Impressum
Dr. Martin Schuck
Lindenstraße 19, 67346 Speyer


Kirche der Freiheit?

Am 6. Juli hat der Rat der EKD ein Impulspapier vorgestellt mit dem Titel: „Kirche der Freiheit. Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert“. Das Papier reiht sich ein in eine lange Reihe von veröffentlichten Kommissions- und Arbeitsgruppenergebnissen, die sich allesamt mit der Zukunftsfähigkeit und konkreten Fragen zur Zukunftsgestaltung der evangelischen Kirchen beschäftigen. Für unsere Landeskirche bedeutend war der „Perspektivplan“, der auf der Herbsttagung der Landessynode 1996 vorgestellt wurde; EKD-weit am meisten Aufsehen erregte das etwa zeitgleich erschienene „Evangelische München-Programm“ (EMP), in dem die Unternehmensberatung McKinsey eine radikale Strukturreform für das evangelische Dekanat München vorschlug. In den Jahren danach, noch in den ausgehenden 90er Jahren, erschienen dann eine Reihe von Büchern, die ganz offensiv eine Umgestaltung der Strukturen evangelischer Kirchen nach betriebswirtschaftlichen Kriterien forderten. Die bekanntesten Bücher waren der von Arnd Brummer und Wolfgang Nethöfel herausgegebene Tagungsband „Vom Klingelbeutel zum Profitcenter? Strategien für das Unternehmen Kirche“ (Hamburg 1997) sowie das von Friederike und Peter Höhner verfaßte „Handbuch Führungspraxis Kirche. Entwickeln – Führen – Moderieren in zukunftsorientierten Gemeinden“ (Gütersloh 1999). Im Tagungsband von Brummer und Nethöfel wurde tatsächlich ohne Anführungszeichen vom Unternehmen Kirche gesprochen; das traf nämlich sehr genau die inhaltliche Orientierung des gesamten Projekts.

Mittlerweile ist vieles gescheitert, was in diese Richtung unternommen und vorgedacht wurde, denn irgendwie ist die Kirche wohl doch kein so richtiges Unternehmen; Unternehmen haben nunmal keine Synoden oder irgendwelche anderen demokratischen Entscheidungswege. Auch sind föderale Strukturen, wie sie im deutschen Protestantismus aufgrund der Eigenkirchlichkeit der Landeskirchen bestehen, betriebswirtschaftlichen Entscheidungsprozessen eher hinderlich. Eine gesamtkirchliche Zentrale, die Entscheidungen von oben nach unten durchsetzen könnte, gibt es im deutschen Protestantismus nicht. Zwar finanzieren die Landeskirchen mit ihrem Geld einen Dachverband, um einige gemeinsame Aufgaben zu koordinieren, aber echte Befugnisse hat dieser Dachverband EKD nicht. Die EKD-Synode hat vergleichsweise wenig zu entscheiden; alles, was Geld kostet, muß durch die Kirchenkonferenz, und dort sitzen die Vertreter der Landeskirchen.

Eine der vornehmsten Aufgaben der EKD ist es deshalb, anerkannte Experten aus allen Bereichen des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens zur Mitarbeit in Kommissionen und Arbeitsgruppen einzuladen, um dem deutschen Protestantismus Einfluß bei politischen Entscheidungen mit ethischer Tragweite zu sichern, Verständigungen über die Grenzen der Landeskirchen hinweg in theologischen Fragen zu suchen und gemeinsame Vorgehensweisen angesichts gesellschaftlicher Entwicklungen zu empfehlen. Zu Letzterem gehört selbstverständlich auch die Frage nach gemeinsamen Strategien der Landeskirchen angesichts zu erwartender Einnahmeausfälle aufgrund der demographischen Entwicklung sowie einer Politik, die direkte Steuern immer weiter absenkt und dafür indirekte Steuern stark erhöht.

