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Helmut Noll |
Wie man geschwisterlich
Rückmeldung gibt
Die folgenden Punkte möchten
eine Hilfestellung bieten, durch die Theologinnen und Theologen im Studium,
Urlaub oder Ruhestand, auf einer übergemeindlichen Stelle oder im
Gestellungsvertrag, aber auch Religionslehrer, Diakone und nicht zuletzt die emotional
beteiligten Ehepartner der Vorgenannten in die Lage versetzt werden, spontan so
auf Gottesdienst zu reagieren, dass der Gemeindepfarrer es begreifen, ihre
Fachkompetenz anerkennen und ihr Engagement angemessen würdigen kann. Sie
beruhen praxisnah auf eigenen, sorgfältig ausgewählten Aha-Erlebnissen mit den begnadetsten
Vertreterinnen und Vertretern der oben genannten Zielgruppe – der überreife Ertrag
aus Begegnungen vieler Jahre, hier konzentriert auf das Typische und seine
zugrundeliegenden Prinzipien.
1. Vermutlich fragen Sie sich,
warum Sie einen Gottesdienst überhaupt besuchen sollten, wenn Sie ihn nicht
selbst leiten? Manchmal gibt es zwar familiäre Anlässe, aber grundsätzlich stehen
Sie persönlich da längst drüber. Was soll man Ihnen dort schon erzählen, was
Sie nicht selbst besser wüssten? Ihre Bestimmung ist also nicht Teilnahme (als
wären Sie ein x-beliebiges Gemeindeglied!), sondern kritische Begleitung von
höherer Warte aus, also von außen. Wohnen Sie vor Ort, beschränken Sie sich konsequent
auf zwei, drei Stichproben im Jahr. Erwischen Sie den Pfarrer dann zu einem
Zeitpunkt, an dem er an einer Krankheit laboriert oder anderweitig gehandicapt
ist, dann haben Sie gleich ein zutreffendes Bild von seiner Leistungsfähigkeit.
Ja, du liebe Zeit, wenn man ausgeruht und gut drauf ist, kann jeder halbwegs
predigen. Das zählt nur, wenn es ihm so gleichmäßig gelingt wie Ihnen selbst.
2. Kaum hat der Gottesdienst
begonnen, da werden Sie schon gemerkt haben, wes Geistes Kind sich da auf der
Kanzel tummelt. Aber, so mögen Sie sich fragen, weshalb sollten gerade Sie dazu
das Wort ergreifen, noch dazu gänzlich ungebeten? – Sie Tor, erbarmen Sie sich doch
der Leute neben Ihnen in der Kirchenbank, die sich nie und nimmer trauen, dem
da einmal Ihre (sic) Meinung zu sagen. Wer außer Ihnen hat schon solchen Mut
vor Königsthronen? Warum sind denn Kirchenbänke so dünn besetzt? Na also: Vollbesetzt
wären sie, würde man es da vorne nur richtig machen! Und denken Sie nur: Auch der
da predigt, verbirgt hinter einer Fassade von Arroganz und Schlamperei ein
schüchternes Herz, das sich in der Einsamkeit völliger Rückmeldungslosigkeit
nach Ihrem Ratschlag sehnt, jedoch niemals darum zu bitten wagen würde. Mit
einem Wort: Das ist Ihre Stunde!
3. Entscheidend für Ihr
Statement ist nun der rechte Zeitpunkt; und der liegt in der Regel direkt nach
dem Gottesdienst. Erstens kann nicht warten, was Sie zu sagen haben, zweitens merkt
sonst keiner, dass Sie auch Ahnung von der Materie haben und drittens ist der Prediger
gerade müde, hat vielleicht Feiertage mit etlichen Gottesdiensten hinter sich
und wird daher Ihre kollegialen Ermahnungen um so freudiger anhören und
aufnehmen als Samenkorn, aus dem dereinst Besserung erblühe. Hier wäre Rücksichtnahme
eine unangebrachte Gefühlsduselei. Nur Naive würden sich mit dem Kollegen
verabreden, um ihn dann ausgeruht und seiner vermeintlichen Gegenargumente bewusst
vor sich zu haben; ihn, der seiner Denkfaulheit zuliebe längst sich verstockt
hat in seines Herzens Härtigkeit.
4. Was Sie ihm sagen werden, braucht
Zeit, um in ihm zu reifen und zu wirken. Darum sollten Sie ihn vor der
Versuchung voreiliger Gegenrede bewahren, sonst ist die schöne Gelegenheit verpufft.
