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Dr. Anne Käfer, Nauklerstraße 59, 72074 Tübingen |
E.T.A. Hofmann, Meister
Floh Weihnachtsmärchen, juristisches
Lehrstück und romantisches Abenteuer - oder: Die Gedanken sind frei.
Für Margret Käfer
Eine ausgeführte Tat, nicht
aber die Gesinnung eines bloß verdächtigten Täters ist für den Juristen und
Dichter E.T.A. Hoffmann das Kriterium, nach dem sich die Rechtsprechung richten
soll. Vor allem bei den Burschenschafts- und Demagogenprozessen zwischen 1819
und 1821, an denen Hoffmann in juristischer Funktion mitbeteiligt ist, hält er
seine Überzeugung hoch. 1819 wurde Hoffmann per Kabinettsorder als Mitglied der
vom König eingerichteten preußischen Immediat-Untersuchungs-Kommission
eingesetzt. Diese Kommission sollte als Kriminalgericht die Verhaftungen der
„Demagogen“ auf Rechtmäßigkeit hin untersuchen und überprüfen. Gemäß dem von Hoffmann
präferrierten Tatstrafrecht kam es zu erheblichen Zurückweisungen der
Verhaftungen, die das preußische Innen- und Polizeiministerium oder genauer:
die vom König für zuständig erklärte „Ministerialkommission“ bereits vollzogen
hatte. Tatsächlich nämlich konnte einem Großteil der Verhafteten keine
staatsfeindliche Tat nachgewiesen werden. Um ihre Verhaftungen zu legitimieren,
wurde mit der Gesinnung der Verhafteten argumentiert. Einen Gipfel dieser
Argumentation stellt das Vorgehen des Geheimen Ober-Regierungs-Raths Karl
Albert von Kamptz, Direktor der Polizeiabteilung im Ministerium des Innern, im
Fall des verhafteten Studenten Gustav Asverus dar. Im beschlagnahmten Tagebuch
des Studenten hat Kamptz den Ausdruck „mordfaul“, mit dem Asverus sein Tagewerk
resümiert, doppelt mit Rotstift unterstrichen und als belastendes
Beweismaterial zur Geltung gebracht. In seinem Märchen „Meister Floh“ hat
Hoffmann diese Polizeimaßnahme verarbeitet und sie dem Geheimen Hofrat
Knarrpanti zugeschrieben, der im Tagebuch von Peregrinus Tyß, dem Helden des
Märchens, denselben Ausdruck findet: „Die Silbe mord war dreimal unterstrichen,
und Knarrpanti meinte, ob jemand wohl verbrecherischere Gesinnungen an den Tag
legen könne, als wenn er bedauere, heute keinen Mord verübt zu haben!“ Nicht
nur diese Textstelle macht Hoffmanns Ablehnung des preußisch-ministerialen
Verfahrens deutlich. Insbesondere der als Anagram zu deutende Name Knarrpanti
stellt Hoffmanns Mißfallen am Vorgehen des Narren Kamptz und dessen
Gesinnungsspekulationen heraus. Um aufzuzeigen, wie der Dichterjurist Hoffmann
gegenüber jeglicher ministerialen und juristisch begründeten
Gesinnungsspekulation eingestellt ist und daß seine Hochschätzung dem der
Romantik so wertvollen Bereich der Phantasie und der freien Gedankenerzeugung
gilt, soll im folgenden sein poetisches Werk „Meister Floh“ zunächst als
Weihnachtsmärchen, dann als Erzeugnis eines Richterpoeten und abschließend als
ein ausgesprochen romantisches Werk untersucht werden. Dabei geht die
vorliegende Interpretation aus von einer gewissen christlich geprägten
Religiosität Hoffmanns, die seine Ästhetik bestimmt. Diese Annahme wird vor
allem durch die Fokussierung auf das Märchen als ein Weihnachtsmärchen
deutlich. So wie sich Hoffmann in der Tonsprache, vor allem mit der Komposition
eines Miserere (1809), zum christlichen Glauben bekannt hat, kann auch im
Meister Floh ein gewissermaßen poetischgestaltetes, ästhetisiertes christliches
Bekenntnis des Autors ausgemacht werden. Das Märchen handelt in seinen sieben Abenteuern
vor allem von der Erlösung des einsamen, kleinmütigen und beziehungsarmen
Peregrinus Tyß, die dadurch wirklich wird, daß, initiiert durch ganz
außerordentliche Geschehnisse am Christfest, in seinem Herzen himmlische Liebe
einwohnt. Das Märchen spielt auf zwei „Ebenen“: In Frankfurt am Main, wohl zu
Lebzeiten des Autors Hoffmann, wird der verwaiste Held Peregrinus Tyß durch die
Begegnung mit Meister Floh und der verführerischen Dörtje Elverdink aus seiner
einsamen Zurückgezogenheit zum Umgang mit seinen Mitmenschen veranlaßt. Diese
erlebt er zum einen, vor allem in der Gestalt des Hofrats Knarrpanti, als
verlogen, betrügerisch und eigensinnig. Zum anderen begegnet ihm Röschen. In
seiner Beziehung zu ihr erfährt er wahre Liebe. Im Land Famagusta und zu einer
Zeit, die schon vor den Ereignisse in Frankfurt vergangen ist, gleichwohl außer
aller Zeit (im Reich der Phantasie) fortbesteht, erlebte Dörtje Elverdink alias
Prinzessin Gamaheh nach ihrem Tod durch den blutsaugenden Egelprinzen den
Versuch ihrer Wiederbelebung durch die beiden Magier und Mikroskopisten
Leuwenhoek und Swammerdamm. Erst Meister Floh jedoch kann durch einen Stich die
Prinzessin tatsächlich zum Leben erwecken. In Frankfurt am Main und zu besagter
Zeit treffen die Figuren von einst wieder zusammen. Hier und jetzt versuchen
sie ihre alten Streitereien um Freiheit und Macht zu ihren Gunsten zu
entscheiden. Prinzessin Gamaheh ist angewiesen auf einen regelmäßigen
lebenserhaltenden Stich von Meister Floh, weshalb sie ihn in ihre Gewalt bekommen
