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Konfessionskundliches Institut
Ernst-Ludwig-Straße 7, 64625 Bensheim

 

Konfessionskundliche Jubiläen 2009

Zweiter Teil

 

 

06.03.1984 Todestag von Martin Niemöller

Vor 25 Jahren starb in Wiesbaden der weit über Deutschland hinaus bekannte, verehrte und heftig kritisierte Pfarrer Martin Niemöller. Der am 14. Januar 1892 im westfälischen Lotte geborene Pfarrerssohn war während des Ersten Weltkrieges U-Boot-Kommandant und wurde 1931 nach Berlin-Dahlem berufen. Sein Kampf als Gründer des Pfarrernotbundes im September 1933, seine mutigen Predigten gegen das NS-Regime und seine Mitarbeit in der Leitung der Bekennenden Kirche führten 1937 zu seiner Verhaftung. Trotz Freispruch durch das Gericht wurde er als persönlicher Gefangener Hitlers in das KZ Sachsenhausen gebracht und später nach Dachau. 1945 übernahm er die Leitung des Kirchlichen Außenamtes der EKD, wirkte maßgeblich an der „Stuttgarter Schulderklärung“ mit.1947 wurde er erster Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Bewunderer wie Gegner schuf er sich durch seinen Einsatz gegen Wiederbewaffnung und atomarer Rüstung und durch seine vielseitigen Kontakte in die DDR und die Sowjetunion.

Walter Fleischmann-Bisten

 

17.03.1834 Gottlieb Wilhelm Däumler (Daimler)

Heißt das Auto jetzt Daimler oder Benz? Während die Schwaben felsenfest davon überzeugt sind, dass sie mit dem Daimler zum Einkaufen fahren, redet der Rest der Republik von Benz.

Carl Benz hatte das erste dreirädrige Fahrzeug gebaut, Gottlieb Daimler entwickelte den ersten Verbrennungsmotor. Zuerst als Wagen ohne Pferde verlächelt, stehen die Namen Daimler und Benz mittlerweile für den Beginn des Siegeszuges des von ihnen erfundenen Automobils.

Aber was das Auto und Daimler mit Konfessionskunde zu tun hat? Ist doch klar. Schließlich fährt der Papst nicht mehr seinen Ratzinger-Golf, sondern ist auf´s Papamobil umgestiegen. Einen echten Daimler.

Christina Krause

 

17.03.1959 Tenzin Gyatso flieht ins Exil

1933 stirbt der tibetische Mönch Thubten Gyatso als glücklicher Mensch. 1895 wurde er als 13. Dalai Lama inthronisiert. Er war nicht nur der erste Dalai Lama seit 100 Jahren, der seine Inthronisation erleben durfte; auch konnte er erstmals seit der Mitte des 18. Jahrhunderts wieder die weltliche Macht in Tibet ausüben. Sein Nachfolger hatte weniger Glück: 1938 wurde der dreijährige Bauernsohn Lhamo Dhondrub „entdeckt“ und als Tenzin Gyatso im Kloster auf sein Amt vorbereitet. Die Inthronisation 1950 fällt zusammen mit der Okkupation Tibets durch rotchinesische Truppen. Es beginnt ein langjähriger Untergrundkampf, in dessen Verlauf der 14. Dalai Lama nach Indien flieht und mit amerikanischem Geld, das immer reichlich vorhanden ist, eine Tibetische Exilregierung aufbaut.

1997 verkündet er in New York, für den Fall, dass bis zu seinem Tod das Tibetproblem nicht gelöst sei, werde er unter keinen Umständen in Tibet, sondern irgendwo „in der freien Welt“ Wiedergeburt annehmen. Das ist durchaus möglich: Immerhin leben etwa 100.000 Tibeter im Exil.