Um dies zu vermeiden, dürfen Sie keinesfalls bei ihm stehen bleiben. Machen Sie
es wie bei den Klingelstreichen Ihrer Jugend: Reiben Sie es ihm ganz nebenbei
im Hinausgehen an der Kirchentür hin – dann aber nichts wie weg; und das alles
in einer einzigen flüssigen Bewegung. Mit ein wenig Übung kriegen Sie es hin,
dass er den Rest des Sonntags über Ihre Bemerkung nachgrübeln wird, anstatt
etwa mit seinen Kindern zu spielen oder ein Buch zu lesen. Geschieht ihm recht.
Irgendwann wird er es Ihnen gewisslich danken.
5. Sie glauben, er könnte
Ihre schwellenkommunikatorischen Aphorismen womöglich gar nicht fassen? Dann schreiben
Sie ihm doch einen Brief! Das hat den Vorteil, dass Ihre Erinnerung dann nicht
mehr durch das direkte Erleben getrübt ist und Sie so seine Fehler viel schärfer
herausarbeiten, ja ihm mit Beobachtungen und Zitaten dienen können, durch die
er sich fragen wird, ob er denn selbst wirklich dabei war? Am besten veröffentlichen
Sie es gleich; so wird man Ihre kollegiale Hilfsbereitschaft nicht unterlaufen
können. Schreiben Sie ganz im Allgemeinen, aber lassen Sie den Gemeinten
kenntlich werden. Schreiben immer sine ira et studio, aber seien Sie authentisch:
Machen Sie ihm klar, dass Sie sich über ihn ärgern mussten und ungetröstet von
dannen gegangen sind. Und das ist seine Schuld! Da Ihr wahres Anliegen allein das
Wohl der angefochtenen Christenmenschen unter den Gemeindegliedern ist, haben
Sie die Pflicht, die Mauer seiner Gedankenlosigkeit durch demonstrative
Dramatik zu durchbrechen. Orientieren Sie dafür sich am Stil der Leserbriefe
Ihrer Tageszeitung: „Mit Entsetzen habe ich sehen müssen, wie Sie …“; oder: „Ich
bin außerordentlich enttäuscht, dass einer, der sich Pfarrer nennt …“ – ja, so
fangen Ratschläge an, die wahrlich zu Herzen gehen. Ganz wichtig: Nie für sich
selbst sprechen, immer wie Robin Hood für andere kämpfen – aber aufgepasst,
dass keiner dieser Armen anwesend ist, der sich Ihre Andusigkeit womöglich
verbitten könnte.
6. Hier in Kürze die erkenntnistheoretische
Grundlegung Ihrer Kritik sowie die ethischen und soziologischen Konsequenzen.
Prämisse: Er sagt etwas Anderes
oder macht etwas anders, als Sie es machen würden oder gemacht haben oder als
ihr Ehegespons es gerne machen würde, ließe man ihn nur. Daraus folgt mit messerscharfer
Logik: Er macht es falsch. Das impliziert Ihre Pflicht, ihn dazu zu bringen,
dass er es so macht, wie Sie es wollen. Denn Sie wollen es so, weil es so
richtig ist; er dagegen macht es anders, weil er verantwortungslos ist.
[Unwesentliche Fußnote: Natürlich könnte man – freilich
nur sehr abstrakt und theoretisch – auch annehmen, dass der Kollege alles schon
selbst bedacht hat, aber zu Erkenntnissen gelangt ist, die ihn weitergeführt
haben. Ja, die offensichtliche Verblüffung und das ausweichende Gerede, mit
denen er auf Ihre Gravamina reagiert, könnten daher rühren, dass er sich gerade
verzweifelt fragt, wo in Ihrem Konglomerat aus zweifelhaften Voraussetzungen, oberflächlichen
Beobachtungen, defekten Schlüssen und schieren Unterstellungen er denn ansetzen
könnte zu einer Richtigstellung. Aber diese Möglichkeit besteht nur rein theoretisch
und ist für die Praxis vernachlässigbar. Im Ernst: Jemand der weiter gedacht hat
als Sie? Sie sehen: unmöglich.]
Aus diesem Grundprinzip
resultiert eine natürliche Rollenverteilung: Sie wissen genau, was die Menschen
bewegt – er hat keine Ahnung von seinen Gemeindegliedern. Sie sind der Anwalt
der wirklichen Gemeindeglieder und ihrer Bedürfnisse – er ist der
Kirchenbeamte, der durch sein gedankenloses / rückständiges / zeitgeistanbetendes
(Zutreffendes bitte unterstreichen)
Gehabe die Leute verscheucht. Ihr nicht hinterfragbares Axiom sei stets, dass alle
ihn genau so wahrnehmen und beurteilen wie Sie: negativ.
