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Dr. Klaus Bümlein Ludwigstraße 80, 67346 Speyer |
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Da ist eine Bombe zu wenig gefallen Karl Barths Logion zur
Gedächtniskirche in Speyer? Ein Beitrag zur Entmythologisierung 1. Mündliche Überlieferung und schriftlicher Bericht scheinen überzeugend zusammenzustimmen. „Da ist eine Bombe zu wenig gefallen, im zweiten Weltkrieg.“ So soll sich Karl Barth (1886-1968) geäußert haben zur Kirche der Protestation. Das klingt auch im Abstand eines halben Jahrhunderts befremdlich und gewalttätig. Aus dem Mund von Karl Barth? Wann ich selber das Diktum zum ersten Mal vernommen habe, vermag ich nicht mehr zu sagen. Vermutlich erfuhr ich es in Pirmasens von meinem verehrten Konfirmator Pfarrer Otto Brüstle (1908-1989).[1] Viele andere mündliche Stimmen sind danach dazugekommen, haben mir das Votum des Kirchenlehrers aus Basel ins Ohr geraunt oder mit lautem Behagen verkündet. Es geht nicht nur um mündliche Traditionen. Wichtige Kirchenhistoriker geben das vernichtende Urteil auch schriftlich weiter, in erstaunlicher Übereinstimmung. Im BILDATLAS zur Pfälzischen Kirchengeschichte von Bernhard Bonkhoff ist im Jahr 2000 zu lesen: „Alle namhaften deutschen Kunstglaswerkstätten haben am Fensterprogramm der Speyerer Gedächtniskirche mitgewirkt. Es blieb erst Karl Barth und seinem Kreis vorbehalten, dieses Bauwerk des Weltprotestantismus negativ zu bewerten. Bei einem Besuch der Kirche äußerte sich der Basler Theologe, in Speyer sei eine Bombe zu wenig gefallen.“[2] Otto Böcher schreibt in seinem Kirchenführer: „ ‚Eine Bombe zu wenig’ sei in Speyer gefallen, meinte der große Basler Theologe Karl Barth (1886-1968), als er nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu einer Besichtigung der Speyerer Gedächtniskirche genötigt wurde.“[3] Böcher wiederholte 2004 seinen Bericht in dem Beitrag, der in dem Band zum hundertjährigen Jubiläum der Gedächtniskirche erschien, bereichert um weitere Einzelheiten. „Um das Jahr 1950 führte Kirchenpräsident Stempel den streitbaren Theologen durch ‚seine’ Gedächtniskirche. Angesichts der aufwendigen Architektur im Stile einer französischen Kathedrale brach Karl Barth in die Worte aus: ’Hier ist offenbar eine Bombe zu wenig gefallen.’“[4] Es fehlte nicht an Stimmen, die ein so undialektisch-grobes Urteil dem Theologen Barth um 1950 nicht zutrauen mochten und darum an der Authentizität ihre Zweifel äußerten.[5] Es gab mir auf der anderen Seite zu denken, von Frau Wilma Handrich – ihr Mann Karl Handrich (1913-1994) unterhielt bei weitem den intensivsten Pfälzer Kontakt mit Barth – zu hören: ‚Das kann Barth durchaus gesagt haben’.[6] Bei einer historischen Annäherung gilt es den Bereich der Mutmaßungen zu verlassen. Kritische Rückfragen an das Votum können einsetzen mit der schlichten Überlegung, wann Barth die Gedächtniskirche, wann er überhaupt die Pfalz besucht hat. Eberhard Busch unterrichtet in seiner Barth-Biographie über zwei Pfalzbesuche Karl Barths nach dem zweiten Weltkrieg. Beide Male kam er auf Einladung des Pfälzer Pfarrers Karl Handrich. Zuerst 1947 nach Meckenheim in der Vorderpfalz. Im Sommersemester 1947 lehrte Barth wie 1946 in Bonn und reiste „bei diesem viermonatigen Deutschlandaufenthalt mit Vorträgen durchs Land.