will. Mikroskopist Leuwenhoeck benutzt Dörtje Elverdink und Meister Floh in
sklavischer Weise, indem er sie als außergewöhnliche Attraktionen der
Öffentlichkeit vorführt, dadurch für sich selbst Geld und Ansehen erlangt und
folglich auf die beiden nicht verzichten will. Die beiden Mikroskopisten
wiederum streiten um das Vorrecht auf den Besitz von Dörtje Elverdink, von der
sie annehmen, daß sie durch ihr Werk wieder lebendig geworden sei. Als Meister
Floh aus seiner Sklaverei entkommen und zu Peregrinus Tyß geflohen ist,
versucht Dörtje Elverdink mit ihren Verführungskünsten zunächst Peregrinus Tyß
und damit dann auch Meister Floh in ihre Gewalt zu bekommen. Darunter leidet
George Pepusch alias Distel Zeherit, ein alter Freund von Peregrinus, weil er sich
für den einzigen rechtmäßigen Liebhaber Dörtjes hält. Unter dem Einfluß von
Dörtje Elverdink und Meister Floh und insbesondere, weil Röschen Lämmerhirt in
ihm die wahre, himmlische Liebe erweckt, wird Peregrinus Tyß schlußendlich zum
Richter über die genannten Gestalten. Er vermag aufgrund seiner Liebe am Ende
des Märchens ein Urteil über sie zu sprechen. Aufgrund der Liebe in seinem
Herzen ist ihm ein angemessenes Urteil möglich.
1. „Meister Floh“ - Ein Weihnachtsmärchen
Daß das Märchen „Meister Floh“
ein Weihnachtsmärchen ist, bringt nicht nur die Korrespondenz Hoffmanns mit
seinem Verleger zum Ausdruck, in der das Erscheinen des Buches als
„WeihnachtsGeschenk“ erwogen wird. Vor allem rechtfertigen die inclusio, die
das gesamte Märchen umfaßt, und insbesondere der bedeutsame Ausgang aller
sieben Abenteuer bei dem Ereignis eines ganz besonderen Weihnachtsfestes die
Kategorisierung des Märchens als Weihnachts-Märchen. Hoffmanns „Meister Floh“
endet mit den Worten: „Gar hübsch war es aber von dem Meister Floh, daß er der
Tyßischen Nachkommenschaft am Christtage es nie an den zierlichsten, von den
geschicktesten Künstlern seines Volks ausgearbeiteten Spielsächelchen fehlen
ließ, so aber den Herrn Peregrinus Tyß auf gar angenehme Weise an jene verhängnisvolle
Weihnachtsbescherung erinnerte, die gleichsam das Nest der wunderbarsten,
tollsten Ereignisse zu nennen.“ Eben mit dieser am Ende des Märchens erinnerten
Weihnachtsbescherung beginnen die Abenteuer von Peregrinus Tyß alias König
Sekakis und Meister Floh. Das Weihnachts- oder besser das Christfest, das am
Anfang des Märchens steht, gibt Peregrinus Tyß als einen Menschen zu erkennen,
dessen Lebenswandel seinem lateinischen Namen entsprechend von Fremdheit
gegenüber der Umwelt geprägt ist. Er ist das einzige und lang ersehnte Kind
seiner Eltern, weshalb sie sein Tauffest wie ein Krönungsmahl feiern. Anders
jedoch als der finanziell vermögende Vater erhofft, sind dem Sohn Peregrinus
Tyß Börsenkurse und Wechsel völlig fremd und zuwider. „Was aber am seltsamsten
schien, war, daß er [Peregrinus] das Wort: Wechsel, nicht aussprechen hören
konnte, ohne krampfhaft zu erbeben, indem er versicherte, es sei ihm dabei so,
als kratzte man mit der Spitze des Messers auf einer Glasscheibe hin und her.“
Peregrinus' Lebensweg ist nicht bestimmt von einem zielstrebigen Aussein auf
materiellen Gewinn. Vielmehr gleicht es einer zunächst ziellosen Wanderung oder
Pilgerreise, die hinausführt aus der Stadt Peking, deren Aufriß die Wand seines
Kinderzimmers bedeckte, weit weg nach Indien, nach Madras, von wo Peregrinus zu
Beginn des Märchens nach Frankfurt am Main in das Haus seiner mittlerweile
verstorbenen Eltern zurückgekehrt ist. Nicht nur seine scheue, fremdelnde Art
vor allem auch der Verlust der Eltern bedingen seinen zurückgezogenen und nur
durch die Gesellschaft seiner Kinderfrau Aline vor Einsamkeit bewahrten Alltag.
Gerade mit dem besagten Weihnachtsfest, bei dem Aline für Peregrinus mit den
von ihm selbst besorgten Weihnachtsgeschenken einen herrlichen Gabentisch bereitet,
der Peregrinus zu allerlei kindlichen und befremdlichen Handlungen lockt,
beginnt das Ende seines Lebens in der Fremde und in abgeschiedener
Zurückgezogenheit. Ironischer- und paradoxerweise vollzieht sich der Übergang
aus der Fremde gerade durch die Begegnung mit dem ganz und gar
Außergewöhnlichen und Phantastischen. Es ist eine außerordentliche und doch
ganz und gar weihnachtliche oder vielmehr christliche Begebenheit, die
Peregrinus an diesem Christfest widerfährt. Die von Peregrinus im Anschluß an seine
eigene Bescherung bei den Kindern des armen Buchbinders Lämmerhirt mit den
Geschenken seines eigenen Gabentisches veranstaltete Weihnachtsbescherung
bringt ein weihnachtliches Geschehen in Gang, das Peregrinus viel größere als
die eingekauften Geschenke beschert. Zunächst wird er in der Wohnung der
Lämmerhirts von Dörtje Elverdink aufgesucht. Sie betritt die Wohnung der
Lämmerhirts mit der Absicht, Peregrinus für ihre Zwecke zu vereinnahmen. Sie
verlangt von ihm die Herausgabe von Meister Floh, der sich dadurch vor ihr in
Sicherheit bringt, daß er sich zunächst in den Weihnachtsgeschenken des
Peregrinus Tyß versteckt und sich dann diesem sozusagen ins Ohr hineinsetzt.