7. Die gängigste Methode der Predigtkritik funktioniert nach dem
Vorbild eines Viren-Scanners: Achten Sie auf Reizworte und Einzelaussagen,
isolieren Sie sie aus dem Zusammenhang und regen Sie sich dann künstlich darüber
auf. So etwas wie einen Kontext haben nur historische Texte, nicht aber
Predigten. Keiner weiß das besser als Sie, schließlich haben Sie oft genug
Ausschnitte aus Predigthilfen, Internetpredigten, Beispielgeschichtchen und
Liedtexten zu einem Sermon hintereinander montiert.
Schalten Sie beim Hören den
hermeneutischen Verdacht immer auf „Volle Leistung“. Was einer ganzen Richtung
zeitgenössischer Exegese recht ist, kann Ihnen nur billig sein. Fragen Sie
nicht lange nach dem, was der Prediger wörtlich gesagt hat. Ein sensibilisierter
Zuhörer hört das Gras auch da wachsen, wo keines gesät ist. Achten Sie besonders
auf das, was er alles nicht sagt; und
das ist jedes Mal eine Menge, schließlich hat er das ganze Evangelium zu
predigen.
Das A und O aller
Predigtkritik aber ist das Prinzip der
komplementären Interpretation logischer Ebenen: Sagt der Prediger etwas von
allgemeiner Bedeutung, interpretieren Sie es speziell und personalisieren dann.
Nehmen wir an (konstruiertes Beispiel), der Prediger habe im Frühling von Krokus
und Tulpen gesprochen und dass ihr derzeitiges allgegenwärtiges Blühen uns ein
Hinweis auf die Liebe Gottes sein könnten. Nun müssen Sie ihm erklären, dass in
Ihrem Garten aber nur Herbstzeitlose wüchsen, derzeit also gar nichts blühe und
Sie sich deswegen knallhart ausgeschlossen gefühlt hätten.
Schauen Sie ihn mit schmerzlichem
Lächeln an, verleihen Sie Ihrer Stimme das Timbre tiefster Betroffenheit und
sagen Sie, dass Sie selbst seine Gedankenlosigkeit schon verwinden könnten,
aber da wären ja die anderen Gottesdienstbesucher, von denen nicht jeder Tulpen
habe, ja, manche Menschen hätten sogar überhaupt keinen Garten! Die habe der
Prediger herzlos ignoriert!!! – Umgekehrt: Spricht er einen bestimmten Fall an,
dann sagen Sie ihm, dass er pauschal verurteile und überhaupt höchst unkonkret
am Leben seiner Gemeindeglieder vorbeirede. Sprach er davon (konstruiertes
Beispiel), dass bestimmte Alltagsbelastungen zu vergleichen seien mit Kompost,
um dessen Wichtigkeit für ein gesundes Pflanzenwachstum willen man seinen
Geruch hinnehmen müsse, dann hauen Sie ihm um die Ohren, dass er heute den
ganzen Obst- und Gartenbauverein vor den Kopf gestoßen und endgültig vergrault
habe. Wie könne er nur von der Kanzel herab Menschen als stinkend herunterputzen,
die in ihrem Gärtchen ein wenig Ruhe und Entspannung suchten! Im Übrigen seien
Sie zutiefst bestürzt, wie leichtfertig er von der Lebenssituation von
Körperbehinderten rede.
Von Körperbehinderten war mit
keinem Wort die Rede? – Na und? Merke: Logik
ist zum Verstehen einer Predigt kontraproduktiv, schon weil sie dem Prediger
die Fähigkeit zu sinnvollen Gedanken ad hoc unterstellt. Gefragt sind einzig und
allein Assoziationen, auch wenn sie an den Haaren aus den entferntesten Ecken
des Universums herbei gezerrt werden müssen. Faustregel: Je länger die
Schleifspur, desto bedeutungsschwerer der Einwand. Verwischen Sie dabei aber
niemals die Schärfe der begrifflichen Differenzierung: Sie „kritisieren“ – er
„verurteilt“; Sie „denken“ – er „dogmatisiert“; Sie sind „konkret“ – er ist
„gesetzlich“; Sie reden „umfassend“ – er redet „unkonkret“; Sie reden
„zeitgemäß“ – er redet „Zeitgeist“.