“[7] Vom 14.-16.Juni 1947 besuchte er zum ersten Mal die Pfalz. Er predigte in Meckenheim und hielt am Montag, den 16. Juni, einen Vortrag in Neustadt-Winzingen „Die lebendige Kirche des lebendigen Herrn Jesus Christus.“ Pfälzer lesen es gerne: „In Neustadt lernte Barth den pfälzischen Wein lieben und loben.“[8] Von einem Besuch aber in Speyer oder gar einer Führung durch die Gedächtniskirche der Protestation ist nichts erwähnt, weder in den Aufzeichnungen Handrichs noch in Barths Taschenkalender taucht Speyer überhaupt auf.[9] Sollte der Besuch bei dem zweiten Aufenthalt Barths 1953 belegt werden können? Am 21. September 1953 hatte Barth in Bielefeld bei der Gesellschaft für evangelische Theologie einen Vortrag gehalten. Vor 1000 Hörern redete er über ‚Das Geschenk der Freiheit. Grundlegung evangelischer Ethik’.[10] Auf der Rückreise über Münster kehrte Barth dann zum zweiten Mal im Pfarrhaus von Karl und Wilma Handrich ein, dieses Mal in Niederkirchen bei Kaiserslautern. Sechs Stunden lang dauerte am 28. September der „Theologische Konvent“ in Niederkirchen. Nach der Andacht von Dekan Lic. Groß begann das Kolloquium, über das eine genaue Niederschrift von 25 DIN-A 4-Seiten angefertigt wurde. Von pfälzischen Stimmen sind die Fragen und Beiträge von Vikar Kuby, Vikar Hild, Ferdinand Hahn, Frau Dr. med. Schulze, Kirchenpräsident Stempel, Hans Bähr, Gerold Metzger und von Pfarrer Handrich selber verzeichnet.[11] Wieder kommen bei dieser Reise weder die Gedächtniskirche noch Speyer vor. Im Taschenkalender Barths ist vermerkt: „1953: am 27.9. die Fahrt von Düsseldorf über Koblenz – Hunsrück – Meisenheim nach Niederkirchen, am 28.9. Pfarrkonferenz mit Fragebeantwortung, am 29.9. die Fahrt über Kaiserslautern – Pfälzer Wald – Karlsruhe nach Basel.“[12] Der Leiter des Barth-Archivs, Dr. Drewes, meint zu Recht: „Wäre es bei einem der beiden Besuche zu einer Besichtigung der Gedächtniskirche gekommen – und gar unter der prominenten Führung durch den Kirchenpräsidenten –, hätte Barth das gewiss notiert.“[13] Nach 1953 aber war Barth nicht mehr persönlich zu einem Besuch in der Pfalz, hatte also auch keine Gelegenheit mehr zum Besuch der Speyerer Gedächtniskirche. Das heißt mit schlichten Worten: der Besuch Barths in der Gedächtniskirche der Protestation ist bei keinem der beiden Pfalz-Besuche belegt.[14] Die ominöse Aussage erweist sich als unbewiesen, als bloßes Gerücht oder als Legende. Oder ist das Logion bei einer ganz anderen Gelegenheit gefallen als bei dem unverifizierbaren Besuch Barths in der Gedächtniskirche? Das ist nicht von vorneherein auszuschließen. Befragt werden könnten die Briefwechsel Barths mit Pfälzern, wie sie im Barth-Archiv dokumentiert sind. Dort sind 123 (!) Briefe Karl Handrichs zwischen 1945 und 1968 erhalten, dazu 13 Briefe von Hans-Joachim Oeffler 1955-1965, neun von Karl Ludwig Groß 1951-1968, sieben von Heinz Wilhelmy (einschließlich zweier Glückwunschtelegramme), 1933-1966; je ein Brief von Dieter Hauck 1959 und Arnold Bittlinger 1954.[15] Diese Korrespondenzen hoffe ich bei anderer Gelegenheit durcharbeiten zu können. Das angebliche Diktum Barths ist bisher in Briefen nicht belegbar. So bleibt es bei dem Ergebnis: Der in der Pfalz weit verbreitete Ausspruch Barths ist als öffentliche, gar Kirchenpräsident Stempel gegenüber gemachte Äußerung nicht nachzuweisen. Das Gerücht bedarf endgültig der Entmythologisierung. 