Von daher ist es legitim, daß der Rat der EKD eine Perspektivkommission eingesetzt hat, um das jetzt vorgestellte Impulspapier „Kirche der Freiheit“ zu erarbeiten. In solchen Aktivitäten besteht eine der wichtigsten Aufgaben der EKD, und die geldgebenden Landeskirchen dürfen erwarten, daß diese Arbeit gut und gründlich gemacht wird.

Die Kritik an „Kirche der Freiheit“ kann sich deshalb nicht auf das Projekt als solches beziehen, sondern muß eine inhaltliche Kritik sein. Die Frage muß lauten: Kann der deutsche Protestantismus als Verband föderal organisierter Kirchen den Weg gehen, den die Perspektivkommission des Rats der EKD in diesem Impulspapier empfiehlt? Genau darüber soll in den kommenden Monaten und Jahren diskutiert werden. Ein erster Schritt, die „weiterführenden und korrigierenden Überlegungen zu bündeln, wird der Zukunftskongress der EKD im Januar 2007 in Wittenberg bieten“, so der Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber in seinem Vorwort.

 

Theologischer oder betriebswirtschaftlicher Rationalität verpflichtet?

Die Logik, die für das Impulspapier leitend ist, kann man in aller Kürze so umschreiben: Die föderale Struktur des Protestantismus verhindert, daß eine zentral gelenkte Strukturreform stattfinden kann. Also muß die föderale Struktur so verändert werden, daß eine betriebswirtschaftliche Planung, die in der Lage wäre, Entscheidungen von oben nach unten durchzusetzen, möglich wird. Deshalb muß bei der Eigenkirchlichkeit der Landeskirchen angesetzt werden. In einer theologischen Herleitung wird begründet, daß und warum es möglich ist, sich bei der Gestaltung evangelischer Kirchenordnungen größtmöglicher Freiheiten zu bedienen. So ist es richtig, daß es nach evangelischem Verständnis „keine heiligen, unantastbaren, unveränderbaren Organisationsstrukturen“ gibt. Deshalb wird es als „Daueraufgabe evangelischer Kirchenleitung auf allen Ebenen“ genannt, „[a]uftragsgemäßen, theologisch reflektierten Wandel zu ermöglichen“.

So weit, so gut. Schaut man sich aber die Liste der Mitglieder der Perspektivkommission an, dann beschleicht einem doch die Angst, daß die theologische Reflexion des Wandels auch in diesem Impulspapier nicht weiter führt als zu den seit einem guten Jahrzehnt immergleichen Empfehlungen und Änderungskonzepten: Pfarrstellen reduzieren, verstärkt Prädikanten und Lektoren einsetzen, Zahl der Landeskirchen verringern, betriebswirtschaftliche Führungskultur einführen sowie die EKD als zentrale Agentur des Protestantismus stärken.

Verantwortlich für „Kirche der Freiheit“ ist ein Kreis von 12 Personen. Der Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber, hat selbst den Vorsitz übernommen. Einer der beiden Geschäftsführer ist der EKD-Oberkirchenrat Thies Gundlach. Um es gleich vorwegzunehmen: Gundlach ist der einzige in der Kommission, der über Erfahrungen als Gemeindepfarrer verfügt, die weniger als zehn Jahre zurückliegen. Neben Huber und Gundlach gibt es noch drei weitere Theologen: Den sächsischen Landesbischof Jochen Bohl, den Systematiker Klaus Tanner, derzeit Professor in Halle, sowie den badischen Oberkirchenrat Michael Nüchtern. Dessen Reputation gründet allerdings weniger auf seiner derzeitigen Tätigkeit, sondern auf vergangenen Funktionen, u. a. als Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, und einigen wichtigen Publikationen über die Zukunft der Kirche in einer Situation des weltanschaulichen Pluralismus.