Obligatorisch muss jede Kritik
enden mit dem Satz, dass es kein Wunder sei, wenn inzwischen so wenige Menschen
kommen, wo sie doch geradezu aus der Kirche hinausgepredigt würden. Das ist das
„Amen“, das nicht fehlen darf.
8. Zu Kritik an nonverbalem Verhalten suchen Sie sich am
besten eine Einzelheit, von der aus Sie dann Ihre Generalkritik entfalten. Sie
werden feststellen, dass es eine Menge scheinbar nebensächlicher Details gibt, deren
essentielle Wichtigkeit für ein modernes christliches Gemeindeleben dem
Kollegen völlig entgeht; die Sie aber dank Ihrer speziellen Interessen und Ihrer
gesteigerten Sensibilität klar erkannt haben. Da wäre z. B. der Zustand der
Abwasserrinne vor seinem Haus. Oh, wie ist die Gemeinde nicht schwer
angefochten von dem Kontrast zwischen seiner Predigt und den dort wachsenden
Grasbüscheln! Halten Sie ihm vor Augen, dass sein ganzer Gottesdienst rein für
die Katz war, weil seine Abwasserrinne so gar nichts von seiner Predigt
widerspiegele. Dieses Schema wird niemals langweilig, kann es doch mit einer
unerschöpflichen Bandbreite von Variablen immer neu aufgeführt werden: schief
hängendes Beffchen, Dialektanklänge, Barttracht, Schaukasten nicht aktuell,
Nichtanwesenheit bei der Jubiläumsfeier des Gesangvereins und, und, und.
9. Natürlich dürfen Sie sich
durchaus auch lobend über ihn äußern –
doch bitte mit Bedacht, Maß und Ziel! Wagen Sie sich lieber nicht an diese fortgeschrittene
Variante, solange Sie nicht mit den elementaren Methoden der Kollegenkritik
reichlich Erfahrung gesammelt haben, sonst geht der Schuss nach hinten los und
der Gelobte ruht sich auf einem rein wörtlichen Verständnis Ihres gut gemeinten
Lobs aus. Womöglich verleitet ihn sein Größenwahn sogar zu der Ansicht, er versehe
sein Amt ganz annehmbar. Da sei Gott vor. Darum sicherheitshalber: Immer gib
ihm Saures!
Wichtig ist vor allem, dass
Ihre fachliche Überlegenheit durch Ihr Lob klar zum Ausdruck kommt. Sie müssen es
formulieren wie ein Prüfer, der einen durchschnittlichen Schüler zu weiteren
Leistungen ermuntern will. Hat er z. B. eine exegetische Einzelheit
offensichtlich nicht aus Predigthilfen abgeguckt, so schreiben Sie ihm, Sie
hätten das zu Hause anhand des griechischen Textes überprüft und Potzblitz! – es
habe doch tatsächlich gestimmt! Seien Sie nicht so weltfremd anzunehmen, der
Kollege könnte selbst den Nestle-Aland aufgeschlagen und seine Idee gerade von
da her haben. Unsinn, Sie selbst sind doch der letzte der Mohikaner, der noch die
Texte in den Ursprachen liest. Das Rätsel, wie er trotzdem vor Ihnen drauf gekommen sein könnte, liegt allein in der
Unberechenbarkeit des Heiligen Geistes, welcher da wehet, wo er will und so manch
blindes Huhn wider alles Erwarten ein Körnlein finden lässt.
10. Leider muss ich noch zweier
Punkte Erwähnung tun. Der Erste ist betrüblich genug: Im Allgemeinen können Sie
zwar davon ausgehen, dass alle nur auf Sie gewartet haben und Ihre Ermahnung
auf fruchtbaren Boden fallen wird. Es kann aber vorkommen, dass Undank der
Welten Lohn ist. Vielleicht bleibt der Kollege äußerlich höflich und widerspricht
Ihnen nicht ins Angesicht; Sie aber merken doch, dass er insgeheim an das berüchtigte
Goethe-Zitat denkt. Vielleicht erfolgt sogar eine mündliche oder schriftliche
Antwort, die durchblicken lässt, dass er in seiner Verblendung Ihre
Einlassungen für nicht zureichend begründet hält, seine Gemeinde besser zu
kennen meint als Sie und aus ihr ganz andere Rückmeldungen hört. Besonders
gewissenlose Exemplare erwähnen die Gattung der eierlegenden Wollmilchsäue, der
sie nicht zuzurechnen seien.
