Günter Kettenbach: Kulttrank und Kulturgut Wein.
Verlag Pfälzer Kunst Laizdau, l32 S., viele Abb., gebunden
Dieses Buch besticht zunächst durch sein Äußeres: Beinahe zum ersten Mal finden
wir hier rund hundert farbige Bilder von Torschlußsteinen und ähnlichen Verzierungen
pfälzischer Winzerhofe und Weingüter - der Übergang ist fließend -, alle vorzüglich
aufgenommen von Günter Kettenbach. Den ebenfalls schon gesetzten Text zu lesen,
hatte ich meine Schwierigkeiten. Da ist zwar vom Stockund Admiralitätsanker die
Rede, vom Sesel, vom Phönix und der geheimnisvollen Zahl Vier, aber der Autor
kommt in seiner Darstellung immer wieder auf die Seefahrt zu sprechen, denn das
Segelschiff ist für ihn das Ursymbol der Kirche. Das erklärt sich aus seiner Biographie:
Er ist l939 geboren, wurde Kapitänleutnant der Reserve bei der Bundesmarine, war
von 1969 bis l974 Militärpfarrer bei der U-Bootflottille. Er ist führend tätig
im Bundesverband »Segeln - Pädagogik - Therapie«, und von ihm stammen unter anderem
die Bücher »Das Segelschiff - Ursymhol der Kirche« und »Das Logbuch des Lukas«.
Er hat z.B. festgestellt, daß außer vielen Pfarrämtern auch drei deutsche Landeskirchen
das Segelschiff im Wappen haben: Bremen, Nordelbien und die Reformierte Synode
in Bayern und Nordwestdeutschland. So kommt K. immer wieder vom Wein zum Segeln
und vom Segeln zum Wein. Ich nenne die Hauptkapitel: das Symbol Anker, Dionysos
und Jesus Christus, Wein und Gesundheitslehre, Wein und die Meerreligion, Charakterbildung
und Ordnung, Gedenksteine am Weg, Speyer und der Wein, der Wind das himmlische
Kind, und schließlich - S. 117 bis 131 - Bildtafeln. Da steht viel Lesenswertes
drin: Ermunterung, Trost und Hoffnung - wobei mich manche Wiederholungen ermüden.
Aher vielleicht ist das Buch nicht gedacht, auf einmal gelesen zü werden, wie
ich das getan habe. Ganz besonders nimmt sich der Autor den Titusbrief vor und
interpretiert ihn als maßgebliche Äußerung gegen den Mißbrauch des Weines. Ganz
zentral sind die Aussagen auf Seite 65 über die Bedeutung von Brot und Wein im
Christentum. Und jeder Gartenoder Ackerbauer dürfte seine Freude haben an dem,
was auf S. 70 und danach geschrieben steht. Aber schon auf S. 75 ist der Verfasser
wieder beim Segeln. Bei Speyerer Schlußsteinen (S. 904) kennt sich Kettenbach
gut aus. Über einen anderen, den Hahn im Wappen der Blarer von Geiersberg in Wachenheim
aus dem Jahre 1595 habe ich mit ihm diskutiert: Er hält den Hahn auf Grund seiner
Füße zugleich für einen Phönix. »Der Anker, das Kreuz, das Lamm mit der Siegesfahne,
der Fisch, das Siegel IHS deuten eindeutig auf Jesus Christus...« - das ist der
Grundton des Buches. Man mag zu eigenen Deutungen angeregt werden, aber wer es
einem Kollegen zum 60. oder 70. Geburtstag schenkt, macht ihm vermutlich eine
Freude.
Dr. Alfred H. Kuby
Luitpoldstr. 23, 67480 Edenkoben
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