Martin Schuck

 

30.03.1984 Todestag von Karl Rahner

Seine Schüler klagen, dass die katholische Kirche sich nur halbherzig auf seine Theologie eingelassen habe und sich darum immer weiter vom Konzil entferne. Anderen ist es eine Anfechtung, wie eine solche „Theologie der Nivellierung“, die sich „asymptotisch dem Atheismus nähert“ (H. U. v. Balthasar) zu solchem Einfluss gelangen konnte. Nach Rahner bringt die Kirche der Welt keinen fremden Gott, sondern führt den Menschen vor das aufgedeckte Geheimnis seiner Existenz. Von der geschehenen Offenbarung her gilt ihm Anthropologie als implizite Christologie. Seine Theorie des „anonymen Christen“ besagt, dass authentisches Menschsein immer schon heilshaft auf die Gnade Gottes bezogen ist, die in Christus geschichtlich unüberbietbar erschienen ist und in explizite Nachfolge ruft. Seine ökumenischen Vorschläge in „Einigung der Kirchen – reale Möglichkeit“ (1983) stießen bei Kardinal Ratzinger wie bei Eilert Herms auf Widerspruch.

Walter Schöpsdau

 

14.04.1759 Todestag von Georg Friedrich Händel

Verdankt die Welt den „Messias“ am Ende der „Dreigroschenoper“? Als der aristokratischen italienischen Oper, die Händel in London auf ihren Höhepunkt geführt hatte, durch ihre Parodie in der „Beggar’s Opera“ der Todesstoß versetzt wurde, wandte sich Händel zunehmend dem Oratorium zu, das ein breites bürgerliches Publikum ansprach und mit dem „Messias“ (1742) ein Gipfelwerk der Gattung erreichte. Händels Musik mit ihrer übersichtlichen Harmonik, ihrer leicht fasslichen Polyphonie und ihrem sinnenfroh-diesseitigen Klang fand – anders als das Werk des grüblerischen Bach – sogleich europäische Anerkennung, die ihm auch Aufträge römischer Kardinäle einbrachte. Während seine Oratorien und Anthems für den anglikanischen Gottesdienst das ganze 19. Jahrhundert hindurch gepflegt wurden, hat erst die historische Aufführungspraxis unserer Tage seine Opern für das Musiktheater zurück gewonnen.

Walter Schöpsdau

 

18.04.1934 Erste Fernsehübertragung in Deutschland

In der Berliner Krolloper wurde der Öffentlichkeit der weltweit erste Fernsehsender vorgestellt. Der Sender wurde nach dem deutschen Erfinder „Paul Nipkow“ benannt, bestand von 1934 bis 1944 und übertrug ein regelmäßiges Fernsehprogramm. Das Höchstmaß an Publizität erreichte er im August 1936, als während der Olympischen Sommerspiele in Berlin quasi live von den Sportveranstaltungen berichtet und von rund 160.000 Zuschauern an den Bildschirmen verfolgt wurde. Auf dem Höhepunkt der Aktivität des Senders gab es in Berlin 27 Fernsehstuben, deren Eintritt kostenlos war und während des Krieges auch deshalb gern besucht wurde, weil diese geheizt waren. Zählte man die in Privathaushalten befindlichen Heimempfänger mit, betrug die Zahl der Fernsehgeräte in ganz Berlin zu dieser Zeit etwa 75.

Bis zum 14.12.1952 dauerte es bis zum ersten evangelischen Fernsehgottesdienst (aus Hamburg), am 25.03.1953 folgte der erste römisch-katholische aus Köln. Aus Salzburg wurde 1959 gesendet, im Fernsehen der DDR wurde der erste Fernsehgottesdienst im Lutherjahr 1983 ausgestrahlt.

Steffen Storck

 

21.04.1109 Todestag von Anselm von Canterbury

Er wollte denkend nachvollziehen, was dem Glauben gewiss ist. Wenn Gott das ist, worüber Größeres nicht gedacht werden kann – dann kann Gott nicht nur eine Hypothese sein, dann ist er der Gott, der mein Gebet hört. Nur zu denken, aber dabei nicht zu beten führte die Kritiker des „ontologischen Gottesbeweises“ auf den Holzweg. Die Fragen waren einfach („Warum ist Gott Mensch geworden?“ – Cur Deus homo), Anselms Antworten stilbildend. Mönch in Bec war er gerne, Erzbischof von Canterbury nach einigen Anlaufschwierigkeiten dann. Glaube und Vernunft gehörten für ihn zusammen. Wie auch sonst?