Meister Floh nimmt Wohnung im Ohr und im Haus des Peregrinus Tyß, und er nimmt
diesem das Versprechen ab, niemals ihn, den Meister Floh, an Dörtje Elverdink
zu verraten. Zum Dank dafür verleiht er Peregrinus, wann immer dieser will, das
mikroskopische Glas, mit dem die Gedanken der Menschen lesbar sind. Gerade die
Einsetzung dieses Glases und die Gabe des Gedankenlesens bedingen letztlich,
daß Peregrinus den verführerischen Künsten Dörtje Elverdinks entsagt und auf
Röschen Lämmerhirt trifft. Röschen Lämmerhirt und mit ihr die wahre, himmlische
Liebe sind die eigentliche Weihnachtsgabe, die Peregrinus Tyß zu bestimmter
Zeit aus der Familie Lämmerhirt empfängt, nachdem er den drei Versuchungen von
Dörtje Elverdink endgültig widerstanden hat. Röschen ist es, durch die ein
wahrhaft weihnachtliches Wunder vollzogen wird. Durch sie wird das christliche
Inkarnationsgeschehen, das den eigentlichen Grund des Christfestes darstellt,
auch für Pereginus Tyß wirklich und bedeutsam. Damit, daß sie ihm in ihrer
Liebe zu ihm gesteht, „wie sie nur in ihm lebe“, ist für ihn und in ihm die
Liebe gegeben, die „der Talisman [ist], vor dem die nächtigen Gestalten
fliehen“. Von diesem „Talisman“ hatte der Mikroskopist Leuwenhoek gegenüber
Peregrinus Tyß geweissagt: „Ihr seid im Besitz eines Talismans, ohne es zu
wissen. Dieser Talisman ist [...] der rote Karfunkel; es kann sein, daß der
König Sekakis ihn als Edelstein in der Krone trug oder daß er gewissermaßen
selbst der Karfunkel war; genug - Ihr besitzt ihn jetzt; aber ein gewisses
Ereignis muß hinzutreten, wenn seine schlummernde Kraft erweckt werden soll.“
Dieses notwendige Ereignis ist die Begegnung von Peregrinus Tyß mit Röschen
Lämmerhirt, welche ihm - im Gegensatz zu Dörtje Elverdink - aus der Wohnung der
Lämmerhirts als erlösende Erscheinung entgegentritt. „Sowie Peregrinus der
holden Jungfrau ins Auge blickte, war es ihm als habe er in schwerlastenden
Banden gelegen, die eine wohltätige Macht gelöst, und der Engel des Lichts
stehe vor ihm, an dessen Hand er eingehen werde in das Reich namenloser
Liebeswonne und Sehnsucht.“ Peregrinus' erste Begegnung mit Dörtje Elverdink an
der Tür der Lämmerhirts, zu der sie hereintritt, führt dahingegen zu ganz
entgegengesetzter Stimmung: „Es konnte nicht fehlen, daß der Buchbinder ebenso
bestürzt war als Herr Peregrinus, daß die Kinder von ihren Spielsachen abließen
und die fremde Dame angafften mit offnem Munde.“ Entsprechend den beiden
Erstbegegnungen werden nicht nur die beiden Frauen, Dörtje und Röschen, in zwei
Frauentypen unterschieden; Röschen wird als Venus Urania charakterisiert und
als „Engelskind“ bezeichnet, Dörtje hingegen sogar als „kleines verkapptes
Teufelchen“ und als verführerische „Schlange des Paradieses“ beschimpft sowie
ein „Zuckerkind“, ein verfänglich klebriges „Zuckerpüppchen“, genannt. Auch die
Beziehungen, die Peregrinus zu den beiden Frauen unterhält, werden ausdrücklich
unterschieden. Sein Verhältnis zu Dörtje ist durch bloße, allein auf ihren
sinnlichen Reiz bezogene Verliebtheit bestimmt, mit Röschen hingegen ist er in
wahrer, himmlischer Liebe verbunden. Angesichts der Liebe zu Röschen, die die
vollendete Einwohnung oder Inkarnation des genannten Talismans im Herzen von
Peregrinus Tyß bedeutet, wird erst seine bloße Verliebtheit in Dörtje Elverdink
deutlich. Zudem erkennt Peregrinus aufgrund seiner Liebe zu Röschen das
mikroskopische Glas als „ein Geschenk [...], das der Hölle angehöre“. Gegenüber
dem ihm innewohnenden roten Karfunkel, gegenüber seinem liebesfähigen Herzen
erscheint ihm das einsetzbare Glas als minderwertig und verhängnisvoll. Die
Liebe, die er gegenüber Röschen empfindet, macht ihm bewußt, daß solche wahre
Liebe nicht nur keiner Gesinnungsforschung bedarf. Vielmehr muß sie diese sogar
als Sünde verabscheuen, weil eine anmaßende Innenschau beständig Argwohn und
Mißtrauen schürt. Vertrauen und duldende Liebe können den nicht erfüllen, der
sich, weil er die Differenz zwischen Gott und Mensch nicht ernstnimmt, in
gottgleicher Weise Einsicht in das Innere der Menschen verschaffen will.