2. Mit diesem negativen Ergebnis ist freilich das Thema noch nicht erledigt. Die spannende Frage lautet: Wie konnte ein solche Äußerung Barth in den Mund gelegt werden? Wir geraten auf eine interessante Fährten-Suche. Eine wichtige Rolle mag der Bericht gespielt haben, den der eigenständige Barth-Freund und Basler, seit 1946 Berner Pfarrer Walter Lüthi veröffentlichte.[16] Fünf Wochen lang war Lüthi 1947 mit einer Schweizer Hilfs-Delegation rheinabwärts unterwegs, hatte die zerstörten Städte von Freiburg und Karlsruhe besucht, war in eine ausführliche Erforschung deutscher Mentalitäten nach dem Zweiten Weltkrieg eingetreten. Mit Sympathie schildert der Schweizer Pfarrer die Leiden der Bevölkerung und die Suche nach neuen christlichen Aufbrüchen. „Was unser kranker Nachbar braucht, ist Seelsorge.“[17] Trotzdem beobachtet Lüthi genau und kritisch. Kaum je ist ein schärferes Urteil über die im Krieg verschonte Gedächtniskirche niedergeschrieben worden als die, die Lüthi bei seinem Speyer-Besuch notierte.[18] Eine rigorose theologische Anfrage an das Fensterprogramm der Gedächtniskirche! „Es gibt aber in Deutschland auch verschonte Kirchen. Eine derselben ist uns besonders eindrücklich geworden. Sie ist ausgestattet mit viel, fast will uns dünken mit allzu viel Malerei, Was da dargestellt ist, und wie es dargestellt und vor allem angeordnet ist, gibt uns zu denken. Jede Seitenwand des Schiffes trägt drei Bilder im Großformat, auf der einen Seite die Zehn Gebote, die Bergpredigt und – in gleicher Höhe und Größe – den Thesenanschlag Luthers in Wittenberg. Auf der anderen Seite drei Berufungen: die des Jesaja im Tempel, die des Paulus in Damaskus und – wieder auf gleicher Höhe und Größe – die Berufung Calvins nach Genf.“ [19] Lüthi meint in diesem Nebeneinander von Themen des Alten und Neuen Testaments in den Glasfenstern mit Themen der Reformation eine schreckliche Häresie entlarven zu müssen und deutet so: „Also ‚Schrift und Tradition’, Bibel und Kirchengeschichte, genau gleich wie in der römisch-katholischen Kirche. Dabei will dieses Kirchengebäude ausgerechnet zum Gedächtnis an die Reformation gebaut sein. Ein deutlicherer Abfall von dem, was die Reformatoren bewog und bewegte, ist kaum mehr denkbar.“ Diese theologische Fundamentalkritik setzt Lüthi fort bei der Betrachtung der Glasfenster im Chor der Gedächtniskirche und an dem Luther in der Vorhalle, die den Schweizer eher an den „Boxer Schmeling“ als an den historischen Luther erinnert.[20] Er fasst seine Urteil mit den Sätzen zusammen: „Diese Kirche steht in einem fast völlig verschonten, idyllisch gelegenen Ort. Sie hat sozusagen keine Scheibe verloren durch den Krieg. Einzig die Glocken sind heruntergeholt worden. Der Mann, der unbedingt will, dass wir seine verschonte Kirche uns ansehen, hat ein brennendes Anliegen an uns: Ob wir ihm nicht Glocken aus der Schweiz liefern könnten? Wir haben viel zerstörte Kirchen gesehen, diese hier aber erschien uns beinahe die zerstörteste von allen.