Unter den anderen sieben Mitgliedern sind zwei Unternehmensberater: Peter Barrenstein von McKinsey Deutschland und Bernhard Fischer-Appelt, Geschäftsführer einer Hamburger Consulting-Firma. Prominentestes Mitglied neben Huber und Barrenstein ist Renate Köcher, die Direktorin des Instituts für Demoskopie in Allensbach. Dann gibt es drei Kirchenjuristen: den ehemaligen Präsidenten des Kirchenamts der Hannoverschen Landeskirche, Eckhart von Vietinghoff, der vor Jahren einen mittlerweile in vielen Punkten umgesetzten Plan zur EKD-Reform vorstellte, die Direktorin des Kirchenamtes der Württembergischen Landeskirche und juristische Stellvertreterin des Landesbischofs, Margit Rupp, sowie den EKD-Finanzdezernenten OKR Thomas Begrich (neben Gundlach als zweiter Geschäftsführer der Perspektivkommission). Aus dem wirtschaftlichen Bereich kommt noch Marlehn Thieme dazu, die aufgrund ihrer leitenden Position in einer großen Bank in den Rat der EKD berufen worden ist.

Man setzte bei der Berufung der Kommission also gezielt auf wirtschaftlichen Sachverstand, und demzufolge ist „Kirche der Freiheit“ weniger theologischer als betriebswirtschaftlicher Rationalität verpflichtet. Diese Verpflichtung gegenüber zweier unterschiedlicher Rationalitäten, deren Verhältnis zueinander an keiner Stelle des Impulspapiers so ganz genau geklärt wird, führt dann leicht zu Aporien, die kaum auflösbar sind.

 

Pfarrer oder Ekklesio-Terchnokraten?

Die Art und Weise etwa, wie der Pfarrdienst in „Kirche der Freiheit“ in den Blick kommt, kann das verdeutlichen: Grundsätzlich – und das ist sehr hoffnungsvoll – wird mit Hochachtung über den Dienst der Pfarrer gesprochen. Vorbei sind die Polemiken früherer Jahre, als in einigen Landeskirchen Pfarrerinnen und Pfarrer nur als Kostenfaktor in den Blick kamen. Sehr fair wird formuliert: „Zu den ermutigenden Wahrnehmungen gehört auch die unangefochten gute und stabile Stellung der Geistlichen in der Außenwahrnehmung. Pfarrerinnen und Pfarrer haben einen guten Ruf. In jedem sog. ‚Berufs-Ranking’ stehen die Geistlichen seit vielen Jahren unangefochten in der Spitzengruppe und genießen großes Vertrauen. Die meisten Einwände gegen den Berufsstand der Geistlichen formuliert die interne [!; M.S.] Kritik an der sog. Pfarrerkirche – die es bei nüchterner Betrachtung so nicht bzw. nur sehr bedingt gibt.“ – Man wünscht sich, diese Erkenntnis würde sich auch bei allen Landessynodalen der EKD-Gliedkirchen durchsetzen.

Auch wird zumindest in Erwägung gezogen, daß es einen inneren Zusammenhang gibt zwischen Pfarrgehältern und der Qualität der Bewerber für den Pfarrdienst. So wird darüber nachgedacht, ob sich die Fragen nach der zukünftigen Gehalts- und Tarifstruktur nur auf die nach wie vor vorhandenen Differenzen zwischen Ost und West beziehen, oder auch „auf die Frage, ob Gehälter und Tarife eingefroren oder gar langsam abgesenkt werden sollen. Aber was bedeutet eine – wie auch immer gestaltete – Gehaltsabsenkung für den Pfarrerstand? Wäre damit perspektivisch auch ein langsames Absinken des Niveaus verbunden? Wäre das mit den wachsenden qualitativen Anforderungen vereinbar?“

Aus solchen Überlegungen spricht die Einsicht in das hohe Niveau der Arbeit des Pfarrberufs. Die Pfarrerinnen und Pfarrer in den EKD-Gliedkirchen scheinen in den Augen der Mitglieder der Perspektivkommission ihre Arbeit gut zu machen und sind ihr Gehalt wert. Würden sie nicht mehr angemessen bezahlt werden, wäre es zukünftig nicht mehr möglich, die leistungsstarken Schüler eines Abiturjahrgangs für das Theologiestudium zu gewinnen.