Peter Gemeinhardt

 

24.04.1909 Bernhard Klemens Maria Grzimek

Ein Leben für die Tiere – so lassen sich die Erlebnisse und Forschungen im Leben dieses Forschers zusammenfassen. In den 1960er und 70er Jahren war der Tierarzt und Verhaltensforscher, langjährige Direktor des Frankfurter Zoos, erfolgreiche Tierfilmer, Autor und Herausgeber von Tierbüchern auch aufgrund seiner regelmäßigen Fernsehmoderationen der bekannteste und populärste Zoologe West-Deutschlands. Für den Dokumentarfilm „Serengeti darf nicht sterben“ erhielt er 1959 als erster Deutscher nach dem Zweiten Weltkrieg sogar einen Oscar. Grzimek starb am 13. März 1987 in Frankfurt am Main während einer Vorstellung des Zirkus Althoff. Seine Urne wurde nach Tansania überführt und neben seinem Sohn Michael am Ngorongoro-Krater beigesetzt.

Steffen Storck

 

06.05.1859 Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander von Humboldt

Er teilte nicht die Abneigung seines Vorbilds Goethe gegen Mathematik, Statistik und Technik, sondern quälte sich am Orinoko mit 50 modernsten sperrigen Instrumenten. Der „Vermessung der Welt“ näherzukommen machte ihn, wie Daniel Kehlmanns Bestseller erzählt, trunken vor Enthusiasmus. Sein fünfbändiges Hauptwerk „Kosmos“ gibt eine Darstellung des Naturganzen von den astronomischen Nebel- und Sternhaufen bis zum Men­schengeschlecht, die wie ein Kunstwerk das Ziel verfolgt, in der Mannigfaltigkeit des Wahrnehmbaren die Einheit zu erkennen, den Geist der Natur zu ergreifen und den Stoff gleichsam durch Ideen zu beherrschen. Das überzeugte auch den älteren Bruder Wilhelm, der zuerst gemeint hatte: „Man kommt der Natur darum nicht näher, wenn man aus der zivilisierten Welt herausgeht.“ Das schönste Zeugnis stammt von Simón Bolívar: „Alexander von Humboldt hat Amerika mehr Wohltaten erwiesen als alle seine Eroberer, er ist der wahre Entdecker Amerikas.“

Walter Schöpsdau

 

22.05.1859 Sir Arthur Conan Doyle

Der im schottischen Edinburgh geborene Arzt und Schriftsteller veröffentlichte als 28jähriger die Abenteuer des Sherlock Holmes und seines Freundes Dr. Watson. Als Doyle – nunmehr in London lebend – 1893 genug von einem berühmten Helden hatte, weil er sein ganzes literarisches Schaffen überschattete, inszenierte er den Tod des Meisterdetektivs. Drei Jahre später gab er jedoch dem Druck der Öffentlichkeit nach, die weitere Kurzgeschichten des Sherlock Holmes forderten und ließ ihn – in seinem wohl berühmtesten Roman „Der Hund von Baskerville“ – auferstehen. Die deduktive und kriminalanalytische Methode ist bezeichnend für seine Figuren. Doyle selbst hat sich dabei selbst als Arzt die Figur des Dr. Watson zugedacht.

