vom einsamen Beruf des Übersetzers oder wenn Håkan Nesser zum
‚Traummann’ wird“, in: www.schwedenkrimi.de/specials/interview_christel_hildebrandt,
ohne Datum
Camilla
Läckberg, „Morbida tendenser“ in: www.svb.se/Debutanter/650809/65823 vom
Fritz Paul
(Hrsg.), „Grundzüge der neueren skandinavischen Literaturen, Wissenschaftliche
Buchgesellschaft, Darmstadt 1982
Viveca Sten,
„Från paragrafryttare till deckarförfattare“, in: www.svb.se/Debutanter/154481
vom
Lars
Wendelius, „Deckarförfattaren H.-K. Rönblom: en profilteckning“ (1995)
Lars
Wendelius, „Rationalitet och kaos. Nedslag i svensk krimifiktion efter 1965“,
Gislunds-förlag 1999
Lasse
Winkler, „Bingo för Stieg Larsson och Norstedts“ in:
www.svb.se/Nyheter/154234/154669 vom
Reinhard
Wolff, „Verkleinertes Volksheim“, in: Zeitzeichen 4/2003, S. 34-36
Die
verschiedenen Originalkrimis in schwedischer oder in deutscher Sprache, die im
Beitrag aufgeführt wurden, werden im Literaturverzeichnis nicht noch einmal
erwähnt. Das Literaturverzeichnis konzentriert sich aus Platzgründen auf die
Sekundärliteratur, d.h. literaturgeschichtliche Übersichten, literarkritische
Aufsätze, Interviews mit und Kommentare von schwedischen Autorinnen und
Autoren. Nicht extra aufgelistet sind die verschiedenen Homepages der
schwedischen Krimiautorinnen und -autoren, die Sie über Google finden, soweit diese
Homepages nicht dezidiert Literaturkritik üben, sowie die entsprechenden
deutschen oder schwedischen Artikel unter „se.wikipedia/ (Name des Autors)“
bzw. „wikipedia.de/(Name des Autors)“.
Besonders
bei den Buchtiteln der 60er und 70er Jahre habe ich, da ich die meisten Werke
in schwedischer Sprache vorliegen hatte, den Titel zum besseren Verständnis
einfach ins Deutsche übersetzt, ohne zu kontrollieren, ob und wie diese Titel
auf dem deutschen Büchermarkt veröffentlicht wurden.
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