Obwohl es naturgemäß ziemlich
durchsichtige Ausreden sein werden, kann es für Sie eine niederschmetternde
Erfahrung sein: Sie haben nur in geschwisterlicher Liebe Gutes bewirken wollen,
aber der Kollege hat es zum Bösen gewendet. Haben Sie aber Mitleid mit seiner
gekränkten Eitelkeit, es schmerzt nun mal, wenn einem seine Fehler vor Augen
geführt werden. Reagieren Sie mit der Ihnen eigentümlichen gelassenen
Sachlichkeit: empört und zutiefst gekränkt. Machen Sie ihm zum Vorwurf, dass
Ihnen nun der Aufenthalt an diesem Ort für alle Zeit gründlich verleidet ist.
Versäumen Sie nicht auf Andere hinzuweisen, mit denen Sie über das Thema
gesprochen und die Ihnen völlig recht gegeben hätten. Drohen Sie mit Kirchenaustritten
in Ihrem Bekanntenkreis. Mindestens aber erklären Sie, dass Sie nun mit ihm
nichts mehr zu tun haben wollen. Werfen Sie dennoch die Flinte nicht ganz ins
Korn: Bestimmt findet sich irgendwo ein unzufriedenes Gemeindeglied (von denen
es ja keine gäbe, wären Sie der Stelleninhaber), dem Sie Munition liefern
können.
11. Zum Schluss muss ich schweren
Herzens eine ernste Warnung anfügen vor der teuflischen Anfechtung, welche
jedem gutwilligen Kritikus dräuend zu Häupten schwebet. Seien Sie gewappnet! Denn
siehe, nachdem Sie es wie weiland Jesus in der Wüste wohl über 40 endlose
Minuten ausgehalten haben, und, obschon Ihnen Steine statt Brot geboten wurden,
dennoch nicht mit apokalyptischem Türgedonner entwichen sind, da wird alsbald
der Versucher an Sie herantreten und Ihnen Zweifel einflüstern wie diese: Dass der
da vorne nur andere Schwerpunkte setzt; dass an seiner Auffassung möglicherweise
doch etwas Wahres sein könnte; dass man von außen kommend nicht den vollen
Einblick haben kann; dass er vielleicht nur einen schlechten Tag hat, aber im
Prinzip nicht ganz ahnungslos ist … eben dieses ganze wachsweiche,
pseudotolerante Gerede, mit dem diese Kirche bis an den Rand der Auflösung
heruntergewirtschaftet worden ist. Ja, aus seiner schwärzesten Niedertracht
wird der Satan Ihnen einblasen, es könnte der da vorne einfach etwas haben oder
sein, was Sie an sich selbst heimlich vermissen, oder Sie könnten durch ihn
infrage gestellt sehen, wie Sie die Dinge immer gesehen oder gehandhabt haben –
ein Verdacht, welcher jetzt in Ihnen wirke als durchschlagendes Abführmittel für
lauter klitzekleine Korinthen.
Da widerstehe Du tapfer
eingedenk der jammervollen Zerstreuung der Herde und all der schönen
Möglichkeiten, welche der Kollege versäumet und verdirbet und sprich also: „Hebe
dich hinweg von mir Satan, denn es stehet geschrieben: Du sollst fleißig
herausziehen die Splitter aus deines Nächsten Auge, hinwiederum aber schön die
Finger lassen von dem Balken in deinem eigenen. Item was du da redest, das mag
im Allgemeinen und für sonst jeden zutreffen, nicht aber auf mich und auf
diesen besonderen Fall allhier, für den gnädige Vorsorge zu treffen der Himmlische
Vater leider versiebt hat.“ Und dann geh hin und lass deinen Mund übergehen von
dem, wessen dein Herz so voll ist, dass du es einfach nicht länger verhalten
kannst.
12. Praktische Übung: Repliken
auf diesen Artikel werden (in variierenden Formulierungen) mindestens eine der
folgenden Aussagen enthalten:
o Unverschämtheit, ich werde hier pauschal
verurteilt
o Hab ich nie so gemacht, außer in begründeten
Ausnahmefällen
o Der Autor verträgt wohl überhaupt keine
Kritik
o Ich
bekomme nur gute Rückmeldungen
o M.E. nicht unrichtig, nur hat es NN in seinem
Buch S. 243ff differenzierter dargestellt
Aufgabe: Ordnen Sie jede Aussage einer der
Methoden aus Abschnitt 6 -10 zu.
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