“[21] Ohne Zweifel hat dieses vehemente Urteil Barth erreicht; die kollegial-freundschaftlichen Beziehungen zwischen Lüthi und Barth waren auch in den Nachkriegsjahren eng.[22] Aber ganz abgesehen von Lüthis Berichten: Musste die protestantische Monumental-Kirche in Speyer bei Barth nicht auf grundsätzliche ekklesiologische Skepsis stoßen? 1959 äußerte sich Barth zu seinem Verständnis des protestantischen Kirchenbaus. Dabei spricht er sich klar für ein ‚Zentralraumprinzip’ aus und sieht ‚die ideale Lösung’ für die Gestaltung der Raummitte „in der Aufstellung eines markanten, aber von einem ‚Altar’ deutlich unterschiedenen, hölzernen und leicht erhöhten Tisches. Er hätte – dazu mit einem beweglichen Pultaufsatz zu versehen – zugleich als Predigtstätte und als Abendmahlstisch und an Stelle eines ‚Taufsteins’ zu dienen [...] Bildliche Darstellungen sind an keiner Stelle des protestantischen Kirchenraums am Platze.“[23] Wie sollte bei diesem Verständnis des Kirchenraums eine mit prachtvollen Fensterzyklen leuchtende Gedenk-Kirche Gnade finden können! Schon 1930 hatte sich der Autor des Römerbriefs mit den Erfolgsbilanzen über die kirchliche Zeitlage vehement theologisch auseinandergesetzt. Univ.-Prof. D. Schneider war im neusten Band seines kirchlichen Jahrbuchs mit dem Urteil zitiert: „Bewährt hat sich das, was wir empirische Kirche nennen, sowohl in seiner Dauerkraft als auch in seiner Elastizität. Die Kirchenführung des letzten Jahrzehnts war ein Meisterstück ...“ „Quousque tandem?“ ist Barths rabiate Kritik an solcher kirchlichen Selbstzufriedenheit überschrieben. Der Anfang von Ciceros Rede gegen den Verschwörer Catilina leitet eine theologisch-rhetorische Kritik ein: „Wo diese Sprache geredet wird, da ist Catilina, da ist die eigentliche, gefährliche Verschwörung gegen die Substanz der evangelischen Kirche. Gefährlicher als das Gefährlichste, was Katholiken, Juden und Freidenker nach den Schauernachrichten, mit denen ihr je und je euer ‚Kirchenvolk’ außer Atem zu halten sucht, gegen sie im Schilde führen können. Gefährlicher als alles, was etwa der Sowjet-Atheismus gegen das ‚Christentum’ unternehmen und vollbringen kann.“[24] So schrieb Barth vor 1933. Wie sollten sich kritische Rückfragen bei Barth nicht verstärken nach 1945, im Blick auf das weitgehende Versagen der evangelischen Kirche gegenüber der Herausforderung des Nationalsozialismus? Wie kann evangelische Kirche glaubwürdig werden ohne eigene Umkehr? Immer wieder geht Barth nach 1945 dieser Elementarfrage nach. „Solange sich die deutsche Kirche selber nicht klar ist, ob sie eigentlich Buße tun will, ob es ihr ernst damit ist, das Alte alt sein und Neues anfangen zu lassen, solange kann ihre Buße nicht damit anfangen, dass sie sich an andere wendet.“[25] Diese kritische Frage Barths an eine unbußfertige Kirche traf in der im November 1945 neu gegründeten „Kirchlich-Theologischen Arbeitsgemeinschaft“ der Pfalz auf offene Ohren. Sie wurde als ureigene Frage begriffen: an die Pfälzische Kirchenleitung, aber auch an eine Großkirche, die mit der protestantischen Selbstgewissheit wie vor dem ersten Weltkrieg immer noch den heroischen Luther im Kreis der Fürsten darbot, immer noch in den Fensterzyklen das Ineinander von Bibelbotschaft und gloriosen Reformationsgeschehen vor die Augen rückte. Am Sonntag Jubilate 1946 richtete die KTA einen ‚Antrag’ an Landeskirchenrat, Kirchenregierung und pfälzische Pfarrerschaft: Zentrale Themen waren dabei die Anerkennung des Barmer Bekenntnisses als rechtes biblisches Zeugnis und als rechte Auslegung der Heiligen Schrift mit allen Konsequenzen, dazu die Anerkennung und Übernahme der Stuttgarter Schulderklärung sowie ein zusätzliches Bekenntnis der besonderen eigenen Schuld der pfälzischen Kirche.