„Frevel, ruchloser Frevel ist es, sich wie jener gefallene Engel des Lichts,
der die Sünde über die Welt brachte, gleichstellen zu wollen der ewigen Macht,
die das Innere des Menschen durchschaut, weil sie es beherrscht.“ Im vollen
Besitz des Karfunkels hat Peregrinus Einsicht in die Verfänglichkeit des
mikroskopischen Glases. Daß er jedoch in diesen vollendeten Besitz gelangt ist,
verdankt er sowohl dem Glas von Meister Floh als auch Dörtje Elverdink, die ihn
an jenem Weihnachtsabend als erste aufsuchte. Sowohl sie als auch Meister Floh
suchen den zurückgezogenen, menschenscheuen Peregrinus auf, öffnen ihm nicht
nur die Augen für das andere Geschlecht, sondern führen ihn überhaupt unter
Menschen. Vor allem Meister Floh ist es, der Peregrinus zum Kontakt mit seinen
Mitmenschen antreibt, indem er ihm durch das mikroskopische Glas Sicherheit im
Umgang mit den Mitmenschen vermittelt. „'Glaubt mir', so sprach Meister Floh,
‚glaubt mir, Herr Peregrinus, es wird Euch gar manchen Nutzen bringen, wenn Ihr
Eure Einsamkeit verlaßt. Fürs erste dürftet Ihr nicht mehr fürchten, scheu und
verlegen zu erscheinen, da Ihr, das geheimnisvolle Glas im Auge, die Gedanken
der Menschen beherrschet, es daher ganz unmöglich ist, daß Ihr nicht überall
den richtigen Takt behaupten solltet. Wie fest, wie ruhig könnt Ihr vor den
höchsten Häuptern auftreten, da ihr Innerstes klar vor Euern Augen liegt.
Bewegt Ihr Euch frei in der Welt, so wird Euer Blut leichter fließen, jedes
trübsinnige Brüten aufhören und, was das beste ist, bunte Ideen und Gedanken
werden aufgehen in Euerm Gehirn'.“ Nur als einer, der vermittelst des
mikroskopischen Glases die Abgründe der menschlichen Seele und den möglichen
Verhängnischarakter zwischenmenschlicher Beziehungen kennengelernt hat, kann
Peregrinus schließlich die eigentliche Weihnachtsgabe, nämlich Röschen
Lämmerhirt und ihre wahre Liebe empfangen und erkennen. Der Erkenntnisweg des
Peregrinus Tyß beginnt (notwendig) mit der Sünde des Sein-Wollens-wie-Gott -
wie Gott, „der ewigen Macht, die [allein] das Innere des Menschen durchschaut,
weil sie es beherrscht“. Denn häufig schnippt Peregrinus mit dem Daumen und
veranlaßt mit diesem verabredeten Zeichen, daß ihm Meister Floh das
mikroskopische Glas ins Auge setzt, mit dem er das Innere seiner Mitmenschen
erkunden kann. Peregrinus' Erkenntnisweg endet mit seiner eigenen Erlösung, die
auch die Erlösung Dörtje Elverdinks und George Pepuschs bedeutet. Peregrinus
gelangt mit Röschen zu familiärem Glück und ist aus seiner sündhaften
Beziehungslosigkeit und Kleinmütigkeit zu wahrer Liebe erlöst. Dörtje und
George hingegen sterben, wie Peregrinus bemerkt, ihren durch den erweckten
Karfunkel gewirkten gemeinsamen Liebes-Tod, durch den sie von allen irdischen
Qualen erlöst werden. „Der Strahl des Karfunkels, der mich [d.i. Peregrinus]
zum höchsten Leben entzündet, gab dir den Tod, du durch seltsame
Verschlingungen eines geheimnisvollen Zwiespalts dunkler Mächte verbundenes
Paar.“ Der Weg von der Sünde über den Tod des verführerischen und teuflischen
Prinzips, welches Dörtje Elverdink verkörpert, ist nötig, damit Peregrinus -
als die in seinem Horoskop gesetzte und durch die Mikroskopisten Leuwenhoek und
Swammerdamm geweissagte Zeit erfüllt ist - die erlösende Weihnachtsgabe gleich
wie ein inkarnatorisches Geschehen in seinem Inneren empfangen kann und zum
höchsten Leben erweckt wird. - „Das Wunder ist erfüllt, der Augenblick ist
gekommen.“ - „Das Mysterium ist erschlossen.“
2. Ein juristisches Lehrstück
In einem Brief an seinen
Freund Theodor Gottlieb von Hippel kritisiert Hoffmann bereits im Juni 1820 das
Vorgehen der Ministerialkommission in den Demagogenprozessen. Anläßlich der
Verurteilung des Studenten Karl Ludwig Sand, der 1819 auf den russischen
Staatsrat August von Kotzebue ein tödliches Attentat verübt hatte, schreibt
Hoffmann: „Hier war es an der Zeit, auf gesetzlichem Wege mit aller Strenge zu
strafen und zu steuern. Aber statt dessen traten Maßregeln ein, die nicht nur
gegen die Tat, sondern gegen Gesinnungen gerichtet waren.“ Als
schriftstellerischer Ausdruck für Hoffmanns Widerwillen gegen preußische
Gesinnungsspekulationen und politische Strafmaßnahmen, die sich an angeblichen
Tätervorhaben und bloßen Tatgedanken orientieren, kann insbesondere die
Knarrpantiepisode angesehen werden, die mitten im „Meister Floh“ plaziert ist.
Wie bereits aufgewiesen, gibt es eine offensichtliche Parallele zwischen dem
Fall Asverus und den Vorwürfen, die der Geheime Hofrat Knarrpanti gegenüber
Peregrinus Tyß erhebt. Beide, Tyß wie Asverus, bezeichnen sich selbst in ihren
Tagebüchern als „mordfaul“. Aus dieser Selbstbezeichnung wird von Knarrpanti
wie von Kamptz eine vermeintliche allgemeine Lust zum Morden abgeleitet.