Steffen Storck

 

14.06.1929 Preußenkonkordat

Nach dem Untergang der Monarchie gab es seit 1920 Verhandlungen um einen Staatsvertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und Preußen. Wesentliche Inhalte dieses Vertrages sind die Aufwertung der Bistümer Paderborn und Breslau zu Erzbistümern sowie die Gründung der Bistümer Berlin und Aachen. Die nord- und mitteldeutschen Gebiete wurde den Diözesen Osnabrück, Hildesheim, Paderborn und Fulda zugeschlagen. Neben den territorialen Veränderungen kam u. a. die Bischofswahl durch das jeweilige Domkapitel hinzu. Das Preußenkonkordat wurde nach 1945 von den auf ehemals preußischem Territorium jeweils neugegründeten Ländern der Bundesrepublik Deutschland, nicht jedoch von der DDR anerkannt. Nach der Wiedervereinigung lebten die Konkordatsbestimmungen auch in den neuen Bundesländern in modifizierter Form wieder auf.

Martin Bräuer

 

31.05.1934 Theologische Erklärung der Bekenntnissynode von Barmen

Am Ende der 1. Reichsbekenntnissynode (29.-31.5.1934) wurde die „Theologische Erklärung zur gegenwärtigen Lage der Deutschen Evangelischen Kirche“ von 138 Delegierten aus 25 Landeskirchen einmütig angenommen. Tagungsort war die reformierte Gemeinde im Wuppertaler Stadtteil Barmen-Gemarke. Mit diesem wichtigsten Dokument des Kirchenkampfes grenzte sich die „Bekennende Kirche“ gegen die Häresie der „Deutschen Christen“ und vom Totalitätsanspruch des NS-Staates ab. Wesentliche Formulierungen stammten aus der Feder des schweizerischen Theologieprofessors Karl Barth, der damals in Bonn lehrte. Er wollte die Botschaft von Jesus Christus als das alleinige Zentrum der christlichen Verkündigung zurückgewinnen und empfand es später als seine Schuld, im Textentwurf die Judenfrage nicht „entscheidend geltend“ gemacht zu haben. „Barmen“ war ein Signal zur Sammlung der Kräfte des kirchlichen Widerstandes mit vielfältigen Wirkungen bis in die Gegenwart.

Walter Fleischmann-Bisten

 

10.07.1509 Johannes Calvin

Johannes Calvin feiert Geburtstag, seinen 500. Es gehört wohl zum Wesen des Genfer Reformators wie zu seiner Rezeption im Gesamtprotestantismus, dass viel geehrt, beachtet und gelehrt, aber irgendwie nicht richtig gefeiert zu werden scheint. Vielleicht aber bietet dieser Geburtstag den deutschen Protestanten Gelegenheit, ihr Verhältnis zu dem „welschen“ Reformator (neu) zu bestimmen. Hieß es beim zurückliegenden Melanchthon-Jubiläum: „Man kennt ihn viel zu wenig“, so müsste es (bislang) hinsichtlich Calvins heißen: „Man kennt ihn nicht!“ Vielleicht noch nicht.

Johannes Ehmann

 

28.07.1909 Carl Andresen

Seiner Generation stahl der Weltkrieg die produktivsten Jahre: Erst mit 40 startete Andresen seine wissenschaftliche Laufbahn, die ihn auf Lehrstühle in Marburg (1956) und Göttingen (1961-77) brachte. Für Antike und Christentum, für die Rezeption des Platonismus und für eine nachdenkliche Art, in der Kirchengeschichte nach Identität zu suchen, steht sein Name, natürlich auch für das „Handbuch der Dogmen- und Theologiegeschichte“. Zu Unrecht fast vergessen sind seine „Kirchen der alten Christenheit“ (1971) – ein Glanzstück evangelischer Patristik von erheblicher, noch kaum erschlossener Bedeutung für die Konfessionskunde.

Peter Gemeinhardt

 

29.08.1009 Mainzer Dom

Dem heiligen Willigis gelang in seinem Leben viel, denn er war nicht nur ein großer Kirchenmann, sondern auch ein begnadeter Politiker. Ab 970 kam er auf Empfehlung des Bischofs von Meißen an den Hof Ottos des Großen. Dort begann eine steile Karriere, zunächst 971 als Kanzler; schon 975 war er Erzbischof von Mainz und Erzkanzler des Reiches. Als Otto II. starb, salbte Willigis 983 dessen erst dreijährigen Sohn vorsorglich schon mal zum König und übte sich als Berater der zwischenzeitlichen Regentinnen.