[26] Nach den programmatischen Aussagen der KTA sollte zudem „die Behörden- und Pastorenkirche“ in eine Gemeindekirche verwandelt werden. „Die Theologische Erklärung von Barmen aus dem Jahr 1934 sollte nach den Leitsätzen der KTA der Anfang und die Grundlage einer Neuordnung der Landeskirche und Maßstab eines ‚echten’ Unionsbekenntnisses sein.“[27] Wie konnte in ein solches kritisches Erneuerungskonzept die bestehende Festkirche protestantischer Glorie passen? Alljährlich war für die Gedächtniskirche eine Gottesdienst-Kollekte zu erheben. Diese Kollekte, so konnte ein Pfarrer sagen, „die braucht nicht eurer Liebe empfohlen werden, die könnte auch fehlen.“[28] Was lag näher als die verbreitete Unlust an einer Kirche, die wie ein gebautes Bollwerk gegen die Ekklesiologie von Barmen emporragte, von Barth her zu legitimieren? Und vielleicht war Barth, in einem überraschenden Sinne, doch der Autor des kritischen Macht-Spruchs! Mit Frank-Matthias Hofman hat der Leiter des Barth-Archivs darauf aufmerksam gemacht, dass auch der Barth-Sohn Markus mit seiner Frau in intensivem Austausch mit Handrichs stand. Das Gästebuch von Familie Handrich weist Eintragungen von Markus Barth bis 1991 auf. Nach rückwärts betrachtet finden sich Besuche dokumentiert: 1989, 1987, 1979, 1970, 1969. Und schon im Jahr 1948, im Jahr nach Walter Lüthis Besuch der Gedächtniskirche; im Jahr, als der Bericht über die Gedächtniskirche erschien! Möglicherweise war Markus Barth sogar zwei Mal 1948 in der Pfalz. Dass Markus Barth die kritischen Stimmen zur Gedächtniskirche aus dem Munde Handrichs und seiner Freunde aufnahm und mit Lüthis Urteil verglichen wurde, kann man sich gut vorstellen. Drewes meint sogar: „Daß Markus Barth bei einem Gegenbesuch in der Pfalz das Privileg hatte, vom Kirchenpräsidenten durch die Gedächtniskirche geführt zu werden, ist immerhin denkbar.“[29] So könnte es sich, vermutet Drewes, um eine Legenden-Wanderung handeln: eine Erzählung, die „von einem Barth auf den anderen gewandert ist – von dem weniger berühmten Markus Barth auf den berühmteren Karl Barth.“[30] So ergibt sich bei der Analyse von Karl Barths angeblichem Gewalt-Logion zur Speyerer Gedächtniskirche ein zweifaches Fazit: Von Barth selber ist der Spruch nicht belegbar. Insofern ist Entmythologisierung unvermeidbar. Anderseits passt das Wort nur allzu gut in Barths kritische Ekklesiologie und in die Suche nach einem umkehrbereiten Neuanfang in Teilen der pfälzischen Kirche nach 1945. Hundert Jahre nach der Einweihung der Gedächtniskirche können viele unbefangener die Gedächtniskirche würdigen als Ausdruck protestantischer Kirchenbau-Gestaltung um 1900 und die Tatsache einer festlichen Groß-Kirche annehmen. Die bunte Vielfalt der Beiträge zum hundertjährigen Jubiläum der Kirche 2004 legt dafür Zeugnis ab. Bedenkliche Rückfragen und kritische Anfragen sind