Knarrpanti will mit der Tagebucheintragung nachweisen, daß Peregrinus Tyß mit
entsetzlichen Hintergedanken eine Frau entführt habe, wobei jedoch keine Frau
als vermißt und entführt gemeldet ist. Die Tatsache der Entführung sieht
Knarrpanti unter anderem auch dadurch als vollauf erwiesen an, daß Peregrinus
anläßlich einer von ihm besuchten Vorstellung der „Entführung aus dem Serail“
in sein Tagebuch notiert: „Es ist doch was Hohes, Herrliches um diese
Entführung.“ Die Absicht, durch Gesinnungsspekulation und Wortverdreherei einen
Angeklagten für Taten verantwortlich zu machen, die ihm entweder nicht
nachzuweisen sind oder die er gar nicht begangen hat, wird in Hoffmanns Märchen
durch das lächerlich gemachte Prozedere Knarrpantis als Spiegelfechterei und
als dumm decouvriert. Pointiert formuliert ist die Ungereimtheit des
hofrätlichen Vorgehens in Knarrpantis Erwiderung auf die Frage, ob nicht „eine
Tat begangen sein müsse, wenn es einen Täter geben solle“. Knarrpanti ist sich
sicher, „daß, sei erst der Verbrecher ausgemittelt, sich das begangene
Verbrechen von selbst finde. Nur ein oberflächlicher leichtsinniger Richter
sei, wenn auch selbst die Hauptanklage wegen Verstocktheit des Angeklagten
nicht festzustellen, nicht imstande, dies und das hineinzuinquirieren, welches
dem Angeklagten doch irgendeinen kleinen Makel anhänge und die Haft
rechtfertige.“ Damit, daß Hoffmann in seinem Märchen die Unterstreichung des
Ausdrucks „mordfaul“ zitiert, macht er sich - nach Ansicht der
Ministerialkommission - der verunglimpfenden Veröffentlichung
unveröffentlichter Gerichtsakten schuldig. Deshalb wird Hoffmann nun selbst
staatsfeindlicher Gesinnungen verdächtigt. Schwer belastet ihn vor allem ein
Brief an seinen Verleger, in dem er diesen bittet, zwei kurze Stellen aus der
Knarrpanti-Episode zu streichen, „da sie mir gewisser Umstände halber großen
Verdruß machen könnten“. Der Ministerialkommission, die auch diesen Brief
beschlagnahmte, galt die Anmerkung Hoffmanns als Eingeständnis dafür,
staatsfeindliche Gesinnungen verfolgt zu haben. Die Anschuldigungen der
Ministerialkommission führen zu Hoffmanns Vernehmung und zur Fertigung seiner
Verteidigungsschrift, die als „Vermächtnis“ des Juristen und des Künstlers
Hoffmann gelten kann. Was die brieflich erbetene Streichung der beiden
Textstellen anbelangt, nennt Hoffmann in seiner Verteidigungsschrift Gründe,
die weder mit von Kamptz noch mit der Arbeit der Ministerialkommission in
Beziehung stehen. Über das verdächtige „mordfaul“ äußert sich Hoffmann in
seiner Verteidigungsschrift nicht. Insbesondere beinhaltet Hoffmanns
Verteidigungsschrift zum einen das Eingeständnis, daß das Märchen, mehr oder
weniger beabsichtigt, seine juristische Überzeugung zum Ausdruck bringt.
Hoffmann hält fest, daß es sich für ihn, den Dichter, „von selbst ergab, zwei
der größten criminalistischen Mißgriffe ins Licht zu stellen; einmal, wenn der
Inquirent ohne den Thatbestand des wirklich begangenen Verbrechens
festzustellen, auf gut Glück hineininquirirt, zweimal [sic], wenn sich in
seiner Seele eine vorgefaßte Meinung festsetzt, von der er nicht ablassen will,
u[nd] die ihm allein zur Richtschnur seines Verfahrens dient.“ E.T.A. Hoffmann
gesteht also, daß er beim Verfassen seines Märchens von seinem juristischen
Metier nicht abgelassen hat. Allerdings hebt er zum anderen mit aller
Deutlichkeit hervor, daß ihm als humoristischem Dichter vor allem daran gelegen
war, „sich in dem Gebiet seiner phantastischen Welt frei und frisch zu
bewegen“. Er schreibt von seinem romantischen Werk als von einer
„phantastischen Geburt eines humoristischen Schriftstellers, der die Gebilde
des wirklich[e]n Lebens nur in der Abstraction des Humors wie in einem Spiegel
auffassend reflectirt“. Bevor näher auf den romantischen Stil des Märchens
eingegangen wird, kann für den „Meister Floh“, als juristisches Lehrstück
betrachtet, festgehalten werden, daß Hoffmann mitten in die sieben Abenteuer
seines Märchens seine juristische Überzeugung eingebettet hat. Seine Abneigung
gegen jegliche Gesinnungsspekulation und -determination von seiten der Justiz
ist Thema der Knarrpantiepisode, die vom dritten bis zum fünften Abenteuer
reicht. Sie ist umfaßt von den Weihnachtskapiteln und durchdrungen vom
phantastischen Geschehen des romantischen Märchens.