Als der junge König Otto III. mündig war und sein Amt angetreten hatte, durfte Willigis keinen Dank erwarten; sogar von der Königskrönung in Aachen wurde er ausgeschlossen. Das Blatt wendete sich, als Otto III. 1002 früh starb. Willigis setzte sich für Heinrich II. als Nachfolger ein und krönte ihn in Mainz; wenige Wochen später krönte er dessen Frau Kunigunde in Paderborn. Jetzt lief alles wieder wie am Schnürchen, denn Willigis hatte wieder Macht und Einfluss. Eine große Kathedrale sollte sein Lebenswerk krönen. Doch wieder wurde ihm eine Prüfung auferlegt: Die neue Kathedrale brannte am Tag ihrer Weihe fast vollständig nieder. Von diesem Schlag erholte sich Willigis nicht mehr und er starb anderthalb Jahre später.

Martin Schuck

 

07.09.1159 Alexander III. wird Papst

Erst achtzehn Jahre nach seiner Wahl konnte er sich als Papst durchsetzen. Bis dahin verlegte er ständig seine Residenz. Seine erste offizielle Amtshandlung war die Exkommunikation des gegen ihn gewählten Papstes Viktor IV. Diese vollzog er allerdings nicht in standesgemäßer Kleidung. Der päpstliche Mantel war ihm bei der Inthronisation entrissen worden. Mehrere Gegenpäpste erlebte Alexander, sein stärkster Gegner war jedoch Friedrich Barbarossa. Erst 1177 erkannte dieser Alexander III. als Papst an. Ein Fresco in der Sala Regia im Vatikan präsentiert die Versöhnungsszene in Venedig folgendermaßen: Der Kaiser kniet auf dem Markusplatz vor Alexander, welcher voller Stolz seinen Fuß auf des Kaisers Hals setzt. Nun war der Papst jedenfalls gestärkt. Auf dem 3. Laterankonzil 1179 konnte er sich der Durchsetzung des Zölibats und der Bekämpfung der Häresie zuwenden und durch ein neues Papstwahldekret legte er die Zweidrittelmehrheit bei der Papstwahl fest. Das verhinderte für die kommenden Jahrzehnte eine Doppelwahl.

Mario Fischer

 

15.09.1909 100 Jahre Berliner Erklärung

Die Anfänge der Pfingstbewegung in Los Angeles 1905 führten auch bei einflussreichen Personen der deutschen Gemeinschaftsbewegung zur Erwartung eines neuen und wahren Pfingsten. Nach kontroversen Einschätzungen charismatischer Gottesdienste in Kassel (1907) entbrannte eine innerevangelikale Diskussion, die relativ unerwartet in einer summarischen Verurteilung der „sogenannten Pfingstbewegung“ durch führende Männer der Evangelischen Allianz und des Gnadauer Verbandes führte. In der „Berliner Erklärung“ vom 15.9.1909 stand, dass die Pfingstbewegung „nicht von oben, sondern von unten“ sei und Dämonen am Werk wären, die „Lüge und Wahrheit vermengen, um die Kinder Gottes zu verführen“. Die vom „falschem Geist“ bewirkten Erscheinungen und die „Lehre vom reinen Herzen“ wurden als unbiblisch zurückgewiesen. Dieser Verurteilung aller geistlichen und charismatischen Aufbrüche hatte schwere ökumenische Folgen und kann erst allmählich durch die Revision der „Kasseler Erklärung“ von 1996 abgebaut werden.

Walter Fleischmann-Bisten

 

31.10.1999 Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre

Die römisch-katholische Kirche und die evangelischen Kirchen haben erstmals seit der Reformation offiziell und feierlich erklärt, dass sie bei der entscheidenden Frage, wie der Mensch vor Gott gerecht wird, denselben Glauben bekennen: Gott nimmt uns aus Gnade durch den Glauben an Jesus Christus an. Das ist ein Grundkonsens, der alle konfessionellen Streitfragen überragt. Denn mehr als in den Himmel kommen, gibt es nicht.