Diese Wertschätzung der von Pfarrerinnen und Pfarrer geleisteten Arbeit ist aber nur die eine Seite. In einem längeren Abschnitt, der sich mit der „Analyse kirchlicher Schwachstellen“ beschäftigt, geht es wieder fast nur um die Arbeit der Pfarrerinnen und Pfarrer. Der programmatische Satz zu Beginn lautet: „Über die Qualität der kirchlichen Arbeit – insbesondere des Pfarrdienstes – ist insgesamt zu wenig bekannt.“ Die Perspektive, aus der heraus auf den Pfarrdienst geblickt wird, ist jetzt eine andere. Es geht nicht mehr um die hohe Wertschätzung, die die insgesamt gute Arbeit der Pfarrer erfährt, sondern um das Fehlen einer einheitlichen Methode, diese Arbeit in allen EKD-Gliedkirchen zu messen und zu bewerten. Zwar haben alle Landeskirchen das Instrument der Visitation und viele zusätzliche „moderne Führungsinstrumente wie einen ‚Kirchenkompass’ (Zielverabredung mittels einer ‚balanced scorecard’, d.h. einer ausgeglichenen Bewertung von messbaren und immateriellen Prüfkriterien)“, aber es fehlt eben ein „begleitendes Qualitätsmanagement“. „Ohne klare Standards und ohne Qualitätskontrolle ist eine Qualitätsanalyse jedoch unmöglich“.

Hinter solchen Sätzen steckt die Annahme, daß die Arbeit der Pfarrerinnen und Pfarrer zwar gut ist, aber aufgrund des unterschiedlich weit entwickelten Qualitätsmanagements in den Gliedkirchen nur schwer einer vergleichenden Analyse zu unterziehen. Eine solche Vergleichbarkeit muß aber gewährleistet sein, wenn eine aussagekräftige Qualitätskontrolle gemacht werden soll. Die Idee, daß das Ansehen des Pfarrberufs vielleicht auch deshalb so hoch ist, weil die diesen Beruf ausübenden Personen als Vertreter einer Profession angesehen werden, deren Tätigkeit sich eben nicht mittels betriebswirtschaftlicher Qualitätsstandards vollständig ausdrücken und beschreiben läßt, kommt den Autoren offensichtlich nicht in den Sinn. Die Stellung des Pfarrberufs ist jedoch nicht zuletzt deshalb so hoch angesehen, weil in der Begegnung mit Vertretern dieses Berufs vielen eine Ahnung davon aufblitzt, daß es auch so etwas wie eine in sich sinnerfüllte und für andere sinnstiftende Professionalität jenseits der Totalkontrolle der Wirtschaft gibt. Dafür, daß ein Pfarrer auch Verwaltungsarbeit verrichten muß, bedauern ihn viele seiner Gemeindeglieder. Müßte er sich auch noch, ähnlich wie der Filialleiter eines Media-Marktes, einer systematischen Qualitätskontrolle unterziehen, die über das geistliche Instrument der Visitation hinausgeht, erschiene er vielen als ziemlich gewöhnlicher Vertreter jener wirtschaftlichen Rationalität, in der sich alles rechnen muß, und die dem Gefühl vieler Menschen für das, was in der Kirche wichtig ist, entgegensteht.

Pfarrerinnen und Pfarrer werden angesehen als Vertreter einer Institution, die qua Auftrag für das Unverfügbare im Leben zuständig ist; von ihnen wird erwartet, mit ihrer ganzen Persönlichkeit eine Verankerung in den lebensweltlichen Bezügen ihrer Gemeindeglieder zu repräsentieren – und diese lebensweltlichen Bezüge hin und wieder reflektierend zu transzendieren, nicht jedoch die Lebenswelt der Gemeinde in den allgegenwärtigen betriebswirtschaftlichen Systemzwang aufzulösen. Müßte sich nämlich der Pfarrer einer systematischen Qualitätskontrolle unterziehen, wie sie vielen Gemeindegliedern aus ihrer beruflichen Tätigkeit in der Industrie oder der Verwaltung bestens bekannt ist, wäre er bald genau dieser Aura des Zuständigen für das Unverfügbare im Leben beraubt. Das wäre dann der Abstieg des Theologen und Seelsorgers hin zum Ekklesio-Technokraten. Die Rede von „Taufquote“, „Trauquote“ und „Beerdigungsquote“ sollte hier hellhörig machen.