3. Ein romantisches Abenteuer
In Übereinstimmung mit der
Selbstbeschreibung des romantischen Dichters E.T.A. Hoffmann ist die
Knarrpantiepisode als humorvolle Spiegelung der Demagogenprozesse zur Zeit
Hoffmanns zu deuten. Die Knarrpantiepisode selbst wird gespiegelt im
mikroskopischen Glas, dessen Wirkung die inquisitorischen Maßnahmen des Hofrats
Knarrpanti ad absurdum führt. Weil Peregrinus dank des mikroskopischen Glases
„die Gedanken des sublimen Hofrats durchschaute, so war es natürlich, daß er sich
in gehöriger Fassung erhielt und statt, wie Knarrpanti wollte, unruhig zu
werden, durch gar geschickte Antworten Knarrpantis Scharfsinn zuschanden
machte“. Die entlarvende Reflexion des mikroskopischen Glases geschieht
wiederum drittens und letztens durch die Entdeckung des Karfunkels. Diese
Entdeckung, die als Erlösung beschrieben wird und die das mikroskopische Glas
als Geschenk der Hölle zu erkennen gibt, ist in Röschens Beteuerung enthalten:
„Peregrinus! mein holder, geliebter Peregrinus, sieh mir ins Auge, du wirst
keine Spur des leisesten Argwohns finden, ich habe dein reines Gemüt erkannt,
niemals hat dein Wort, dein Blick nur einen verfinsternden Hauch auf den hellen
klaren Spiegel meiner Seele geworfen.“ Die Erlösung wird dadurch vollzogen, daß
Röschen nicht nur ihre eigene Reinheit bekennt, sondern zugleich Peregrinus
zuspricht, daß das Spiegelbild, das sein Gemüt auf ihre Seele werfe, ebenfalls
ganz rein sei. Sie offenbart ihm die Reinheit seines Gemüts, seine Liebe und
also seine Sündlosigkeit, die zur Folge hat, daß er von nun an auf das
mikroskopische Glas verzichtet. Weil die Reinheit der Gemüter nur im Zustand
wahrer, himmlischer oder auch göttlicher Liebe erkannt wird, ist es nach
Hoffmann dem richterlichen Inquirenten untersagt, unabhängig von jeglichem
Straftatbestand die Gesinnung und die Gedanken eines Angeklagten erforschen zu
wollen und gar für das eigene Urteil Letztgültigkeit zu beanspruchen. Der
Erkenntnisweg des Peregrinus Tyß, der mit dem Gebrauch des mikroskopischen
Glases anfängt und hinführt zur Belebung des Karfunkels, rahmt die
Knarrpantiepisode, in der Peregrinus Opfer politisch-juristischer
Gesinnungsspekulation werden soll. Die Gabe des mikroskopischen Glases wie die
Belebung des Karfunkels werden als Weihnachtsereignisse und als ein
geheimnisvolles Wunder beschrieben, durch welche Peregrinus Tyß aus seiner
Einsamkeit und aus den Fängen des Hofrats Knarrpanti zu höchstem Leben gelangt.
Diese Erlösung erlangt Peregrinus im Umgang mit den Phantasiegestalten Meister
Floh, Dörtje Elverdink alias Prinzessin Gamaheh, George Pepusch alias Distel
Zeherit und den beiden Mikroskopisten Leuwenhoek und Swammerdamm. Doch erst
Röschen Lämmerhirt, die in der außerzeitlichen Phantasiewelt keinen Platz
einnimmt, vollendet Peregrinus' Heilsweg. Indem Hoffmann die mehrfach direkt
angesprochenen Leserinnen und Leser seines Märchens immer wieder - seinem
romantischen Stil gemäß - in eine Phantasiewelt entführt, lenkt er den Blick
auf das wirkliche Leben, und zwar insofern, als er über den phantastischen
Umweg den Blick in die Tiefe des Gewohnten und Alltäglichen, wie der
eigennützigen Wortverdrehereien eines Knarrpanti, eröffnet. Indem Hoffmann
durch phantastische Gestalten und Geschichten sowie durch die typisch
romantischen Stilmittel Humor und Ironie Distanz zum Altbekannten, Distanz zum
Eigennutz des Menschen wie zur Liebe zwischen Frau und Mann vermittelt, deckt
er den wahren Lebensgrund und -inhalt menschlichen Lebens auf. Die göttliche
Zuwendung zum Menschen, die an Weihnachten gefeiert und in der Liebe zwischen
den Menschen als himmlisches Ereignis spürbar wird, ist nach Hoffmann
ausschlaggebend für alles menschliche und gottebenbildliche Miteinander in der
durch Raum und Zeit bestimmten „wirklichen“ Welt; nur im Rahmen dieser Einsicht
ist nach Hoffmann auch adäquate Rechtsprechung möglich. Der Inquirent, der sich
selbst abhängig weiß von „der ewigen Macht, die das Innere des Menschen
durchschaut, weil sie es beherrscht“, wird nach Hoffmann unangemessene
Gesinnungsspekulationen unterlassen. Zu dieser Einsicht gelangt nach Hoffmann
jedoch nur, wer durch eine - für die Romantik übliche - Mittlerfigur, wie sie
Meister Floh, Dörtje Elverdink und Röschen darstellen, von der Sünde zum Heil
geführt wird. Der Einsatz solcher Mittlerfiguren befindet sich insofern in
Übereinstimmung mit dem christlichen Glauben, als Hoffmann das Handeln seiner
tierischen und menschlichen Gestalten gerade nur vor dem Hintergrund des
Christfestes wirksam werden läßt. Seine Gestalten agieren also stets in
Rückbezug und unter Verweis auf Jesus Christus, den einen und einzigen
heilbringenden Erlöser, in dem Gottes Liebe Fleisch geworden ist und der darum
grundlegend die wahre himmlische Liebe den Menschen vermittelt. Als Peregrinus
Tyß seinen Heilsweg mit Hilfe der Mittlergestalten vollendet hat und der
Karfunkel ihm als leuchtende Kraft innewohnt, wendet Hoffmann die Rolle seines
Helden und beschreibt den ehemaligen Sünder nun selbst in der Position eines
Richters, nämlich des apokalyptischen Endzeitrichters; dazu ist dieser aufgrund
seiner Teilhabe an der göttlichen Liebe befähigt. Peregrinus sitzt im siebten
Abenteuer des Buches - oder vielmehr, nachdem das siebte Siegel des Märchens
gebrochen ist, - im Traum auf einem Thron, auf dem er nur aufgrund seiner Liebe
über sämtliche Phantasiegestalten richten kann und richtet. Das Vergangene,
über das er zu Gericht sitzt, endet mit dem erlösenden Tod von Dörtje und
George und einem Neuanfang im Leben von Peregrinus Tyß. Er, das einzige Kind
seiner Eltern und mittlerweile elternlos geworden, wird nicht nur zum Vater
über eine Nachkommenschaft, die von Meister Floh allweihnachtlich mit den
schönsten „Spielsächelchen“ beschenkt wird, sondern ist nach Hoffmann auch zum
wahren Christenmenschen geworden, der den Christtag nicht mehr vergessen wird.