Zum ökumenischen Frieden steht freilich noch eine Einigung darüber aus, was wir von der Kirche und ihrer Autorität, von den Amtsträgern und von den Sakramenten glauben. Ohne gegenseitige Anerkennung als „Kirche im eigentlichen Sinn“ und ohne Abendmahlsgemeinschaft ist die Ökumene noch nicht am Ziel.

Prof. Dr. Reinhard Frieling, langjähriger Leiter des Konfessionskundlichen Instituts


09.11.1989 Fall der Berliner Mauer

Die Mauer kennzeichnete die DDR als weltanschauliche Diktatur. In ihren Grenzen drehte sich die Staatsideologie nur um die eigenen Versprechen und schottete sich von fremden Einflüssen ab. Die evangelischen Kirchen waren der Freiraum. Ihre Sozialisationsformen, religiösen Hoffnungsbilder, sozialethischen Impulse und kritischen Gruppen bildeten das Ferment der Veränderung. Es entfaltete seine gewaltfreie Sprengkraft, als 1989 Flüchtlingsströme das Weite suchten und eine unaufhaltsame Destabilisierung erzeugten. Die einen wollten resigniert gehen, die anderen engagiert bleiben – das brachte quasi im Nebeneffekt die Mauer zum Fallen. Am 9.11.1989 erklärte der SED-Funktionär Günter Schabowski versehentlich: „Ständige Ausreisen können über alle Grenzübergangsstellen der DDR zur BRD erfolgen … sofort, unverzüglich.“ Tausende Berliner erzwangen moralisch den freien Durchgang. Das Land zog nach.

Dr. Aribert Rothe, Hochschulpfarrer in Erfurt, Vorsitzender Evangelische Konferenz für konfessionskundliche Arbeit in Sachsen-Anhalt und Thüringen / Evangelischer Bund

 

10.11.1759 Friedrich (von) Schiller

Nein, man kann ihn nicht trinken. Entgegen anders lautender Vorurteile geht der württembergische (auch sächsische und schweizerische) Rotling nicht auf den großen deutschen Dichter zurück, obwohl sein Geburtsort in Marbach am Neckar das nahe legen würde.

Schillernd wie der Wein ist das Werk des mit Goethe, Herder und Wieland als Inbegriff der Weimarer Klassik geltenden, 1802 geadelten Dramatikers. 1782 floh der mit Hölderlin, Schelling, Uhland und Mörike verwandte Württemberger vor der staatlichen Verfolgung seines vom Publikum umjubelten Dramas „Die Räuber“ ins Badische. 1787 kam er nach Weimar, akademisch arbeitete er allerdings – in guter Gesellschaft – als Professor für Geschichte in Jena. 1805 starb der Mann, dessen Ruf als Rebell ihm die Ehrenbürgerschaft der Französischen Republik eintrug. Der Kopf dieses großen deutschen Kopfes ist nach wie vor verschollen – der Entleiher desselbigen ruht indes an der Seite des leeren Schiller’schen Sarges in der Weimarer Fürstengruft.

Alexander F. Gemeinhardt

 

29.11.1959 Brot für die Welt

Von wegen „Advent ist im Dezember“ – bereits im November, nämlich am 1. Advent 1959, begann mit „Brot für die Welt“ eine Erfolgsgeschichte entwicklungspolitischer Arbeit der evangelischen Landes- und Freikirchen. In die „Hungerhand“ des Berliner Künstlers Rudi Wagner wanderten mit dem Aufruf „Wenn Du wieder satt geworden bist, gib 5 Pfennig für die Hungernden“ unfassbare 19 Millionen Mark, davon 4,8 Millionen aus der DDR, für die Bekämpfung der akuten Hungersnot in Indien. „Wir haben einen guten Anfang gemacht“, kommentierte der EKD-Ratsvorsitzende Bischof D. Dr. Otto Dibelius trocken.