 

Synoden oder Planungsstäbe?

„Kirche der Freiheit“ wurde nach Veröffentlichung als ein mutiges Papier bezeichnet. Der Mut zum angeblichen Tabubruch wurde in der Forderung gesehen, die gegenwärtig 23 Landeskirchen auf acht bis 12 zu verkleinern. Viel mutiger ist jedoch die in einen leicht verschachtelten Satz gepackte Forderung, die vorhandenen synodalen Strukturen zu verändern – aber das hat entweder niemand so richtig bemerkt, oder es interessiert nicht: „Für eine klare Zuordnung von Leitungsverantwortung in der Kirche, eine Öffnung für moderne, schnelle Entscheidungswege, eine deutliche Unterscheidung zwischen Geschäftsführung und geistlicher Aufsicht können sich auch kirchliche Institutionen Elemente einer modernen Führungskultur zu Nutze machen. Die jetzigen synodalen Strukturen, die ganz überwiegend den Gedanken der Partizipation und Beteiligung in die Mitte stellen, sind in bewusster Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Umwelt entstanden und bedürfen – wie andere kirchliche Handlungsfelder auch – einer kritischen Prüfung im Blick auf ihre Zielorientierung und Effektivität. Nicht jede Veränderung im Bereich von Leitung und Führung in der Kirche ist übrigens gleich als Abkehr vom synodalen Selbstverständnis der evangelischen Kirchen zu verstehen.“

So richtig der letzte Satz auch sein mag: Wenn seine Funktion darin bestehen soll, den Sprengstoff aus dem Satz davor zu entschärfen, dürfte er wenig überzeugen. War die synodale Struktur bisher ein Garant dafür, daß durch geregelte demokratische Verfahren eine möglichst breite Partizipation an der Macht gewährleistet war, so wird jetzt erwogen, die synodale Struktur funktional in eine betriebswirtschaftliche Führungskultur einzubauen. Synoden dienen dann nicht mehr der Partizipation an der Macht, sondern lediglich der Legitimation von Macht. Damit hält man zwar formal am synodalen Prinzip fest (als einem „kirchlichen Handlungsfeld“ unter vielen anderen), hat es aber inhaltlich entscheidend ausgehöhlt. Synoden, die sich nicht mehr dem inhaltlich profilierten, manchmal schwierigen und deshalb langwierigen Diskurs über die Richtigkeit von Zielen verpflichtet fühlen, sondern nur noch im Dienst einer effektiven Erreichung von Zielen (die von übergeordneten Leitungsstellen zur Umsetzung vorgegeben werden) stehen, sind keine evangelischen Synoden mehr sondern innerbetriebliche Planungsstäbe. Diese Transformation der protestantischen Kirchenleitung zu einer „modernen“ Führungszentrale dürfte langfristig wesentlich größere Auswirkungen auf das innerkirchliche Leben haben als die Frage, ob es zukünftig acht, 12 oder 23 Landeskirchen gibt.  

Die positiven Reaktionen von Vertretern östlicher Gliedkirchen auf „Kirche der Freiheit“ überraschen nicht. Dort ist der Prozeß der Fusionierung von Landeskirchen in vollem Gange und wird sich in den folgenden Jahren noch fortsetzen. Die Reaktionen von Vertretern der westlichen Kirchen waren eher verhalten. Kirchenpräsident Eberhard Cherdron etwa erklärte, daß er für diese Frage in der Pfälzischen Landeskirche keinen Handlungsbedarf sieht. Spannend wird sein zu beobachten, ob es in den wichtigeren Fragen eine Verständigung zwischen den Landeskirchen über die Vorschläge der Perspektivkommission gibt. Für die Perspektiven des Pfarrberufs und die synodale Struktur der evangelischen Kirchen wird dies von größter Bedeutung sein.




index / forum palatina / rezension / forum / archiv / links / e-mail