4. Fazit zum Schluß
Peregrinus
Tyß, der Held von Hoffmanns Märchen „Meister Floh“, wird von sündhafter
Beziehungslosigkeit und fremdelnder Einsamkeit zu einem Leben in wahrer,
himmlischer Liebe erlöst. Seine Erlösung geschieht im Rahmen des Christfestes.
Allerdings kann sie nach Hoffmann nur durch die Vermittlung von
Phantasiegestalten geschehen. Die Phantasie eröffnet nach Hoffmann den Weg zum
Heil. Jedoch nur in der Wirklichkeit, in Raum und Zeit, kann durch die
liebevolle Zuwendung einer ganz und gar „wirklichen“ Gestalt, wie sie Röschen
Lämmerhirt darstellt, „das Reich namenloser Liebeswonne“ beschritten werden.
Das gewissermaßen christliche Bekenntnis des Autors Hoffmann, das in seinem
„Meister Floh“ zum Ausdruck kommt, ist insofern von besonderer Art, als es
nicht nur ein „Himmelreich“ voraussetzt, sondern mit einem heilsrelevanten
Phantasiereich rechnet. Das Reich der Phantasie leistet nach Hoffmann
maßgebliche Hilfe zur Erlangung von Erlösung. Die sieben Abenteuer, die
Peregrinus durchlebt, führen ihn zur Einsicht in die Angewiesenheit allen
Lebens auf die himmlische Liebe, die ihm selbst zuteil wird. Diese Liebe
streicht Hoffmann in seinem Märchen als höchstes Gut und als im Widerspruch mit
jeglicher Gesinnungsspekulation heraus. Hoffmann selbst hat sich jedoch mit
seinem romantisch-poetischen Phantasiestück und insbesondere mit der
Knarrpantiepisode angreifbar gemacht für Spekulationen über sein eigenes
Inneres und sein Gemüt. Den Beschuldigungen der Ministerialkommission entgeht
er durch seinen Tod am 25. Juni 1822, nachdem sein „Meister Floh“ in zensierter
Fassung erschienen ist.
[1] E.T.A. Hoffmann, Sämtliche Werke in sechs Bänden, Bd. 6: Späte Prosa, Briefe, Tagebücher und Aufzeichnungen, juristische Schriften, Werke 1814–1822; hg. v. Gerhard Allroggen u.a. (Bibliothek deutscher Klassiker 185), Frankfurt a.M. 2004, 1524–1532.
[1] S. Dichter über ihre Dichtungen, Bd. 13: E.T.A. Hoffmann, hg. v. Friedrich Schnapp, 268 Anm. 28.
[1] S. Alfred Hoffmann, E. T. A. Hoffmann. Leben und Arbeit eines preußischen Richters, Baden-Baden 1990, 195. S. auch Rüdiger Safranski, E.T.A. Hoffmann. Das Leben eines skeptischen Phantasten, München 1984, 481.
[1] S. E.T.A. Hoffmann, Meister Floh, in: Ders., Poetische Werke, Bd. 10: Prinzessin Brambilla, Meister Floh, Berlin 1961 (Abkürzung im folgenden: MF) 211.
[1] MF 228/229.
[1] S. dazu E.T.A. Hoffmann, Sämtliche Werke (s. Anm. 1), 1451.
[1] S. dazu Rüdiger Safranski, Romantik. Eine deutsche Affäre, München 2007, 219–221.
[1] S. Hans-Dieter Holzhausen, Art.: Hoffmann, Ernst Theodor Amadeus, in: RGG4, Bd. 3, 1820/1821 und Ders., Jacob Böhme und E.T.A. Hoffmann. Einige Bemerkungen zur Frage der Religiosität Hoffmanns aus Anlaß des E.T.A.-Hoffmann-Buches von Eckart Kleßmann, in: Mitteilungen der E.-T.-A.-Hoffmann-Gesellschaft, 34 (1988), 1–10, 8/9.
[1] S. dazu Hermann August Korff, Geist der Goethezeit. Versuch einer ideellen Entwicklung der klassisch-romantischen Literaturgeschichte, IV. Teil: Hochromantik, Leipzig 6. Aufl. 1964, 628–630. Nach Korff ist das Märchen „Meister Floh“ eine „Erlösungsgeschichte“ (a.a.O., 629/630).
[1] E.T.A. Hoffmann, Brief an die Gebrüder Wilmans, 25. August 1821, in: Dichter über ihre Dichtungen (s. Anm. 2), 261.
[1] MF 299.
[1] MF 148.
[1] MF 151/152.
[1] MF 151: „So hatte er z. B. einst einen Aufriß der Stadt Peking mit allen Straßen, Häusern usw., der die ganze Wand seines Zimmers einnahm, zum Geschenk erhalten. Bei dem Anblick der märchenhaften Stadt, des wunderlichen Volks, das sich durch die Straßen zu drängen schien, fühlte Peregrinus sich wie durch einen Zauberschlag in eine andre Welt versetzt, in der er heimisch werden mußte.“
[1] MF 151–154.