darum nicht ausgeschlossen. [1] Vgl. Georg Biundo, Die evangelischen Geistlichen der Pfalz seit der Reformation, Neustadt an der Aisch 1968. Nr.63, Neues Pfälzer Pfarrerbuch, erarbeitet von Paul Weber, Speyer 1989, Nr. 80. [2] Bernhard Bonkhoff, Bildatlas zur Pfälzischen Kirchengeschichte, Speyer 2000, 507 (zu Abbildung Nr.778) [3] Otto Böcher, Die Gedächtniskirche der Protestation, Speyer 1987,44 [4] Otto Böcher, Die Speyerer Gedächtniskirche im Spiegel ihrer Kritiker, in. BPfKG 71, 2004, 247. Als Quelle gibt Böcher an: „So der damalige pfälzische Synodale Georg Bauscher (1899–1977) nach mündlicher Mitteilung Hans Stempels.“ [5] So etwa Alfred Kuby und Walter Ohler [6] Ähnlich Prof. Friedrich Wilhelm Graf im Brief an den Verfasser vom Mai 2007 [7] Eberhard Busch, Karl Barths Lebenslauf, München 1975, 358 [8] Busch a.a.O. 359 [9] Brief Dr. Hans-Anton Drewes vom 28.6.2004 aus dem Karl-Barth-Archiv [10] Busch a.a.O. 417 [11] Theologischer Konvent mit Professor D. Karl Barth in Niederkirchen bei Kaiserslautern am 28. September 1953. Maschinenschriftliches Gesprächsprotokoll, 25 Seiten (angefertigt von stud. theol. Ferdinand Hahn). Der Durchschlag dieses Protokolls wurde mir von Pfarrer Klaus Groß überlassen. [12] Brief Dr. Hans-Anton Drewes vom 28.6.2004 [13] 28.4.2004 [14] Auch eine Eintragung in das Besucherbuch der Gedächtniskirche ist nicht nachweisbar; erst in der Amtszeit von Dekan Klaus Böhm in Speyer (1982-1996) wurde nach englischen Vorbildern ein solches Buch angelegt.- Ebenso wenig erbrachte die Suche nach Hinweisen in den Protokollen des Landeskirchenrats.- Auch im persönlichen Nachlass von Kirchenpräsident Stempel fand sich bisher keine Notiz über Barths eventuellen Besuch in der Gedächtniskirche. (Freundliche Auskunft von Frau Christhild Phieler, Landau) [15] Brief Dr. Hinrich Stoevesandts an den Verfasser 28.9.1994; K. Barth, Briefe 1945-1968 [16] Deutschland zwischen gestern und morgen, Basel o.J, Vorbemerkung vom Oktober 1948. Lüthi (1901–1982) wirkte als einflussreicher Prediger in Basel bis 1946, danach in Bern. [17] a.a.O. 108 [18] Lüthi nennt weder den Namen der Kirche noch den Namen von Speyer. Ohne jeden Zweifel richtet sich seine Kritik aber auf die Speyerer Gedächtniskirche der Protestation. [19] a.a.O. 58 [20] a.a.O 58 [21] a.a.O. 58 [22] R. Bohren, Prophetie und Seelsorge, Eduard Thurneysen, Neukirchen-Vluyn 1982, etwa S. 148.163.169 f. [23] K. Barth, Offene Briefe 1945-1968, 1984, 467 f. [24] Zitiert nach Karl Barth ‚Der Götze wackelt’, Zeitkritische Aufsätze, Reden und Briefe von 1930 bis 1960, her. von Karl Kupisch, Berlin 1961, 27 f. [25] Brechen und Bauen, Eine Diskussion 1947, Offene Briefe 1945-1968, 1984, 120 [26] Dargestellt bei Andreas Kennerknecht, Die Aufnahme der Stuttgarter Schulderklärung, Wissenschaftliche Hausarbeit zum ersten theologischen Examen 1984, 47-50 [27] Heinz Kronauer, Die Kirchlich-Theologische Arbeitsgemeinschaft der Pfalz (KTA) 1945-1950, BPfKG 64, 1997, 275-279. Hier 27 [28] So Pfarrer Paul Werron (1912-2005) nach dem Bericht von Hans Blitt. [29] Brief Dr. Drewes vom 28.6.2004 an den Verfasser. [30] Drewes a.a.O. Allerdings hat sich auch diese Kombination bisher weder im Nachlass Handrichs noch bei Kirchenpräsident Stempel dokumentieren lassen. |