Fast 53 Millionen Euro erwirtschafteten die über 100 dem Diakonischen Werk der EKD angeschlossenen „Brot“-Mitarbeitenden 2007. Bis 2013 wird „Brot“ mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst zusammengelegt werden und von Stuttgart nach Berlin umziehen. Da ist dann Advent auch wieder im Dezember. Gerade so…

Alexander F. Gemeinhardt

 

02.12.1409 Alma mater lipsiensis

Fast 27.000 Studierende sind an der zweitältesten deutschen Universität (mit ununterbrochenem Lehrbetrieb) im aktuellen Semester eingeschrieben. Nobelpreisträger wie Peter Debye, Werner Heisenberg, Gustav Hertz, Theodor Mommsen, Nathan Söderblom und Wilhelm Ostwald lehrten hier ebenso wie Gotthold Ephraim Lessing oder Wilhelm Wundt. Von Johann Wolfgang von Goethe bis Erich Kästner, von Thomas Müntzer bis Angela Merkel und von Richard Wagner bis Friedrich Nietzsche reicht die Liste der Studierenden. Die Theologische Fakultät ist ebenso wie das Religionswissenschaftliche Institut (seit 1912) nicht aus dem theologischen akademischen Betrieb wegzudenken. Am 9. Mai beginnen die Feierlichkeiten, am 7. Juni werden Vertreter der Universität Prag in Leipzig erwartet. Im Gegensatz zu ihren Vorbildern vor sechs Jahrhunderten, die mit dem Auszug aus der Karlsuniversität den Grundstein der Alma mater lipsiensis legten, ziehen sie ohne Zwist ihres Weges. Aktuell ist die Leipziger Uni wie eh und je – im Februar wird ein „Institut für Unternehmenssanierung und Insolvenzrecht“ eingeweiht. Ad multos annos.

Alexander F. Gemeinhardt

 

14.12.1959 Kardinalskreierung Augustin Bea S.J.

Augustin Bea wurde am 28.05.1881 bei Donaueschingen geboren. Nach dem Abitur trat er in den Jesuitenorden und wurde1921 erster Provinzial der oberdeutschen Provinz. Seit 1924 wirkte der anerkannte Exeget in Rom als Professor am Biblicum, als Berater kurialer Institutionen sowie seit 1945 als Beichtvater Pius XII. Johannes XXIII. kreierte ihn zum Kardinal und ernannte ihn 1960 zum Präsidenten des „Sekretariates für die Förderung der Einheit der Christen“. Als solcher entfaltete er eine rege Reisetätigkeit. Als Konzilsteilnehmer war Bea an der Entstehung der Konzilsdokumente „Nostra Aetate“, „Unitatis redintegratio“ sowie der Erklärung über die Religionsfreiheit maßgeblich beteiligt. Bea starb am 16.11.1968.

Martin Bräuer

 

19.12.1909 Borussia Dortmund

Als gebürtiger Dortmunder, der seit 40 Jahren in Hessen lebt, habe ich stets ein Gefühl der Befriedigung oder Enttäuschung, wenn „meine Borussia“ am Wochenende ihr Fußballspiel gewonnen oder verloren hat. Was geht da emotional und rational in mir vor? Heimatgefühl durch fußballerische Identifikation mit einem Verein, dessen Mannschaft ich vielleicht zehnmal im Leben persönlich habe spielen gesehen?

Was geht in mir vor, wenn ich als evangelischer Ökumeniker mich in „meiner Kirche“ wohler fühle als in der römisch-katholischen oder orthodoxen Kirche? Ich kenne natürlich theologische Gründe, aber auch meine vortheologischen familiären und religiösen Prägungen. Freilich: Borussia Dortmund „spielt“ mit dem Gegner, sogar mit dem Rivalen Schalke. Katholiken und Orthodoxe „ehre“ ich als meine Schwestern und Brüder.

Reinhard Frieling

 


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