[1] MF 205: „Es hatte sich recht eigentlich ein Floh in sein Ohr gesetzt.“
[1] MF 197.207.
[1] Die drei Versuchungen Dörtjes, denen Peregrinus in Kenntnis ihrer Absicht widersteht, s. MF 226/227.246/247. 273–278.
[1] MF 280 (Hervorhebung von A.K.).
[1] MF 288.
[1] MF 259/260.
[1] MF 278.
[1] MF 159.
[1] MF 284.
[1] MF 287.
[1] MF 277.
[1] MF 239.
[1] MF 237.
[1] MF 284: „Der geneigte Leser hat es aber längst erraten, daß Herr Peregrinus Tyß in die kleine Dörtje sich bloß beträchtlich verliebt hatte, daß aber erst in dem Augenblick, da er Lämmerhirts Röschen, das holde liebe Engelskind erblickte, die wahre himmlische Liebe hell aufloderte in seiner Brust.“
[1] MF 289.
[1] MF 289/290. S. dazu Hermann August Korff, Geist der Goethezeit (s. Anm. 9), 632/633: „Nicht das alles erkennen wollende Ultramikroskop [d.i. das mikroskopische Glas] des absoluten Wissens – das nur von Gott richtig gehandhabt zu werden vermag –, sondern das die Begrenztheit des irdischen Verstandes überspringende, in der Liebe gegründete Vertrauen (das auch des anderen Fehler in sich schließt) ist die Grundlage wahren Lebens.“
[1] MF 290.
[1] MF 216/217.
[1] S. auch Hermann August Korff, Geist der Goethezeit (s. Anm. 9), 631/632.
[1] MF 297/298.
[1] S. Gal 4,4.
[1] MF 293.
[1] MF 298.
[1] Brief an Theodor Gottlieb von Hippel, Berlin, 24. Juni 1820, in: E.T.A. Hoffmann, Sämtliche Werke (s. Anm. 1), 189.
[1] S. aber den Brief von E.T.A. Hoffmann an Wilmans, Berlin, 28. Januar 1822, in: Dichter über ihre Dichtungen (s. Anm. 2), 270: „Indessen wie gesagt, es ist rein unmöglich selbst bey der größten Neigung hämisch mißdeuten zu wollen, etwas aus dem Buche, das keinem Gegenstande entfernterer liegt als der Politik, heraus zu finden.“
[1] MF 229. S. auch MF 227/228: „Des Herrn Geheimen Hofrats Knarrpanti späherisches Flakenauge hatte [...] gar vieles in den Schriften des Herrn Peregrinus Tyß entdeckt, das ihn als einen höchst gefährlichen Menschen darstellte. Peregrinus hatte sonst in seinen früheren Jünglingsjahren ein Tagebuch gehalten; in diesem Tagebuch gab es nun aber eine Menge verfänglicher Stellen, die rücksichts der Entführung junger Frauenzimmer nicht allein auf seine Gesinnungen ein sehr nachteiliges Licht warfen, sondern ganz klar nachwiesen, daß er dies Verbrechen schon öfters begangen.“
[1] MF 212 (Hervorhebung von A.K.).
[1] Dazu bemerkt Hoffmann in einem Brief an seinen Verleger: „Mir Uebelwollende hatten [...] bey einem Gespräch mir abzuhorchen geglaubt, daß das Buch Aktenstücke der Commission der demagogischen Umtriebe enthalten würde. Denken Sie sich den heillosen tollen Unsinn, es ist mir unbegreiflich, daß das PolizeiMinisterium nur einigermaßen darauf eingegangen ist“ (Brief an Wilmans, Berlin, 28. Januar 1822, in: Dichter über ihre Dichtungen [s. Anm. 2], 269).
[1] E.T.A. Hoffmann, Brief an Friedrich Wilmans, Berlin, 19. Januar 1822, in: Dichter über ihre Dichtungen (s. Anm. 2), 267.
[1] E.T.A. Hoffmann, Sämtliche Werke (s. Anm. 1), 1456.
[1] E.T.A. Hoffmann, Verteidigungsschrift, Berlin, 23. Februar 1822, in: Dichter über ihre Dichtungen (s. Anm. 2), 277 (Hervorhebung von A.K.).
[1] A.a.O., 278.
[1] A.a.O., 282.
[1] S. MF 233.
[1] Zum romantischen Verständnis des Glases s. Clemens Brentano, Werke, Bd. 2, München 2. Aufl. 1973, 258/259: „Das Romantische ist also ein Perspectiv oder vielmehr die Farbe des Glases und die Bestimmung des Gegenstandes durch die Form des Glases.“
[1] MF 287/288.
[1] „Die Lust am Geheimnisvollen und Wunderbaren, wie sie in der literarischen Kultur am Ende des [18.] Jahrhunderts aufkommt, ist das Symptom eines Mentalitätswandels, der den rationalistischen Geist zurückdrängt. [...] Besonders E.T.A. Hoffmann wird sie virtuos zu handhaben wissen.“ Rüdiger Safranski, Romantik (s. Anm. 7), 54.
[1] S. zur Verwendung der Ironie in der Romantik, v.a. bei Friedrich Schlegel: Anne Käfer, „Die wahre Ausübung der Kunst ist religiös“ (BHTh 136), Tübingen 2004, 136–138.
[1] MF 290.
[1] S. zur Mittlerfigur in der Romantik: Friedrich Schlegel, Kritische Friedrich-Schlegel-Ausgabe, München/Paderborn/Wien, Bd. 5: Dichtungen, hg. und eingel. v. Hans Eichner, 1962, Lucinde (1–82) v.a. 67.71. S. auch a.a.O., Bd. 2: Charakteristiken und Kritiken I (1796–1801), hg. u. eingel. v. Hans Eichner, 1967, Athenäum Ideen, Nr. 44, 260.
[1] MF 278.
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